Nokia Siemens Networks streicht Tausende Stellen

Die einzelnen Länder werden unterschiedlich betroffen sein. Wie stark die deutsche Belegschaft betroffen ist, sei noch nicht entschieden, hiess es. In Deutschland arbeiten 10.500 Menschen für NSN, vornehmlich in München. Weitere grosse Standorte sind Ulm, Greifswald, Düsseldorf und Berlin. Sie stellen Anlagen für Mobilfunk und Festnetz her, entwickeln die passende Software und übernehmen Wartung und Betrieb. Das Gewicht verschiebt sich dabei immer mehr in Richtung der profitableren Dienstleistungen.


Einsparungen von einer halben Milliarde Euro
Durch das Sparprogramm will das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen die Ausgaben bis Ende 2011 um 500 Millionen Euro drücken. Weiteres Geld will das Management um den neuen Chef Rajeev Suri durch den günstigeren Einkauf von Material und Leistungen einsparen. Der Umbau führe in den kommenden beiden Jahren allerdings auch erstmal zu Kosten in ähnlicher Grössenordnung.


Der Erfolg bleibt aus
Nokia und Siemens hatten NSN vor zwei Jahren mit grossen Erwartungen gegründet. Die beiden Konzerne wollten durch die Fusion ihrer jeweiligen Ausrüster-Sparten einen neuen starken Spieler schaffen. Im Zuge des Zusammenschlusses fielen Tausende Arbeitsplätze weg. Doch der Erfolg blieb aus: Der Umsatz schrumpfte im dritten Quartal um ein Fünftel auf knapp 2,8 Milliarden Euro, der Verlust stieg auf mehr als 1 Milliarde Euro an. Mutter Nokia, die beim Gemeinschaftsunternehmen die Führung innehat, schrieb daraufhin ihrerseits tiefrote Zahlen. Auch Siemens droht eine milliardenschwere Belastung. Der alte NSN-Chef Simon Beresford-Wylie musste bereits gehen.


NSN verliert Marktanteile
Neben der Wirtschaftskrise hat NSN mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Das Unternehmen verliert immer mehr Kunden an die Konkurrenz. Neben Marktführer Ericsson setzen auch chinesische Billiganbieter wie Huawei oder LTE der Gemeinschaftsfirma zu. Sein Heil sucht Nokia Siemens im Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts. Dem soll der neue Zuschnitt des Unternehmens Rechnung tragen. Statt fünf gibt es künftig nur noch drei Sparten: für die Herstellung der Anlagen, für deren Betrieb und für neue Serviceangebote wie die Abrechnung.


Für Übernahmen offen
Mit Partnerschaften will NSN den Wandel vorantreiben. Auch für Übernahmen zeigten sich die Deutsch-Finnen offen, «wenn sich entsprechende Gelegenheiten bieten», wie es hiess. Jüngst hatte NSN hier aber eine herbe Niederlage einstecken müssen. Ericsson schnappte ihnen die Mobilfunk-Sparten des insolventen kanadischen Ausrüsters Nortel Networks vor der Nase weg. Geld für Übernahme ist grundsätzlich vorhanden: NSN hatte sich eine Kreditlinie über 2 Milliarden Euro gesichert. «Die Kreditlinie besteht weiter», sagte die Sprecherin. (awp/mc/pg/24)

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