SRG SSR: Walpen geht in Pension – Sparmassnahmen

Mit der frühzeitigen Ankündigung seines Rücktritts wolle er Klarheit schaffen und Spekulationen den Boden entziehen, sagte Walpen am Dienstag im Gespräch der Nachrichtenagentur SDA. Er habe den Entscheid gemeinsam mit seiner Frau schon im November 2007 gefällt. Der Abschied werde ihm schwer fallen. Die nationale Radio- und Fernsehgesellschaft der Schweiz sei ein faszinierendes Unternehmen, das ihm sehr viel gegeben habe. Noch lägen eineinhalb Jahre vor ihm, in denen er wichtige Ziele erreichen wolle.


Grossprojekt Medienkonvergenz aufgegleist
So gelte es, die SRG bis Ende 2010 wieder auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. Das Grossprojekt Medienkonvergenz von Radio und Fernsehen sei aufgegleist, die Qualitätsinitiative in der Umsetzung. Der Generationenwechsel sei nun ebenfalls eingeleitet. «Ich werde dem Nachfolger ein aufgeräumtes Haus hinterlassen», sagte Walpen. Die SRG sei im Schweizer Markt erfolgreich und brauche den Vergleich mit Anbietern in Europa nicht zu scheuen.


Sparpaket beschlossen
Die SRG SSR idée suisse muss sparen und hat für ein Sparpaket beschlossen, das die Jahresrechnungen bis 2014 um durchschnittlich 30 Mio CHF entlasten soll. Zu dem vom Verwaltungsrat verabschiedeten Paket gehört ein Lohnstopp für das Personal im nächsten Jahr. Die Löhne sollen auf dem Stand von Ende 2009 eingefroren werden.Weiter enthält das Paket einen Investitionsstopp und Verkäufe von Liegenschaften. Arbeitsplätze sind grundsätzlich nicht betroffen, und auch am Programmangebot will die SRG vorerst nicht rütteln. Eine Gebührenerhöhung ist für 2010 nicht vorgesehen.


Weitere Massnahmen notwendig – Programmkürzungen?
Das vom Verwaltungsrat beschlossene und am Dienstag in Bern den Medien vorgestellte Sparpaket genügt aber nicht, um die Finanzen der SRG ins Lot zu bringen. Nötig sind weitere Massnahmen im Umfang von durchschnittlich 40 Mio CHF pro Jahr. Für die SRG sind neben Kürzungen am Programm auch neue Einnahmen denkbar.


Höhere Werbeeinnahmen angestrebt
Eine Gebührenerhöhung sei nicht die einzige Möglichkeit, schrieb die SRG. Ebenso könnten – entsprechende Entscheide des Bundesrates vorausgesetzt – mehr Werbeeinnahmen generiert werden. Als Beispiele nannte die SRG Liberalisierungen bei der Online-Werbung oder bei der Unterbrecherwerbung.


Entschädigungen vom Staat
Auch könnte die SRG für Leistungen entschädigt werden, die in anderen Ländern vom Staat finanziert oder kompensiert werden. Als Beispiele nannte sie in diesem Zusammenhang die Ausfälle durch erlassene Gebühren, Angebote für Seh- und Hörbehinderte und den Auslandauftrag. Der Entscheid liegt auch hier beim Bundesrat.


Kürzungen am Programmangebot nahm der SRG-Verwaltungsrat zur Kenntnis. Weil alle Programme der SRG konzessioniert sind, müsste der Leistungsabbau ebenfalls vom Bundesrat genehmigt werden.


Finanzielle Lage «besorgniserregend»
Ohne Gegenmassnahmen würde die Verschuldung der SRG SSR idée suisse bis 2014 auf 790 Mio CHF steigen. 2008 lag die Verschuldung bei 200 Mio CHF. Die Eigenkapitalquote der SRG würde gleichzeitig von derzeit 45 auf noch 12% sinken. Die strategisch festgelegte Grenze liegt bei 40%. Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch bezeichnete die finanzielle Lage der SRG am Dienstag in Bern vor den Medien als besorgniserregend. (awp/mc/pg/18)

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