Rolf Dörig: «Die Schweiz hat das weltbeste Vorsorgesystem»


In der letzten Zeit hat die Sorge um die Zukunft der Schweizer Pensionskassen immer weitere Kreise erfasst. Im Moneycab-Interview gibt sich Rolf Dörig überzeugt von unserer Berufsvorsorge, sagt aber auch, was geändert werden muss.

Von Lukas Schweizer


Swiss-Life-CEO Rolf Dörig möchte die «richtigen» Rahmenbedingungen für das Altersvorsorgegeschäft. (keystone)
Moneycab: Herr Dörig, der BVG-Zinssatz ist in aller Munde. Zur Zeit liegt das gesetzliche Minimum bei 3,25 Prozent. Für die Versicherungen ist dies immer noch zu viel um Gewinne zu erzielen. Welcher Prozentsatz wäre für Swiss Life rentabel?

Rolf Dörig: Das Wichtigste ist, dass eine Versicherungsgesellschaft profitabel arbeiten kann. Das haben die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt. Eine Versicherung muss in der heutigen Zeit risikofrei anlegen können. Für Swiss Life heisst dies konkret, wenn der Mindestzinssatz auf zwei Prozent gesenkt würde, hätten wir eine Entlastung von 250 Millionen Franken.



Im Moment finden ja auch Gespräche zwischen der Versicherungswirtschaft und Bundesrat Pascal Couchepin statt. Um was geht es bei diesen Gesprächen?

Es geht in erster Linie darum, gegenseitiges Verständnis und Transparenz zu schaffen. Nur wenn sich Politik und Wirtschaft verstehen, können auch gute Lösungen gefunden werden. Wir wollen aber auf die Entscheide der Politiker keinen Einfluss nehmen oder gar Forderungen stellen. Wir legen die ökonomischen Gegebenheiten dar; die Konsequenzen hat der Bundesrat zu ziehen und er trägt dann auch die Verantwortung.


Und wird es zu einer für Politik und Versicherer tragbaren Lösung kommen?

Angesichts der Situation bin ich zuversichtlich. Ich glaube, dass eine ökonomisch sinnvolle Lösung getroffen wird. Sie soll auf einfachen Richtlinien beruhen und auch Klarheit für den Versicherten schaffen.


Und wie soll diese Lösung aussehen?

Ein Ausgangspunkt ist beispielsweise die 10-jährige Bundesobligation. Wenn wir davon etwa 60 Prozent des Durchschnittszinses nehmen, entspricht dies einem Zinssatz von zwei bis drei Prozent.


Das entspräche dann dem EU-Modell.

Richtig. Die EU hat einen Maximalzinssatz, der 60 Prozent des 10-jährigen risikofreien Zinssatzes (momentan 4,13 Prozent) nicht überschreiten darf. Der Maximalzins für Neugeschäfte der Swiss Life in Deutschland beträgt 3,25, in Italien und Frankreich aber nur 2,5 Prozent.


Bei Bâloise denkt man, wenn auch als Ultimo Ratio, über den Ausstieg aus dem BVG-Geschäft nach. Kommt das für Swiss Life auch in Frage?

Nein, wir wollen weiterhin in diesem Bereich tätig sein. Aber es müssen jetzt die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.


Zum Schluss noch eine ketzerische Frage. Werde ich noch von meiner beruflichen Vorsorge profitieren können?

Davon bin ich überzeugt. Das Schweizerische Vorsorgesystem ist das beste der Welt.

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