Sulzer: Einnahmen sprudeln – Absicht von Aktionär Vekselberg im Dunkeln

Ein weiterer Ausbau der Beteiligung des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, der über Nacht zum grössten Sulzer-Aktionär aufgestiegen war, steht offenbar nicht an: Vekselbergs Gesellschaft Everest habe gesagt, dass eine grössere Erweiterung der Beteiligung kein Thema sei, sagte der neue Sulzer-Chef Ton Büchner am Dienstag vor den Medien in Winterthur.


Victory steigt aus
Der russische Milliardär hatte wenige Stunden vor der Präsentation der Sulzer-Halbjahreszahlen die Sulzer-Beteiligung der beiden Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf von rund 16% gekauft, die bei Everest geparkt war. Damit besitzt Vekselberg Everest nun alleine, die über Aktien und Optionen 31,4%t am Winterthurer Industriekonzern hält. Weitere Aktienkäufe würden Vekselberg schnell über die Grenze von ein Drittel führen. Dann müsste er gemäss Schweizer Börsengesetz ein Kaufangebot für alle anderen Aktionäre vorlegen. Dass dies nicht nötig ist, um ein Unternehmen zu beherrschen, hat erst vor wenigen Tagen das Beispiel des Industriekonzerns Von Roll gezeigt.


Langfristiger Aktionär
Everest sehe sich als langfristiger Aktionär, sagte Vekselbergs Sprecher Markus Blume. Bezüglich der weiteren Absichten suche man zuerst das Gespräch mit Sulzer. Derzeit sei der Anteil des russischen Milliardärs noch nicht im Aktienregister eingetragen. «Wir warten noch auf gewisse Informationen von Everest», sagte Büchner. Details wolle er nicht über die Medien verbreiten.


Everest habe verlauten lassen, Sulzer bei der Expansion im Öl- und Gasgeschäft in Russland helfen zu wollen. Sulzer habe Everest dargestellt, was man bereits in Russland mache. «Sonst haben wir praktisch keinerlei strategische Diskussionen mit Everest geführt», sagte Büchner. Russland sei und bleibe für Sulzer ein mittelgrosser Markt mit einem hohen Potenzial. Ob Vekselberg den Einzug eines Everest-Vertreters in den Sulzer-Verwaltungsrat gefordert habe, wollte Büchner nicht kommentieren.


Geschäft floriert
Im operativen Geschäft lief es Sulzer in den ersten sechs Monaten wie geschmiert. Der Umsatz nahm um 23,7% auf 1,654 Mrd CHF zu. Der Betriebsgewinn stieg um 30,2% auf 177,4 Mio CHF. Unter dem Strich verbesserte Sulzer den Reingewinn trotz Millionenkosten für einen fehlgeschlagenen Kauf in Grossbritannien um 26,4% auf 131,8 Mio CHF. Alle wichtigen Märkte seien in guter Verfassung, hiess es. In sämtlichen Regionen flossen Investitionen in Infrastruktur- und Energieversorgungsprogramme. Die starke Nachfrage auf den Öl- und Gasmärkten hielt an, sowohl bei der Förderung (Suche und Verarbeitung) als auch bei der Verarbeitung (Raffinierung und Petrochemie).


Chemtech mit stärkstem Wachstum
Dadurch wurde das Geschäft der Sulzer-Sparten Pumpen, Chemtech und Turbomaschinen-Services beflügelt. Die Beschichtungssparte profitiere zudem von der hohen Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken. Das stärkste Wachstum gelang Sulzer Chemtech, das dank Akquisitionen den Umsatz um über die Hälfte ausbauen konnte. Die Beschichtungssparte konnte den Umsatz um 23% steigern.


Angesichts der vollen Auftragsbücher die Resultate des Gesamtjahrs 2007 noch höher ausfallen als 2006. An der Börse sank die Aktie nach anfänglich positivem Kursverlauf um 3,2% auf 1’400 CHF. (awp/mc/pg)

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