Roche am Ziel: Genentech akzeptiert erhöhte Offerte

Erst nachdem die Offerte am letzten Freitag auf 93 CHF je Aktie angehoben wurde, brach das Eis. Wie Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz erklärte, erhielt er darauf einen Anruf vom Sonderausschuss des Genentech-Verwaltungsrats – und am Samstag wurde bereits verhandelt. Bei den laut Humer «intensiven und fruchtbaren» Verhandlungen holten die Amerikaner noch mehr heraus: Die Offerte wurde auf 95 USD in bar je Genentech-Aktie aufgestockt. Nun empfiehlt der Ausschuss den Genentech-Aktionären, ihre Papiere Roche anzudienen. Das Angebot endet am 25. März 2009.


Finanzierung: Humer zuverischtlich
Roche startete im vergangenen Sommer mit einem Angebot von 89 USD, was Genentech aber als zu tief zurückwies. Genentech forderte im Dezember dann 112 USD je Aktie. Er sei froh über die einvernehmliche Lösung, sagte Humer. Dies bringe allen Seiten bedeutende Vorteile. Für die Angestellten sei eine Zeit der Ungewissheit vorbei. Zudem könne die Integration schneller umgesetzt werden. Die US-Aufsichtsbehörde dürfte den Deal laut Humer innert zehn Tagen bewilligen. Mit Blick auf die Finanzierung der Übernahme zeigt sich der Präsident ebenfalls zuversichtlich. «Die Finanzierung der Übernahme ist gesichert und somit kein Thema», sagte Humer. «Wir konnten die bisherigen Anleihen zu sehr vorteilhaften Bedingungen aufnehmen.»


Grosse Synergien
Die Synergien werden auf jährlich 750 bis 850 Mio USD (vor Steuern) beziffert. Damit könnten mehr Mittel in die Innovation investiert werden. Ziel des Zusammenschlusses sei es gerade nicht, die Kosten zu drücken, sagte Humer. Roche erwartet schon im ersten Jahr nach Abschluss der Transaktion einen positiven Gewinnbeitrag. Gemessen am Marktanteil sind Roche und Genentech zusammen nach eigenen Angaben das siebtgrösste Pharmaunternehmen in den USA. Die Erlöse erreichen rund 17 Mrd USD pro Jahr. Das Unternehmen beschäftigt im Pharmageschäft in den USA rund 17’500 Mitarbeitende.


Forschung und Vertrieb bleiben unabhängig
Die Forschung und frühe Entwicklung von Genentech werden an ihrem bisherigen Standort bei San Francisco als unabhängiges Zentrum innerhalb der Roche-Gruppe weitergeführt. «Uns ist wichtig, dass wir die Genentech-Kultur beibehalten», sagte Humer. «Das wissen auch die Mitarbeiter», sagte Humer. Folglich sei nicht mit vielen Abgängen zu rechnen, auch nicht im Management von Genentech. Seit der Lancierung des Übernahmeangebots hätten beide Unternehmen stets «fruchtbar und produktiv» zusammengearbeitet.


US-Vertreiebsorgansiation weiterhin unter Genetech
Die Pharma-Vertriebsorganisation des neu strukturierten Unternehmens wird in den USA unter Genentech geführt, da der Name ein hohes Ansehen geniesst. Die bestehenden Verkaufsorganisationen beider Unternehmen bleiben bestehen, was eine starken Marktposition in verschiedenen Spezialbereichen garantieren soll. Roche hatte 1990 eine Mehrheit an Genentech erworben. Seitdem wuchs das Unternehmen rasant und entwickelte erfolgreiche Medikamente, etwa das Krebsmittel Avastin. Vor der Lancierung des Übernahmeangebots hielt Roche rund 56% an Genentech.


Roche-Bon nach Avancen der letzten Tage schwächer
An der Börse sorgte die Einigung nicht für grosse Aufregung, da sie sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet hatte. Daher war der Kurs des Roche-Genussscheins in den letzten Tagen deutlich gestiegen, am Vortag um 2,3%. Am Donnerstag bis um 10.50 Uhr verliert der Roche-Bon 1,9% auf 142,80 CHF, das Hoch kurz nach Eröffnung lag bei 150,00 CHF; der Gesamtmarkt (SMI) sinkt derweil um 0,7%.


Zwei Unternehmenskulturen
Analysten erklärten, Roche müsse nun beweisen, dass sich die teure Übernahme lohne. Baustellen gebe es genügend, hiess es bei Wegelin. Eine Herausforderung sei die Zusammenführung der schweizerischen und angelsächsischen Unternehmenskulturen. Der neuerlichen Erhöhung des Angebots wurde kaum Beachtung geschenkt. Wichtiger sei, dass der Zusammenschluss im gegenseitigen Einvernehmen durchgeführt werden könne. (awp/mc/ps/04)

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