Rätia Energie: Einigung bei Speicherkraftwerk im Puschlav

Auf diese Variante haben sich Rätia Energie, Pro Natura, Schweizerische Greinastiftung (SGS), der WWF Schweiz, der Kantonale Fischereiverband Gaubünden und die Gemeinde Poschiavo geeinigt. Das neue Projekt ist umweltfreundlicher und kommt den veränderten Marktbedürfnissen entgegen. Damit konnten die Gespräche, die seit der Sistierung des Bundesgerichtsverfahrens im Januar zwischen den Parteien geführt wurden, erfolgreich abgeschlossen werden.


Beschwerde vor Bundesgericht erhoben
Gegen das ursprüngliche «Konzessionsprojekt 95» und gegen den Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen im oberen Puschlav erhoben Pro Natura, WWF und Schweizerische Greinastiftung Beschwerde vor Bundesgericht nachdem das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zuvor die Einsprache gegen die Konzessionsgenehmigung abgelehnt hatte. Die Umweltorganisationen argumentierten insbesondere, das Schwall-/Sunk-Verhältnis im Poschiavino werde zu gross und die Restwassermengen oberhalb Robbia seien zu gering.


Projekt 95 und Beschwerden werden zurückgezogen
Mit der Sistierung des Bundesgerichtsverfahrens verbanden die Parteien die Absicht, bis Ende Mai 2009 gemeinsam zu prüfen, ob zum «Konzessionsprojekt 95» Alternativen bestehen, welche den Anliegen der Beschwerdeführer entgegenkommen und auch wirtschaftlich interessant sind. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe erarbeitete in gegen zehn Sitzungen eine Machbarkeitsanalyse.


Deutliche Umweltvorteile
Diese kam zum Schluss, dass ein Alternativprojekt mit einem Pumpspeicherwerk zwischen dem Lago Bianco und dem Puschlaversee zusammen mit einem angemessenen Weiterbetrieb von bestehenden Anlagen deutliche ökologische Vorteile gegenüber dem ursprünglichen Projekt aufweist. Deshalb verzichtet Rätia Energie nun auf das ursprüngliche Projekt. Im Gegenzug ziehen die Beschwerdeführer ihre Beschwerden vor Bundesgericht zurück. Das bedeutet: Die Konzession für den Weiterbetrieb der bestehenden Kraftwerksanlagen kann in Kraft treten, und die Heimfallverzichtsentschädigungen werden zur Zahlung fällig. Darüber hinaus wird an der weiteren Konkretisierung des neuen Projektes gearbeitet. Diese Arbeiten werden bis zur Einreichung des Konzessions- und Plangenehmigungsgesuchs weiterhin in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Interessengruppen (Rätia Energie, Standortgemeinden, Kanton Graubünden, Umweltorganisationen) vorangetrieben.


Bessere Umweltverträglichkeit
Das neue Kraftwerkskonzept zeichnet sich gegenüber dem früheren Projekt durch eine bessere Umweltverträglichkeit aus. Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass das Projekt zwar aus Umweltsicht gegenüber einem natürlichen, das heisst nicht durch die Kraftwerksbetriebe beeinflussten Zustand, bedeutende Auswirkungen auf den Lago di Poschiavo und auf die durch Wasserentnahme betoffenen Fliessgewässer hat. Auch die baulichen Eingriffe werden als erheblich beurteilt. Entsprechend sind für die Sicherstellung einer positiven Umweltbilanz ökologische Ersatzmassnahmen erforderlich. Diese können am Poschiavino und an geeigneten Seitenbächen erfolgen. Für die Realisierung solcher Ersatzmassnahmen ? dabei geht es insbesondere um Revitalisierungen ? konnten mit der gemeinsamen Machbarkeitsanalyse wertvolle Grundlagen erstellt werden.


Schwall-/Sunk-Problematik weitgehend gelöst
Der Vorteil des neuen Projekts besteht insbesondere darin, dass die Schwall-/Sunk-Problematik im Poschiavino dank der direkten Verbindung beider Seen weitgehend gelöst ist. Die bisherigen Kraftwerke Robbia und Cavaglia arbeiten künftig nicht mehr mit Wasser aus dem Lago Bianco sondern nur noch mit den natürlichen Zuflüssen aus deren Einzugsgebieten. Entsprechend gering sind die Schwankungen bei der Wasserrückgabe im Poschiavino. Im Zusammenhang mit einer Revitalisierung werden zudem die Restwassermengen generell überprüft. (rätia/mc/ps)

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