Lohnherbst fällt für Travail.Suisse befriedigend aus

Dies Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik beim Gewerkschaftsdachverband Tavail.Suisse, am Montag in Bern vor den Medien fest. Zum Teil gleich wieder aufgebracht werden die Erhöhungen laut Blank durch die höheren Krankenkassenprämien, Lohnabzüge und Mehrwertsteuer im nächsten Jahr. Die Arbeitnehmenden sollten am Wirtschaftsaufschwung beteiligt werden, hatte Travail.Suisse im August gefordert und je nach Branche Lohnerhöhungen von 0,5 bis 3 Prozent verlangt. Die Bilanz von Travail.Suisse kurz vor Jahresende liegt etwas unter einem Zwischenstand, den der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) vor rund einem Monat gezogen hatte. Der SGB war von Lohnerhöhungen von mehrheitlich 2 bis 3 Prozent ausgegangen.


Prämien statt Erhöhungen
Der Trend hin zu individuellen Lohnerhöhungen setzte sich fort, wie Travail.Suisse mit Bedauern feststellte. Das öffne Willkür und Bevorzugung Tür und Tor, sagte Blank. Die Verteilung der individuellen Komponente und von Boni sei undurchsichtig und sie komme oft den Besserverdienenden zu Gute, fügte Arno Kerst von der Gewerkschaft Syna an. Unbefriedigend für die Gewerkschaften ist auch, dass reguläre Lohnerhöhungen durch Einmalzahlungen ersetzt wurden. Zwar fielen diese Prämien zum Teil ziemlich üppig aus: Migros zahlt etwa bei voller Beschäftigung 750 Franken aus, bei der SBB sind es 550 Franken. Doch: «Prämien sind nicht nachhaltig», gab Blank zu bedenken. Sie würden nicht zu einem festen Lohnbestandteil und der Rentenanspruch erhöhe sich dadurch nicht. So blieben sie höchstens eine «nette Anerkennung».


Baumeister im Abseits
Enttäuscht zeigte sich Kerst von der Allbranchen-Gewerkschaft Syna über die abgebrochenen Verhandlungen im Bauhauptgewerbe. Die Höhe des Angebots der Baumeister – insgesamt 1 Prozent – und ihr Vorgehen seien «ein schlechtes Omen» für die anstehenden Verhandlungen über einen neuen Landesmantelvertrag im kommenden Jahr. Nicht zufrieden zeigte sich Kerst auch über die Lohnverhandlungen im Gesundheitswesen; sie würden durch den Spardruck beherrscht. Positiv hob Kerst jedoch die Lohnerhöhung um 2 bis 3 Prozent beim Grossverteiler Coop sowie den neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit dem Discounter Lidl hervor.


Druck mit Schiedsgericht
Die Abschlüsse für das Personal des Service Public beurteilt der Verband transfair ebenfalls als «durchaus befriedigend». Im Gegensatz zum Vorjahr sei das Schiedsgericht nicht eingeschaltet worden, sagte Matthias Humbel von der Gewerkschaft transfair. Bei Swisscom sei es aber beinahe so weit gekommen. Post, SBB, Swisscom und Bundesverwaltung zahlen laut Humbel zwischen 1 und 2,6 Prozent höhere Löhne. Humbel verwies als Positivpunkt auf den Rahmensozialplan mit der Post, der 20 bestehende Sozialpläne ersetzt. Bei der SBB kam es zudem zur Einigung über einen GAV und der Bund zeigte sich bereit, Lohndiskriminierungen bei Frauen zu überprüfen.


Gastgewerbe ohne Lohnerhöhung
Keine Lohnerhöhungen gibt es im Gastgewerbe, wie die Sozialpartner schon in einem auf Anfang 2010 gültigen GAV vereinbarten. Ab 2012 werde eine neue Lohnskala eingeführt, sagte Eric Dubuis von der Hotel & Gastro Union. Im laufenden Jahr wurde unter anderem die Feriendauer um eine auf fünf Wochen erhöht.  (awp/mc/ps/08) 

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