Paul Zumbühl, CEO Interroll

von Christa Spoerle


Herr Zumbühl , bei Vorlage der Bilanz stocherten Sie noch im Nebel der Aussichten, hat sich dieser etwas gelichtet?

Der Nebel hat sich vor allem im zweiten Quartal gelichtet, noch nicht im ersten. Aber das Umfeld ist noch sehr fragil. Ja, man kann sagen, wir befinden uns in einem Aufwärtstrend und können Umsatz und Margen verbessern.
 
In welchen Bereichen lassen sich Erholungstendenzen ausmachen?

Interessante Aufträge stammen derzeit aus dem Flughafen, aus der Sicherheitsstechnik, aber auch der allgemeinen Distribution. Vor allem die Kurierdienste weltweit investieren in Logistik, um konkurrenzfähig  zu bleiben, nicht zu vergessen die Fleischverarbeitung.


Welche Regionen haben sich in der Krise als besonders resistent erwiesen, wo lassen sich  bereits Erholungstendenzen ausmachen?

Resistent verlief die Nachfrage vor allem in den Bric-Staaten. Brasilien, wo wir erst relativ kurz vertreten sind, konnten wir von tiefem Niveau gute Wachstumsraten realisieren. Aber auch Indien gehört zu den resistenten Märkten. Im laufenden Jahr zeigt sich eine Erholung in China und in den Vereinigten Staaten, das einen Vorlauf hat gegenüber Europa.


Könnte man sagen, dass Sie in eher kleinere Projekte involviert sind und vor allem als Teillieferant agieren und deshalb mit einer schnelleren Erholung rechnen können?

Das ist richtig. Wir wickeln keine grossen Projekte ab, wir sind zwar auch Subsystemlieferant, aber vor allem Produktlieferant. Und da zeigt es sich, dass kleinere bis mittlere Projekte wesentlich rascher an die Hand genommen werden als Grossprojekte. Bei Millionenprojekte geht es immer lange, bis man eine Zusage erhält, aber Projekte bis zu einer halben Million werden schneller freigegeben.



«(…) Wir haben also auch in schwierigen Zeiten massiv investiert in unsere Technologie, in die verschiedenen Kompetenzzentren, das Vertriebsnetz und  führen derzeit SAP ein, was auch eine wichtige Vorleistung für die künftige Entwicklung ist.» Paul Zumbühl, CEO Interroll


Wo orten Sie ihre grössten Chancen und wo die grössten Risiken in den kommenden Jahren?

Der Markt für interne Logistik wächst in fast allen Ländern sehr stark, das habe ich auf  meinen jüngsten Reisen klar feststellen können. Allein in Brasilien ist das Marktpotenzial für Logistik im 200 Mio Menschen Markt riesig und zwar in allen Bereichen, nicht nur im Premiumsegment. Die grössten Risiken liegen natürlich in der Volatilität der Weltmärkte, die in den letzten Jahren noch beträchtlich zugenommen hat.  Damit entstehen auch nicht unerhebliche Risiken im Zusammenhang mit den Beschaffungspreisen.


In den letzten beiden Jahren haben Sie jeweils gut 22 Mio CHF an Investitionen getätigt. Wie sieht das im laufenden Jahr aus, wo liegt ihr Schwerpunkt?


Wir haben 2007 24 Mio, , 2008 22,4 Mio und 2009 22,9 Mio CHF an Investitionen getätigt.  2010 dürften es etwa 25 Mio CHF werden. In den folgenden Jahren ? also ab 2012 ? rechnen wir allerdings mit einem Rückgang auf etwa 15 Mio CHF.  Wir haben also auch in schwierigen Zeiten massiv investiert in unsere Technologie, in die verschiedenen Kompetenzzentren, das Vertriebsnetz und  führen derzeit SAP ein, was auch eine wichtige Vorleistung für die künftige Entwicklung ist.


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Welchen neuen Produkten orten Sie das grösste Potenzial zu?

Grosses Potenzial sehe ich vor allem beim Synchron Trommelmotor, der kürzlich von der European Hygienic Engineering & Design Group EHEDG zertifiziert wurde. Dies unterstreicht die Qualität des ultra-hygienischen Designs der neuen Antriebslösung von Interroll für lebensmittelverarbeitende Anlagen.  .Im Juli/August kommen wir mit einer neuen Generation der Roller-drives heraus. Grosses Potential ordne ich auch den neuen Sortern zu, die zur schnellen und sicheren Güterverteilung für die unterschiedlichsten Produkte einsetzbar sind.


