Oracle verlangt von SAP wegen Datenklau kräftigen Nachschlag

Eine derartige Forderung sei «Routine», stellten Oracles Anwälte in einer Eingabe an das zuständige Gericht fest. SAP wies das Ansinnen am Wochenende umgehend zurück: «Wir glauben nicht, dass Oracle zu irgendeiner Entschädigung berechtigt ist, die über das endgültige Gerichtsurteil in diesem Fall hinausgeht.» Ohnehin ist der Fall für SAP weit kostspieliger gewesen als das Gerichtsurteil vermuten lässt. Die Deutschen hatten sich als Zeichen des guten Willens im Vorfeld bereiterklärt, Oracles Anwaltskosten in Höhe von 120 Millionen Dollar zu übernehmen. Alles in allem würden die Kosten des Verfahrens im schlimmsten Falle damit auf weit mehr als 1,6 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro) steigen – den Imageschaden nicht mit eingerechnet.


Datenklau im grossen Stil
SAP war mit der Übernahme der Software-Wartungsfirma TomorrowNow im Jahr 2005 in den Schlamassel geraten. Mitarbeiter von TomorrowNow hatten nach dem Kauf in grossem Stil unrechtmässig Updates bei Oracle heruntergeladen. Oracle klagte 2007 mit dem Vorwurf des Datendiebstahls und bekam Ende November vor einem Geschworenengericht Recht. Oracle argumentiert bei seiner Zusatzforderung, dass die vom Gericht zugesprochenen 1,3 Milliarden Dollar die ausgefallenen Lizenzzahlungen für die heruntergeladene Software seien. Da die Fälle in den Jahren 2005 und 2006 stattgefunden hätten, würden entsprechende Zinsen bis heute fällig.


SAP erwägt Berufung
Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig und SAP erwägt, in Berufung zu gehen. Die Deutschen hatten die Verfehlungen zwar im Grunde zugegeben und auch die Verantwortung für das Fehlverhalten der Tochtergesellschaft übernommen. Doch bezifferten sie den entstandenen Schaden auf lediglich gut 40 Millionen Dollar. SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Damit steuern Firmen ihre Geschäftsprozesse, etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung. Oracle-Chef Larry Ellison gab in den vergangenen Jahren dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus, um aufzuholen. Der aufbrausende Milliardär lässt keine Gelegenheit aus, die Deutschen zu attackieren. 


SAP will sich weiterhin auf Software beschränken
SAP will sich auch künftig auf Software beschränken und sich keine Rechnersparte anschaffen. «Statt Hardware zu integrieren, ist es wichtiger, dass wir im Kernbereich Software neue Ideen entwickeln», sagte Konzernchef Jim Hagemann Snabe dem «Handelsblatt» (HB/Montagausgabe). Diese Aufgabe will SAP unabhängig schaffen: «Wir wollen eigenständig bleiben», betonte Snabe, der das Unternehmen seit Februar zusammen mit Bill McDermott führt. «Und Gerüchte, dass man uns kaufen will, gibt es seit über 20 Jahren.»


«Business by Design» soll endlich durchstarten
In den jüngsten Datenveröffentlichungen durch Wikileaks sieht Snabe keine Gefahr für das Cloud-Computing, bei dem Daten und Programme ins Internet ausgelagert werden. «Wir werden unsere Expertise beim Thema Sicherheit auch für mobile Anwendungen in der Geschäftswelt nutzen», sagte der Manager zu den Chancen in dem Geschäftsfeld. Die SAP-Mietsoftware Business by Design soll nach längeren Verzögerungen mit technischen Problemen nun endlich durchstarten. «Bis Mai nächsten Jahres wollen wir eine kritische Grösse von mehreren hundert Kunden haben», sagte Snabe. (awp/mc/ps/34)

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