PSA Peugeot Citroen entlässt Konzernchef Streiff

Bis dahin soll der PSA-Technikchef Roland Vardanega die Geschäfte leiten. Der Markt nahm die Meldung negativ auf: Die PSA-Aktie sank am Montagmittag um 7,59 Prozent auf 14,18 Euro. Der CAC-40-Index verlor zur selben Zeit 2,75 Prozent auf 2.762,50 Punkte.


«Einstimmiger Entscheid»
Aufsichtsratschef Thierry Peugeot erklärte, der Aufsichtsrat habe «einstimmig» befunden, dass «die aussergewöhnlichen Schwierigkeiten» der Branche «einen Managementwechsel an der Spitze des Konzerns aufzwingen». Ein Wort des Dankes an Streiff gab es nicht. Peugeot hatte Streiff im Februar 2007 zu PSA geholt, nachdem der Lothringer als «100-Tage-Chef» von Airbus dort das Sanierungsprogramm «Power8» durchgesetzt hatte. Bei PSA legte Streiff ein ähnliches Sparprogramm auf und schrieb dem Autokonzern deutsche Qualitätsstandards vor.


18’000 von 208’000 Stellen abgebaut
Das brachte bisher 2,4 Milliarden Euro Einsparungen und den Abbau von 18.000 der 208.000 Stellen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise liess allerdings 2008 den PSA-Umsatz um 7,4 Prozent auf 54,4 Milliarden Euro sinken. Der Absatz ging um 4,9 Prozent auf 3,26 Millionen Autos zurück. Schlimmer: Nach 885 Millionen Euro Überschuss fiel ein Verlust von 343 Millionen Euro an. Weil die Banken kein Geld mehr gaben, bekam PSA Staatshilfen von drei Milliarden Euro.


Streiff akzeptiert Entlassung nicht
Streiff wehrte sich dabei vehement, aber letztlich vergebens gegen Forderungen des Präsidenten Nicolas Sarkozy nach Einfluss auf die Einkaufs- und Investitionspolitik. Er verzichtete auf Druck der Regierung auch auf Sonderboni. Seine Entlassung akzeptiert er allerdings nicht. In einem Kommuniqué nannte er die Entscheidung unverständlich. Dank seines Sanierungsprogramms sei PSA gegen die Krise gut gerüstet.


Varin gilt als Sanierer
Streiffs Nachfolger Varin hatte 25 Jahre beim Alu-Konzern Pechiney gearbeitet, bevor er als Sanierer zum britisch-niederländischen Stahlkonzern Corus geholt wurde. Der Franzose führte Corus in die Gewinnzone und leitete dann die Übernahme durch den indischen Familienkonzern Tata ein. Als PSA-Chef wird Varin voraussichtlich auch Annäherungen an andere Autokonzerne vorbereiten. Gerüchte kreisen um die bisherigen Kooperationspartner BMW und Mitsubishi Motors. Streiff hatte sich gegen Bestrebungen gewehrt, PSA mit Fiat zu verschmelzen, und für die weltweite Expansion auf Partner in Schwellenländern gesetzt. (awp/mc/ps/02)

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