Sie haben einmal gesagt, dass die Grundlage eines profitablen Unternehmens sei, die Produktionstätten an den richtigen Standorten zu positionieren. Arbeiten Sie bereits an den richtigen Standorten?

Ja, wir sind in unseren drei Hauptmärkten sehr gut positioniert, können vor Ort in Kundennähe produzieren und Währungsrisiken minimieren.  In China beziehen wir eine neue Fabrikationsstätte mit 10’000 m2 und auch in den USA sind wir gerade an einen grösseren Standort umgezogen. Gerade in den USA  wird lieber <<made in USA>> gekauft.



«Bei Akquisitionen liegt kein konkretes Projekt auf dem Tisch. Zwar habe ich einige Fälle angeschaut, die waren aber entweder zu teuer oder hätten nicht in unser Konzept gepasst. Falls etwas passt, dann würden wir schon zugreifen. Aber so lange das nicht der Fall ist, setze ich lieber auf internes Wachstum.»


Fühlen Sie sich finanziell gesund genug für weitere Expansionen?

Wir sind mit über 60% Eigenkapital und gemessen am  EBITDA sehr gesund. Auch wenn nach den grossen Investitionen der Vergangenheit die Abschreibungen zunehmen werden. Bei Akquisitionen liegt kein konkretes Projekt auf dem Tisch. Zwar habe ich einige Fälle angeschaut, die waren aber entweder zu teuer oder hätten nicht in unser Konzept gepasst. Falls etwas passt, dann würden wir schon zugreifen. Aber so lange das nicht der Fall ist, setze ich lieber auf internes Wachstum, auch wenn das etwas länger dauert. Wir würden heute auch nicht so gut aussehen, wenn wir zugegriffen hätten und Millionen Goodwill in der Bilanz stünden.


Was dürfen die Investoren im laufenden Jahr erwarten?

2010 geht es vor allem darum, unsere Marktposition auszubauen, und nicht der Maxime Gewinnmaximierung zu frönen. Viele Konkurrenten sind geschwächt und da können wir aus dem Vollen schöpfen und unseren Marktanteil ausbauen. Wir wollen damit eine gute Basis für künftiges Gewinnwachstum schaffen.


Wie sieht ihr Lieblingsszenario für die kommenden Jahren aus?

Ich betrachte die Zukunft der Logistik-Branche sehr optimistisch. Gerade  weil sie eine immer wichtigere Rolle spielt. Vor allem in den Emerging Markets ist der Bedarf bei der Distribution enorm. Dabei geht es keineswegs um High-Tech Produkte. Auch das Internet-Shopping zeigt Anzeichen einer Belebung, wie jüngste erfreuliche Aufträge zeigen.





Der Interviewpartner:
Paul Zumbühl, Jahrgang 1958, ist Diplomingenieur und besitzt den MBA eines gemeinsamen Programms der Universitäten Boston, Bern und Shanghai.  Seit erstem Januar 2000 ist er CEO der Interroll Holding AG, San Antonio/TI. Zuvor war er als operativer Leiter der Division Plastics Technology bei Mikron und in leitenden Funktionen bei Sarna Group tätig. Er ist verwitwet und hat eine Tochter.

Das Unternehmen: 
Die Interroll Gruppe ist eine weltweit führende Anbieterin von Komponenten und Subsystemen für Materialfluss, Fördertechnik und Automation. Unter dem Dach einer strategischen Holding mit Sitz im schweizerischen Sant’Antonino steuern drei global operierende Geschäftseinheiten mit klarer markt- und produktspezifischer Ausrichtung die Aktivitäten der Gruppe: Im Komponentenbereich unterstützt «Interroll Drives & Rollers» hauptsächlich regional operierende Anlagenhersteller und Erstausrüster;  «Interroll Dynamic Storage» und «Interroll Automation» konzentrieren sich im Subsystembereich vor allem auf Systemintegratoren, multinationale Unternehmen und Endkunden. Die an der Schweizer Börse SWX kotierte Interroll erzielte 2009 mit gut 1200 Mitarbeiter in 28 Gesellschaften weltweit einen Umsatz von 234 Mio CHF.

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