Lufthansa: Nach Tarifeinigung droht neuer Konflikt bei Piloten

Damit wollen sie ihrer Forderung nach einer konzernweiten Personalvertretung für die Piloten der grössten deutschen Fluggesellschaft Nachdruck verleihen. Unter den Mitgliedern der Gewerkschaft ver.di gibt es zudem Widerstand gegen die Tarifeinigung vom Freitag. Der Konzern lehne den Wunsch nach einer Art eigenem Konzernbetriebsrat seit Jahren ab, sagte ein Pilot. Ein solches Gremium könnte bei der Verlagerung von Kapazitäten zwischen Konzernteilen mitreden. Auch das Magazin «Der Spiegel» berichtete über drohende Warnstreiks.


Lufthansa weiss von nichts
Zurückgewiesen wurde aber die Darstellung, die Piloten der Konzernmutter wollten damit den Piloten der Töchter Eurowings und CityLine zur Seite springen, die derzeit eine Anhebung ihres Gehalts durchsetzen wollen. Beide Fragen hätten nichts miteinander zu tun, hiess es. Auch bei den Töchtern gelten weitere Arbeitskämpfe jederzeit als möglich. Ein Sprecher der Lufthansa erklärte, ihm lägen derzeit keine Informationen über einen Warnstreik vor.


Nein-Parole
Unterdessen forderte ein «Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di» das Boden- und Kabinenpersonal auf, in der Urabstimmung zum Tarifabschluss mit Nein zu stimmen. Das Netzwerk teile «voll und ganz die Empörung von Lufthansa-Kollegen, wie der Mechaniker in München, über den Tarifabschluss», hiess es in einer Mitteilung. Die ver.di-Führung habe den Streik abgebrochen, als er begonnen habe, Wirkung zu zeigen. Die Gehaltserhöhungen bedeuteten keinen Ausgleich für die Preissteigerungen der vergangenen Monate.


«Streik ist immer ultima ratio»
Die mit ver.di konkurrierende Gewerkschaft UFO will den Vertrag ebenfalls nicht akzeptieren und im kommenden Jahr mit einem eigenen Abschluss 15 Prozent mehr Geld für das Kabinenpersonal durchsetzen. Der Leiter Tarifpolitik bei UFO, Joachim Müller sagte im NDR: «Streik ist immer ultima ratio. Aber selbstverständlich, wenn es notwendig ist, werden wir auch Arbeitskampfmassnahmen ergreifen.»


Nachwirkungen weiter spürbar
Die Nachwirkungen des Streiks sind derweil weiterhin spürbar. Auch für Montag seien etwa 130 der insgesamt rund 2.000 Flüge der Lufthansa weltweit gestrichen worden, davon 100 auf der Kurzstrecke. «Ein Wintereinbruch hätte deutlich grössere Folgen», sagte ein Sprecher. Von Dienstag bis Freitag sollen täglich voraussichtlich noch je 40 Flüge ausfallen. Erst in zwei Wochen wird der Betrieb den Angaben zufolge wieder normal laufen.


7,4 Prozent mehr Lohn
Lufthansa und ver.di hatten sich am Freitag darauf geeinigt, die Gehälter von rund 50.000 Beschäftigten in zwei Schritten um zusammen 7,4 Prozent anzuheben. Die Gehälter sollen rückwirkend zum 1. Juli um 5,1 Prozent steigen. Am 1. Juli 2009 gibt es einen weiteren Anstieg um 2,3 Prozent. Hinzu kommt eine Einmalzahlung. Die Urabstimmung soll am Mittwoch beginnen und eine Woche laufen.


Bsirske unter Beschuss
Ver.di-Chef Frank Bsirske stand unterdessen wegen eines Gratisflugs mit der Lufthansa weiter unter massiver Kritik. Einzelne Politiker legten ihm den Rücktritt nahe. Ein ver.di-Sprecher bestätigte den Freiflug nach Los Angeles, sprach aber von einer «üblichen Regelung». Bsirske ist Mitglied des Lufthansa- Aufsichtsrats. Ihm steht ein Kontingent an Freiflügen zu. Ein Unternehmenssprecher sagte der dpa, rechtlich gebe es nichts über den Flug zu diskutieren.


Piloten mit Schadenersatzklage gedroht
Die Lufthansa hat angesichts drohender Streiks bei den Piloten der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit mit einer Schadensersatzklage gedroht. «Sollte sich die Vereinigung Cockpit nicht davon abbringen lassen, werden wir ein Verbot der Streiks erwirken und vollständigen Schadenersatz fordern», sagte Lufthansa-Sprecherin Claudia Lange am Montag in Frankfurt. (awp/mc/ps/08)

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