Kühne & Nagel-CEO Klaus Herms: «Die Schweiz steht punkto Verkehr gut da»


Bei Kühne & Nagel zeigt die Gewinnkurve wieder nach oben. Der Reingewinn stieg auf 196 Millionen Franken. Konzernchef Klaus Herms spricht im Moneycab-Interview über seine Ausbaupläne und nimmt Stellung zur Schweizer Verkehrspolitik.

Von Lukas Schweizer


Kann einen Rekordgewinn ausweisen: CEO Klaus Herms
Moneycab: Klaus Herms, vor einigen Jahren haben Sie den Bereich Landverkehr an den Nagel gehängt, jetzt nehmen Sie den Faden wieder auf. Warum?
Klaus Herms: Wir glauben, dass die erste und letzte Meile im Transportwesen, also vom Hersteller zu Flugzeug, Schiff oder Bahn und von dort zum Kunden, immer per LKW läuft. Wenn wir uns aus diesem Verkehr komplett raushalten, laufen wir Gefahr, eines Tages den internationalen und interkontinentalen Verkehr nicht mehr kontrollieren zu können. So einfach ist das.

Wie verläuft die Eingliederung im Moment?
Zur Zeit ist der Wettbewerb in Europa sehr schwierig ist, man muss schon fast sagen ruinös. Aber es werden in den nächsten Jahren sehr viele Strukturveränderungen entstehen, es werden sich Konkurrenten aus dem Geschäft verabschieden und dadurch wird ein Vakuum entstehen. Dann sind wir bereit um uns in diesen Verkehr einzuklicken.

Was für Umsatzziele, in Prozenten ausgedrückt, streben Sie mit dem neuen Standbeinan?
Das ist wirklich eine sehr schwere Frage. Wenn wir den Reingewinn betrachten, der beträgt zur Zeit etwa 200 Millionen Franken, sind wir jetzt mit dem LKW-Verkehr bei zehn Prozent. Also 20 Prozent sollten es schon werden.

In der Schweiz wird die Verkehrspolitik gross thematisiert. Bundesrat Leuenberger hat zu einer übergreifenden Konferenz geladen, wo nebst Bund und Kantonen auch die Transporteure geladen sind. Nimmt Kühne & Nagel auch daran teil?
Wir sind beim Oberflächenverkehr in der Schweiz mit unseren Lagern in Embrach und anderen Städten nur an der Verteilung beteiligt. Wir haben also nicht die Bedeutung, dass wir da ein Wort mitreden sollten – nicht zur Zeit.

Ich denke, Sie beobachten aber die Entwicklung genau. Was ist Ihre Meinung zur Verkehrsproblematik der Schweiz?
Im Grunde genommen, ist die Schweiz verkehrstechnisch gar nicht so fürchterlich aufgestellt. Wir vergessen, dass die Schweiz schon sehr gut zwischen Strassen- und Schienenverkehr unterteilt hat. Sie steht in Europa mit 28 oder 30 Prozent Transport auf der Schiene an erster Stelle. Die Belastung auf den Strassen ist im Rahmen und ausserdem sehr gut und pragmatisch organisiert. Das ist viel besser als in vielen andern Ländern Europas.


Klaus Herms 
Klaus Herms ist gebürtiger Bremer und begann seineberufliche Laufbahn im April 1959 mit einer dreijährigen Ausbildung zum Textilfachmann. Nach sechsmonatigem Volontariat beim Bankverein war Herms 18 Monate als kaufmännischer Angestellter in Berliner und Schweizer Textilfabriken tätig. Anschliessend studierte er zwei Jahre an der Deutschen Aussenhandels- und Verkehrsschule in Bremen und schloss als Betriebswirt ab.

Im Januar 1968 trat Herms als Praktikant in die Dienste des Kühne & Nagel Stammhauses in Bremen. Im August 1969 wurde er nach Hongkong entsandt, um bei der dortigen Kühne & Nagel-Gesellschaft die Luftfrachtleitung zu übernehmen. Bis Ende 1973 war er Verkaufsrepräsentant für das Projektgeschäft in Fernost. Parallel dazu assistierte er dem Regionalchef der Gesellschaften in Hongkong, Singapur und Taiwan.

Anfang 1974 wurde Herms zum Regionalmanager Fernost ernannt. In den Folgejahren widmete er sich dem Aufbau einer Reihe von Landesgesellschaften, darunter Indonesien, Japan, Korea, Malaysia, die Philippinen, Sri Lanka und Thailand. 1980 übernahm er auch die Regionalvertretungen für Australien und Neuseeland.

Im Januar 1988 wurde Herms zum Line Chief Executive Asia Pacific ernannt und gleichzeitig zum Mitglied des damaligen Groupmanagements .

Seit dem 1. Juli 1999 ist Herms Vorsitzender der Geschäftsleitung von Kühne & Nagel. (pd/lus)

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