Münchener Rück will erstmals Aktien zurrückkaufen – Rekordjahr

Zudem erhöhte der weltweit zweitgrösste Rückversicherer am Dienstag wie von Analysten erwartet seinen Ausblick für 2006 und peilt nun das dritte Rekordjahr in Folge an. «Unsere Zwischenbilanz ist sehr positiv, selbst wenn man den ungewöhnlich guten Schadenverlauf und die günstige Börsensituation in Rechnung stellt», sagte Vorstand Jörg Schneider. Die Aktie war am Nachmittag Schlusslicht im DAX .


Eine Drei vor dem Komma
Auch für nächstes Jahr peile die Münchener Rück beim Überschuss eine Drei vor dem Komma an. Noch sei es aber zu früh, um dies als konkretes Ziel ins Auge zu fassen, betonte Schneider. Der Rückversicherer will sowohl interne als auch externe Wachstumschancen nutzen, wenn sie den Anforderungen an die Profitabilität entsprächen, bekräftigte Schneider. Grundsätzlich kämen dabei auch Zukäufe in Frage, aber in eher kleinerem Umfang. «Mega-Fusionen werden Sie aller Voraussicht nach – jedenfalls in der nächsten Zukunft – nicht unter Beteiligung der Münchener Rück erleb en.»


«Wir setzen auf Disziplin und Stabilität»
Für die Vertragserneuerungsrunde zum Januar 2007 zeigte sich Vorstand Torsten Jeworrek optimistisch. «Wir setzen auf Disziplin und Stabilität bei den anstehenden Erneuerungen zum Jahresbeginn 2007.» Auf dem US-Markt seien 2006 kräftige Preissteigerungen für Risiken aus Naturgefahren erzielt worden. «Für die europäischen Märkte gehen wir von zumindest stabilen Preisen aus.»


Auf allen Ebenen etwas besser als erwartet
Die Münchener-Rück-Aktie sank bis zum Nachmittag um 1,46 Prozent auf 128,09 Euro. Am Vortag war sie mit einem Plus von 3,39 Prozent aus dem Handel gegangen. In den vergangenen zwei Monaten hat der Titel etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. Die Bilanz ist einer ersten Analysteneinschätzung vom Morgen zufolge «bombastisch» ausgefallen. Die Zahlen seien auf allen Ebenen etwas besser als erwartet. Hinzu komme die Erhöhung der Ertragsziele, sowie ein umfangreicher Aktienrückkauf und die Erwartung einer guten Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 93 Prozent. Allerdings sahen Händler die Gefahr von Gewinnmitnahmen im Sinne des «sell on good news». Diese hätten das Papier stetig abbröckeln lassen.


Aktienrückkauf
Die Münchener Rück wird bis zur Hauptversammlung Ende April 2007 über die Börse eigene Aktien für einen Kaufpreis von höchstens einer Milliarde Euro erwerben. Auf Basis des derzeitigen Kursniveaus wären dies knapp 8 Millionen Papiere oder 3,4 Prozent des Grundkapitals. Die Aktien so llen dann eingezogen werden. «Das ist ein massvoller Schritt, aber mit einer wichtigen Signalwirkung, vor allem an die Rückversicherungsmärkte», sagte Schneider. Die Aktionäre hatten den Rückversicherer ermächtigt, bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zu erwerben. Der Markt hatte in der vergangenen Zeit bereits über Aktienrückkäufe spekuliert. Die Münchener Rück will die vollständigen Details ihres ersten Aktienrückkaufs «in den nächsten Tagen» veröffentlichen.


Konzerngewinn dürfte zwischen 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro liegen
Da die diesjährige Hurrikansaison anders als in den beiden Vorjahren ruhig war, hatte die Münchener Rück kaum Schadenzahlungen nach Naturkatastrophen zu leisten. «Unser Renditeziel für 2006 – 15 Prozent auf das risikoadjustierte Eigenkapital (RoRAC) – werden wir aus heutiger Sicht deutlich übertreffen.» Der Konzerngewinn dürfte zwischen 3,2 bis 3,4 (Vorjahr Rekord 2,74) Milliarden Euro liegen, wenn sich Kapitalmarkt und Schadenverlauf bis Jahresende wie erwartet entwickelten. Angesichts des «ausgezeichneten Geschäftsverlaufs» sieht Schneider die Möglichkeit, die Dividende erneut anzuheben (2005: 3,10 Euro je Aktie). Der Rückversicherer will seinen Aktionären weiterhin ein Viertel seines Gewinns als Dividende auszahlen.


Rückversicherung
Für die Rückversicherung zeigte sich die Münchener Rück nun zuversichtlicher als bisher. In ihrem grössten Geschäftsbereich strebt die Gruppe nun eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von unter 95 Pr ozent an statt bisher unter 97 Prozent. Je weiter dieser zentrale Indikator für die Ertragskraft im reinen Versicherungsgeschäft unter 100 Prozent liegt, desto mehr sind Aufwendungen für Schäden und Kosten allein durch Prämieneinnahmen gedeckt. Allerdings sei die tropische Wirbelsturmsaison noch nicht vorbei, sagte Schneider. Ausserdem könnten, wie sich Mitte vergangener Woche an der Nordsee angedeutet habe, starke Herbst- und Winterstürme in Nordeuropa ebenfalls grosse Schadenbelastungen nach sich ziehen.


Operatives Ergebnis mehr als verdoppelt
Im dritten Quartal hat die Münchener Rück ihr operatives Ergebnis mehr als verdoppelt und damit Analystenerwartungen übertroffen. Der Gewinn schnellte auf 1,316 Milliarden (Vorjahr: 656 Mio) Euro hoch. Der Quartalsüberschuss wuchs um 42,4 Prozent auf 732 Millionen Euro. Hier hatten Analysten allerdings mit 756 Millionen Euro etwas mehr erwartet. Das Kapitalanlageergebnis sank um 27,4 Prozent auf 2,236 Milliarden Euro. Experten hatten aber einen noch stärkeren Rückgang prognostiziert. Die Beiträge sanken derweil stärker als angenommen. Die gebuchten Bruttobeiträge schrumpften um 2,5 Prozent auf 9,017 (Prognose 9,135) Milliarden Euro. Die verdienten Nettobeiträge sanken um 1,4 Prozent auf 8,812 (Prognose 8,886) Milliarden Euro. (awp/mc/gh)

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