Matthias Reinhart, Geschäftsleiter VZ Holding

Interview von Robert Jakob


Moneycab: Herr Reinhart, seit November ist Bewegung im Markt für Vorsorgeprodukte. Wichtige Anbieter wie Swisscanto, die Bâloise und letzthin auch das VZ Vermögenszentrum lancierten passive Anlageprodukte, die auf Indexfonds oder Exchange Traded Fonds, sogenannten ETF, beruhen. Haben Vorsorgesparer die Nase voll von hohen Managementgebühren?


Matthias Reinhart: Herkömmliche Wertschriftenlösungen in der Säule 3a sind tatsächlich sehr teuer. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt in der Regel zwischen 1,1 und 1,5 Prozent. Hinzu kommen weitere Gebühren wie zum Beispiel Transaktionskosten, die bei Umschichtungen innerhalb des 3a-Fonds anfallen und je nach Anbieter auch Ausgabeaufschläge sowie Stiftungsgebühren. Wertschriftenlösungen, die auf ETF und anderen Indexfonds basieren, kosten dank der passiven Verwaltung in der Regel deutlich weniger.


Wie kommt Ihr neues Angebot an?


Zurzeit besuchen täglich über Tausend Personen unsere neue 3a-Plattform unter www.vzfinanzportal.ch . Vor allem die tiefen Gebühren und die Möglichkeit, die Anlagestrategie individuell zusammenstellen zu können, kommen bei den Kunden sehr gut an. Vorsorgesparer können bei unserer 3a-Lösung innerhalb der gesetzlichen Vorgaben selbst entscheiden, wie sie ihr Guthaben auf die sieben Anlagekategorien verteilen wollen, die zur Auswahl stehen. Und sie können sich jederzeit online in ihr Depot einloggen und die Anlagen in ihrer Säule 3a umschichten.



«Aktuell sind wir in München, Frankfurt und Nürnberg mit einer Niederlassung präsent. 2011 kommt Düsseldorf hinzu. Das Geschäft wirft einen Gewinn ab und finanziert das Wachstum aus eigener Kraft.» Matthias Reinhart, Geschäftsleiter der VZ Holding


Ist passives Investieren nur eine Modeerscheinung oder wird es ein Dauerbrenner?


Passives Investieren ist vor allem bei Sparprozessen mit verhältnismässig kleinen Beträgen sinnvoll, wie es zum Beispiel in der Säule 3a in der Regel der Fall ist. Bei grösseren Anlagesummen empfehlen sich passive Anlageformen als Kernanlagen im Rahmen einer Core-Satellite-Anlagestrategie oder als kurzfristiges, taktisches Marktengagement. Aktiv verwaltete Anlageformen haben aber keineswegs ausgedient, denn nur mit ihnen lässt sich eine Mehrrendite gegenüber dem Index erzielen. Entscheidend sind hier allerdings die richtige Wahl und die laufende Überwachung.


Im ersten Halbjahr 2010 liess das Netto-Neugeld von 595 Millionen Franken die vom VZ verwalteten Vermögen Assets auf 7,2 Milliarden Franken anwachsen, obwohl es an der Börse in dieser Periode schlechter lief. Ihr Vertrauen in die Zukunft manifestiert sich auch in einem um 5 Prozent höheren Personalbestand. Geht es in diesem Rhythmus weiter?


Die Nachfrage nach unseren Beratungsdienstleistungen steigt, entsprechend müssen wir auch unsere Kapazitäten ausbauen. Das wird sich auch auf die Höhe der verwalteten Vermögen auswirken. Unser Mittelfristziel ist es, den Betriebsertrag jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent zu steigern.


Das Onshore-Business, dem sich das VZ von Anfang an verschrieben hat, wird immer mehr zum unausweichlichen Standard. Befriedigt Sie das?


Das Offshore-Geschäft passt nicht zu uns. Wir haben unsere Dienstleistungen strikt auf inländische Kundschaft ausgerichtet. Ausländische Märkte entwickeln wir ausschliesslich vor Ort. In Deutschland sind wir schon seit mehreren Jahren mit Niederlassungen präsent. An dieser Strategie wird sich auch in Zukunft nichts ändern.


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Ihre Bilanzsumme hat just die Milliardengrenze geknackt. Mit einer Tier 1-Eigenkapitalquote von 19,2 Prozent verfügen Sie fast über eine zu hohe Eigenmittelausstattung. Wäre nicht ein höherer Hebel wünschenswert?


