SNB: Jean-Pierre Roth will keine Veröffentlichung der Protokolle

Würde die SNB veröffentlichen, welches Mitglied wie entschieden habe, würden die Medien nicht nur ihre Aufmerksamkeit auf die jeweiligen Personen richten, sondern auch über künftige Ansichten des Einzelnen spekulieren. Dies sagte SNB-Präsident Jean-Pierre Roth am Mittwoch laut Redetext in einem Vortrag an der Universität Freiburg.


Qualität der Diskussionen würde verringert
Das Direktorium der SNB bestehe lediglich aus drei internen Mitgliedern, von denen jeder Vorsteher eines Departements sei, sagte Roth weiter. Sie trügen somit die Verantwortung der Leitung und der Geldpolitik. Eine Debatte über deren Entscheide in den Medien würde die «Qualität der Diskussionen verringern, der Kollegialität schaden und die Wahrnehmung der von der SNB gewählten Politik stören», sagte Roth. Ohne dass die Entscheide damit verständlicher würden.


In anderen Ländern
In anderen Ländern wie den USA, Japan oder dem Vereinigten Königreich werden die Protokolle mitsamt den einzelnen Positionen und Abstimmungsergebnissen veröffentlicht. Dies sei möglich, weil diese Notenbanken oft mit einem Ausschuss zur Währungspolitik arbeiteten, dem Experten mit befristetem Mandat angehörten, sagte Roth. Diese seien somit lediglich für die Zinsentscheide verantwortlich.


Inhalte des Vortrages
In seinem Vortrag ging Roth vor allem auf die Strategie der SNB ein und wie diese sich in den vergangenen Jahren verändert hat. Zur aktuellen Geldpolitik oder zu den Wachstums- und Inflationsaussichten für die Schweiz zwei Wochen vor dem nächsten Zinsentscheid sagte er nichts.


Inflationsprognose nicht mehr als ein Indikator
Die Inflationsprognose der SNB sei nicht mehr als ein Indikator – wenngleich ein wichtiger -, der die Zinsentscheidung nicht diktieren sollte, sagte Roth. Die SNB folge bei Zinsbeschlüssen keinem mechanischen Entscheidungsmodell. Eine wichtige Rolle würden auch die Einschätzungen und Beurteilungen des Direktoriums spielen.


Unsicherheitsfaktoren der Notenbank
Der SNB-Chef sprach erneut die Unsicherheitsfaktoren an, denen die Notenbank ausgesetzt sei. Zwar verfolge die SNB kein Wechselkursziel. Der Franken spiele bei der Zinsentscheidung aber eine wichtige Rolle, da er ein die Teuerung beeinflussender Faktor und überdies eine wichtige Quelle der Unsicherheit für die Inflationsprognose sei.


Risiko der Unterschätzung der Teuerungsrisiken
In der gegenwärtigen Situation mit einem schwachen Franken bestehe das Risiko, dass die SNB-Inflationsprognose die Teuerungsrisiken unterschätze. Von daher könne die Entwicklung der Wechselkurse die Qualität der Inflationsprognose beeinträchtigen, was gelegentlich Anlass zu Besorgnis sei, sagte Roth weiter.


Strategie der SNB gut verstanden
Alles in allem hätten die Finanzmärkte in der Vergangenheit die Strategie der SNB gut verstanden. In den meisten Fällen hatten die Märkte die Richtung und das Ausmass der Zinsentscheidungen perfekt vorausgesehen. (awp/mc/ab)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.