SNB warnt vor zu viel Euphorie

Thomas Jordan, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), warnte am Dienstag in einer Rede vor der Generalversammlung des Handels- und Industrievereins des Kantons Schwyz, trotz gewisser konjunktureller Lichtblicke in der Schweiz sollte das Rückschlagpotenzial an den Finanzmärkten nicht unterschätzt werden.


Noch keine Nachhaltigkeit
Die konjunkturelle Auftriebstendenz solle nicht vorschnell als nachhaltig bezeichnet werden. Die Geldpolitik tue in diesem Umfeld gut daran, eine Warteposition einzunehmen, bis der Aufschwung gefestigt und das Deflationsrisiko völlig abgeklungen sei, stellte Jordan fest.


Abwärtsspirale an Finanzmärkten gestoppt
Seit Mitte März habe an den internationalen Finanzmärkten ein Stimmungsumschwung eingesetzt. Die Abwärtsspirale sei somit zum Stillstand gekommen. Gute Zahlen der US-Banken und unerwartet freundlich ausgefallene Konjunkturdaten hätten dies begünstigt.


Geldpolitische Massnahmen tragen zur Stabilisierung bei
Die während der Finanzkrise ergriffenen geldpolitischen Massnahmen der SNB hätten ebenfalls zur einer Stabilisierung beigetragen, sagte Jordan laut Redetext. Zentral sei auch gewesen, dass es der SNB durch Devisenkäufe gelungen sei, den Aufwertungstrend des Frankens gegenüber dem Euro einzudämmen.


Frühindikatoren zeigen Wende zum Besseren
Auch für die Schweizer Volkswirtschaft zeigten die Frühindikatoren eine Wende zum Besseren. Besonders in der Industrie blickten die Unternehmen nicht mehr so pessimistisch in die Zukunft wie noch vor einigen Monaten. Die Schweiz erfährt laut Jordan aber gegenwärtig den schärfsten konjunkturellen Einbruch seit Mitte der 1970er Jahre.


Negatives BIP-Wachstum von bis zu 3 % im laufenden Jahr
Für das Gesamtjahr 2009 rechnet die SNB mit einem negativen Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts von bis zu 3,0 Prozent. Im internationalen Vergleich sei dies moderat. Im Verlauf von 2010 sollte die Konjunkturerholung laut Jordan «spürbar Fuss fassen».


2010 mit Arbeitslosenquote von knapp 6 Prozent
Jordan stellt eine schwache Beschäftigungsentwicklung fest. Für das Jahresmittel 2009 rechnet die SNB mit einer Arbeitslosenquote von knapp 4% und für 2010 mit knapp 6%. Damit würde absolut gesehen ein Nachkriegshoch erreicht. Die düsteren Beschäftigungsaussichten dürften ausserdem die Konsumentenstimmung trüben. «Erstmals seit 1993 könnte der Privatkonsum 2009 schrumpfen», stellte Jordan fest. (awp/mc/pg/33)

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