Remo Brunschwiler, CEO Swisslog

von Christa Spoerle


Herr Brunschwiler, Swisslog hat im ersten Halbjahr mit einem Umsatz von 334 Mio und einem Reingewinn von 11,9 Mio CHF die Erwartungen der Analysten klar übertroffen, den Vorjahreswert aber nur beim Gewinn. Welche Faktoren haben dieses Ergebnis vor allem beeinflusst?

Die deutliche Steigerung des Reingewinnes um 6,4 Mio CHF ist auf drei Faktoren zurückzuführen: das verbesserte operative Ergebnis, ein geringerer Finanzaufwand sowie tiefere Ertragssteuern.


Könnten Sie uns bitte erläutern, wie unterschiedlich die beiden Divisionen Warehouse & Distribution Solutions (WDS) und Healthcare Solutions (HCS) von der Wirtschaftskrise betroffen sind?

Bei Warehouse & Distribution Solutions hat vor allem das Neugeschäft mit automatisierten Lagerhäusern und Verteilzentren die Krise zu spüren bekommen. Zwar befinden wir uns dank unserer Fokussierung auf die Branchen Nahrungsmittel & Getränke sowie Einzelhandel nicht im Auge des Sturms, doch die Kunden sind bei grossen Investitionen generell zurückhaltend. Im Vergleich zu WDS ist HCS, die ihre Produkte und Lösungen vorwiegend im Spitalsektor verkauft, bislang wenig von der Krise betroffen. Healthcare Solutions hat im ersten Semester erneut gute Resultate erzielt.


Der Auftragsbestand bei WDS dürfte bald abgearbeitet sein, wie entwickelt sich die Auftragslage momentan? Ist einer der möglichen 1-3 Grossaufträge in nächster Zeit spruchreif?

Aufgrund des abnehmenden Auftragsbestandes bei WDS müssen wir in diesem Jahr ca. 100 Stellen (ca. 8% des Divisionsbestandes) abbauen. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, damit unsere Kapazitäten wieder voll auslasten zu können. Wir brauchen jedoch im 2. Semester auch bei den Grossaufträgen weitere Buchungen.


«Im Bereich Rohrpostsysteme rechne ich für dieses Jahr bei den Akquisitionen nicht mehr mit einem Abschluss. Bei den Fördersystemen könnte sich dagegen noch etwas tun».


Leiden die Serviceaufträge auch unter der Krise?


Zum Teil schon. Wir sehen insbesondere bei den Modernisierungen und bei den Ersatzteilen eine Verlangsamung. 2008 sind wir in beiden Bereichen noch gewachsen. Im gegenwärtigen Umfeld fahren viele Firmen weniger Schichten und reizen ihre Anlage länger aus.


Wann rechnen Sie mit einer nachhaltigen Erholung im Bereich WDS?


Für das Lagerhaus-Neugeschäft erwarte ich ab 2011 eine klare Besserung.


Spüren Sie positive Auswirkungen von Konjunkturförderungsprogrammen in einer der beiden Sparten?


Direkt noch nicht, aber Healthcare Solutions sollte mittelfristig von den Konjunkturförderungsprogrammen profitieren können. In den USA dürfte ein Teil der Infrastrukturgelder in Spitäler fliessen. Allerdings wird sich das erst ab 2010 in Form von Aufträgen zeigen.


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Sie sind solide finanziert, können Sie denn von der Krise mit Marktanteilsgewinnen auch profitieren?


Wir verfügen über die nötigen Polster und die Marktpositionierung, um unseren Kurs auch in der Krise zu halten. Ob das letztlich zu Marktanteilsgewinnen führen wird kann ich derzeit nicht abschätzen ? zu vieles noch im Fluss.


Sie sprachen von Abrundungsakquisitionen bei Rohrpostsystemen in Europa und Lücken bei Fördersystemen im Leichtgutbereich, haben Sie da schon was im Auge?


Im Bereich Rohrpostsysteme rechne ich für dieses Jahr nicht mehr mit einem Abschluss. Bei den Fördersystemen könnte sich dagegen noch etwas tun.


«Für das Lagerhaus-Neugeschäft erwarte ich ab 2011 eine klare Besserung.»


Wie entwickeln sich die Investitionen im laufenden Jahr?


Wir müssen auch in einem schwierigen Umfeld an die Zukunft denken. Deshalb haben wir bislang Investitionen in unsere Kernaktivitäten nicht gekürzt.


Was kann Swisslog von der Gesundheitsreform von US-Präsident Obama erwarten?


Falls diese Reform umgesetzt wird, dürfte das für uns tendenziell positiv sein. Wenn mehr Leute Zugang zu Gesundheitsleistungen haben und die Produktivität gesteigert werden muss, sind wir mit unseren Automatisierungslösungen gut positioniert.


Wo sehen Sie mittelfristig das grösste Wachstumspotenzial für HCS?


Dieses liegt nach wie vor im Spitalsektor, wobei es drei Stossrichtungen gibt: Erstens bei den Rohrpostsystemen in Europa, wo wir über Abrundungsakquisitionen unseren Marktanteil ausbauen wollen; zweitens bei der Arzneimittelkommissionierung, wo wir das Produktportfolio erweitern werden; und drittens in der verstärkten Bearbeitung der schnell wachsenden asiatischen Märkte.





Zur Person:
Remo Brunschwiler ist Chief Executive Officer der Swisslog- Gruppe seit dem 1. März 2003. Zudem leitete er von Dezember 2007 bis Ende Juni 2008 ad interim die Division Warehouse & Distribution Solutions. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel und schloss ein MBA am Insead Fontainebleau ab. Von 1996 bis 2003 stand er der Eurocargo Division von Danzas vor. Von 1989 bis 1996 war er als Berater bei McKinsey in der Schweiz und in Deutschland für Logistik- und Pharma-Unternehmen tätig. Seine berufliche Laufbahn startete er als strategischer Planer bei Ciba-Geigy in Basel und als Produktmanager für pharmazeutische Produkte bei Ciba-Geigy in Italien. Remo Brunschwiler ist Mitglied des Verwaltungsrats der Papyrus AB, Schweden


Zum Unternehmen:
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Buchs/Aarau, Schweiz, beschäftigt in rund 20 Ländern derzeit über 2 000 Mitarbeitende. Swisslog ist eine weltweit agierende Anbieterin von integrierten Logistiklösungen für Lagerhäuser, Verteilzentren und Krankenhäuser. Die Leistungspalette umfasst die Erstellung komplexer Lagerhäuser und Verteilzentren inklusive der Implementierung von eigener Software sowie innerbetriebliche Logistiklösungen für Spitäler. Für 2008 weist das Unternehmen einen Umsatz von 798 Mio CHF und einen Unternehmensgewinn von 11 Mio CHF aus.

Modernes Hochregallager bei Swisslog

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