Standortqualität: Zug und Zürich bleiben Spitze

Basel-Stadt sei bezüglich Lokalverkehr sehr gut erschlossen und habe auch vom neuen Fahrplan der SBB profitiert. Dasselbe gelte auch für den Kanton Genf auf Platz 4. Geprägt war die Bewertung für das laufende Jahr insbesondere von den Auswirkungen des intensiven Steuerwettbewerbes. So rückte etwa Obwalden nach der Steuergesetzrevision von Platz 13 im Jahre 2004 auf Platz 8 vor. Zu den Aufsteigern gehören aber auch Schaffhausen (Platz 9) und der Kanton Solothurn, der von Platz 15 auf 13 vorrückte. Dank Steuersenkungen im Mittelfeld etabliert haben sich Schaffhausen, Thurgau, St.Gallen und Aargau. Dagegen hat sich der Vorsprung der Tiefsteuerkantone Nidwalden und Schwyz verringert.


Zug und Zürich unagefochten
Unangefochten die Spitzenposition verteidigten Zug und Zürich. Den ersten Rang verdanke Zug nicht nur dem günstigen Steuerniveau, betonte Carnazzi. Der Kanton schneide auch beim allgemeinen Bildungsniveau und bei der Verfügbarkeit von Hochqualifizierten leicht besser ab als Zürich. Der bevölkerungsreichste Schweizer Kanton belegt dafür bei der Erreichbarkeit den ersten Rang. Bei der Steuerbelastung sei Zürich zwar für natürliche Personen attraktiv, bei der Besteuerung der juristischen Personen belege der Kanton aber nur einen Mittelfeldplatz, sagte die Studienverfasserin.


VS, NE, UR und JU weiterhin am Tabellenende
Nichts verändert hat sich am Ende der Rangliste. Wie in den vorangegangenen Jahren belegen Wallis, Neuenburg, Uri und Jura die letzten Plätze. Bei diesen Kantonen führten die periphere Lage und die anspruchsvolle Topografie zu tiefen Erreichbarkeitswerten. Die Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels, der Jura-Südfusslinie oder der Transjurane habe zwar einzelne Reiseziele stark verkürzt. Die Distanz zu den grösseren Schweizer Zentren bleibe aber weiterhin vergleichsweis hoch, stellte Canazzi fest.


Engagierte Standortpolitik im Bündnerland
Dass die Topografie auch ein positiver Standortfaktor sein kann, beweist Graubünden. Dank einer engagierten Standortpolitik habe sich der Tourismuskanton seit 2004 im Ranking von Platz 22 auf 19 kontinuierlich verbessern können. Im Gegensatz dazu stehe der Kanton Freiburg, der sein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft habe. Trotz verkehrsgünstiger Lage habe der Kanton aufgrund der hohen Steuerbelastung gegenüber den andern Kantonen schrittweise an Attraktivität verloren.


Breit abgestützte Erhebung
Die Credit Suisse berechnet seit 2004 aus den wichtigsten messbaren Erfolgsfaktoren den sogenannten SQI. Zu diesen Faktoren gehören die Steuerbelastung natürlicher und juristischer Personen, der allgemeine Ausbildungsstand der Bevölkerung, die Verfügbarkeit von Hochqualifizierten und die verkehrstechnische Erreichbarkeit. Der Indikator, der auf der Basis von Daten der rund 2800 Schweizer Gemeinden berechnet wird, soll laut den Ökonomen der CS ein objektives Mass für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes liefern. Zudem soll er Aufschluss geben über das langfristige volkswirtschaftliche Potenzial der Schweizer Kantone und Regionen.


Verkehrstechnische Erreichbarkeit stärker gewichtet
Stärker als bisher gewichtet wurden in der jüngsten Studie die verkehrstechnische Erreichbarkeit. Neben dem Fernvekehr wurden neu sämtliche lokalen Verbindungen des öffentlichen Verkehrs berücksichtigt. Damit hätten einige Regionen ihre Attraktivität steigern können, heisst es in der Studie. So habe beispielsweise die Eröffnung der Westumfahrung Zürich mit dem Üetlibergtunnel dem Konaueramt, weiten Teilen der Zentralschweiz sowie den östlichen Aargauer Regionen neu Verkürzungen der Fahrzeit für den motorisierten Verkehr gebracht.


Hohe Standortqualität hat ihren Preis
Andererseits zeigt die Studie aber auch auf, dass eine hohe Standortqualität auch ihren Preis hat. Die Beispiele der tradtionellen Zentralschweizer Tiefsteuerkantone oder der Regionen um den Zürichsee verdeutlichten, dass eine tiefe Steuerbelastung für natürliche Personen mit höheren Immobilienpreisen bezahlt werde. Für diese Regionen wird sich gemäss den CS-Ökonomen das Spannungsfeld zwischen Steuerbelastung, Immobilienpreisentwicklung und Bevölkerungwachstum weiter akzentuieren. Ein Ende sieht die Bank dagegen bei der «intensiven Phase des Steuerwettbewerbes». (awp/mc/ps/23)

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