Die Bilanzsumme ist für uns keine wichtige Messlatte, weil sie vor allem davon abhängig ist, wie wir die verwalteten Kundenvermögen bewirtschaften. Mehr als 80 Prozent unserer Vermögensverwaltungskunden entscheiden sich aufgrund der deutlich tieferen Gebühren für unsere eigene Bank, die VZ Depotbank, als Depotbank. Entscheiden wir uns bei den verwalteten Kundenvermögen vorübergehend für eine höhere Cash-Quote, steigen automatisch die Kontobestände bei der VZ Depotbank und damit auch die Bilanzsumme. 



«Unser Mittelfristziel ist es, den Betriebsertrag jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent zu steigern.»


Welche neuen Ideen haben Sie für das Firmenkundengeschäft, das ja nur ein Zehntel des VZ-Umsatzes ausmacht?


Unsere Beratung der Firmenkunden konzentriert sich auf Fragen zu Vorsorge, Versicherung und Risikomanagement. Der Schwerpunkt bei der Verwaltungstätigkeit liegt in der Betreuung von Pensionskassenlösungen. Wir wollen in diesem Bereich innovative Kadervorsorgelösungen für Unternehmerinnen und Unternehmer, selbstständig Erwerbende und leitende Mitarbeitende entwickeln, die sich positiv auf unser Firmenkundengeschäft auswirken sollten.


Wie wollen Sie im Firmenkundengeschäft die im Vergleich zum Privatkundengeschäft niedrigere Marge steigern?


Das Wachstum im Firmenkundengeschäft sollte für zusätzliche Skalen- und Produktivitätseffekte sorgen, die zu einer Verbesserung der Marge führen.


Wollen Sie bei einer Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent bleiben?


Diese Ausschüttungsquote hatten wir bereits anlässlich des Börsengangs im 2007 als Zielgrösse genannt. Wir werden uns weiterhin an dieser Leitlinie orientieren, schliessen aber nicht aus, dass die Quote mittelfristig etwas erhöht wird. 


Wie entwickelt sich Ihr Geschäft in Deutschland?


Aktuell sind wir in München, Frankfurt und Nürnberg mit einer Niederlassung präsent. 2011 kommt Düsseldorf hinzu. Das Geschäft wirft einen Gewinn ab und finanziert das Wachstum aus eigener Kraft. Das stellt eine solide Basis dar für die weitere Entwicklung. 


Das erste circa einstündige Beratungsgespräch beim VZ Vermögenszentrum ist kostenlos. Wieviel Prozent der Kunden bleiben bei der Stange?


Rund 60 Prozent der Kunden, mit denen wir ein kostenloses erstes Gespräch führen, erteilen uns einen honorarpflichtigen Beratungsauftrag. 15 bis 20 Prozent entscheiden sich nach Abschluss des Beratungsprojekts für eine Verwaltungsdienstleistung. Diese Quoten sind seit vielen Jahren stabil.





Der Gesprächspartner:
Matthias Reinhart ist Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der VZ Holding AG sowie Vorsitzender der Geschäftsleitung der VZ-Gruppe. Bevor Matthias Reinhart 1992 das VZ gründete, war er fünf Jahre lang Associate und Engagement Manager bei McKinsey & Co. in Zürich und Chicago. Sein Betriebswirtschaftsstudium an der Hochschule St. Gallen schloss er 1986 als lic. oec. HSG ab.


Das Unternehmen:
Das VZ ist ein unabhängiger Schweizer Finanzdienstleister. Die VZ Holding ist seit März 2007 an der SIX Swiss Exchange kotiert. Das Unternehmen hat sich vornehmlich auf die Bereiche Pensionierungsberatung, Vermögensverwaltung sowie Versicherungs- und Pensionskassenverwaltung für Unternehmen spezialisiert. Seine Dienstleistungen sind auf vermögende Privatkunden ab 55 Jahren und auf Unternehmenskunden mit mehr als 20 Beschäftigten fokussiert. Das VZ vertreibt keine eigenen Finanzprodukte und ist kein Produktevermittler, sondern finanziert sich aus Beratungshonoraren und Verwaltungsgebühren. Mitte 2010 verwaltete das VZ Kundenvermögen in der Höhe von rund 7,2 Milliarden Franken und ein jährliches Prämienvolumen von 257 Millionen Franken. Das Unternehmen beschäftigt rund 460 Mitarbeitende.

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