Thomas Kern, CEO Unique (Flughafen Zürich AG)

von Patrick Gunti


Herr Kern, Unique hat im Geschäftsjahr 2008 einen Gewinnrückgang von 131 auf 121,3 Mio. Franken zu verzeichnen. Der Umsatz konnte gleichzeitig um 6,5 % auf 855,1 Mio. Franken gesteigert werden. Wie werten Sie das Resultat?


Das Resultat ist insgesamt sehr erfreulich! Während das starke Verkehrswachstum im Jahr 2008 den Umsatz beflügelte, wirkten sich einige Sondereffekte negativ auf den Gewinn aus.


In den ersten 9 Monaten 2008 verzeichnete Unique ein starkes Passagierwachstum. Im letzten Quartal bekam dann auch Unique den weltweiten konjunkturellen Abschwung zu spüren. Wie drückt sich das in Zahlen aus, im Fluggeschäft einerseits, im nicht aviatischen Bereich andererseits?


Im Fluggeschäft reduzierte sich das anfänglich zweistellige Wachstum im 4. Quartal deutlich und schloss per Ende Jahr mit einem Plus von 6,6 Prozent, was im europäischen Vergleich ein Spitzenresultat darstellt. Das «Nicht-Fluggeschäft» profitierte unter anderem von den im April eröffneten 13 neuen Shops im landseitigen Airport Shopping und verzeichnete sogar ein leicht höheres Wachstum von 7,3 Prozent.


Wie haben sich die Passagierzahlen zu Jahresbeginn entwickelt?


Verglichen mit den ersten beiden Monaten des Vorjahres ging die Zahl der Passagiere am Flughafen Zürich um 5,0 Prozent zurück. Bereinigt um den Schalttag des Jahres 2008 entspricht dies einer vergleichbaren Abnahme um 3,5 Prozent. Während sich die Zahl der Lokalpassagiere um 9,1 Prozent stark reduzierte, erhöhte sich die Zahl der Transferpassagiere noch um 3,1 Prozent.


«Im Fluggeschäft reduzierte sich das anfänglich zweistellige Wachstum im 4. Quartal deutlich und schloss per Ende Jahr mit einem Plus von 6,6 Prozent, was im europäischen Vergleich ein Spitzenresultat darstellt.»


Wie verlief das Nicht-Fluggeschäft über das ganze Jahr gesehen?


Alle Elemente des «Nicht-Fluggeschäftes» entwickelten sich sehr positiv. Neben dem Kommerzgeschäft konnten auch die Liegenschaften- und Parkingerträge gesteigert werden.


Insgesamt haben sich die Betriebskosten gegenüber 2007 um 10,7 % auf 434,9 Mio. Franken erhöht. Wie setzen sich die gestiegenen Aufwände zusammen?


Hauptursache ist die vom Bundesgericht verfügte Zahlung von 21.3 Mio. Franken an den Swissair-Liquidator. Gestiegen ist auch der Aufwand für Sicherheit und Energie.


Unique hat 2008 auch deutlich mehr investiert, die betrieblichen Investitionen haben sich auf 249,9 Mio. Franken mehr als verdoppelt. In welche Projekte flossen die Investitionen?


Die im Verlaufe des Berichtsjahres erfolgte Sanierung unserer längsten Piste 16/34 sowie die Planung und Realisierung der Grossprojekte für die Schengenumsetzung ? so zum Beispiel der Bau des neuen Busgate ? waren Haupttreiber für die Zunahme der Investitionskosten.


Unique hat sich über ein Joint-Venture am Hato International Airport in Curaçao beteiligt. Welche Aufgaben nimmt Unique vor Ort wahr?


Unique (Flughafen Zürich AG) ist im Rahmen des Joint Ventures «A-Port» für den Betrieb des Flughafens verantwortlich. Die Konzession für den Betrieb des Flughafens mit einem aktuellen Passagieraufkommen von rund 1,5 Millionen Passagieren und rund 30 Millionen US-Dollar Jahresumsatz, läuft noch bis ins Jahr 2033. Als CEO des Hato International Airport wurde Albert Brunner ernannt. Er war bis Ende Januar 2009 CEO der Bengaluru International Airport Ltd im südindischen Bangalore.


Wie entwickelten sich die anderen Ausland-Aktivitäten, hauptsächlich im indischen Bangalore?


Der Betrieb in Bangalore läuft reibungslos. Da der Verkehr in Indien nach einer Boomphase mit über 30 Prozent Wachstum seit einigen Monaten stark rückläufig ist, konnte das geplante Ausbauprojekt des im Mai letzten Jahres eröffneten Flughafens vorerst aufs Eis gelegt werden.


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Welche Erwartungen hegen Sie für das laufende Geschäftsjahr?


Wir rechnen für den Flughafen Zürich mit einem Passagierrückgang um 5 Prozent. Entsprechende Massnahmen auf der Investitions- und Kostenseite wurden bereits eingeleitet. Im Ausland, speziell in Lateinamerika, prüfen wir weitere Möglichkeiten, wägen aber zukünftige Engagements sehr sorgfältig ab.


Der Zürcher Kantonsrat hat sich im Februar für ein Pistenausbauverbot ausgesprochen. Ein Kantonsreferendum wurde eingereicht, eine Volksabstimmung im Herbst ist wahrscheinlich. War würde ein endgültiges «Nein» für Unique bedeuten?


Es würde bedeuten, dass wir eine Chance verpassen! Nämlich künftig ein stabileres und insgesamt lärmgünstigeres Flugregime einführen zu können. Die Abstimmung ist zudem unnötig. Gemäss Flughafengesetz hat die Zürcher Bevölkerung bei Veränderungen von Lage und Länge der Pisten am Flughafen Zürich  immer das letzte Wort.


«»The Circle» vereint wachstumsstarke und hochwertige Dienstleistungen am best erschlossenen Punkt der Schweiz für internationale Gäste und lokale Besucher.»


Im Februar hat Unique ausserdem ein neues Grossprojekt lanciert. Unter dem Namen «The Circle at Zurich Airport» planen Sie eine Dienstleistungsüberbauung mit einer Nutzfläche von 200’000 m2. Ziel soll nicht ein weiteres Shopping Center sein. Was steht bei «The Circle» im Mittelpunkt?


«The Circle at Zürich Airport» ist ein zukunftsgerichtetes Projekt. «The Circle» vereint wachstumsstarke und hochwertige Dienstleistungen am best erschlossenen Punkt der Schweiz für internationale Gäste und lokale Besucher. Rund 50 % der Nutzfläche ist für Offices & Headquarters vorgesehen und weitere 25 % sind für den Bereich Hotels & Longstay reserviert. Auf den verbleibenden 25 % sind Nutzungen geplant, welche die Marke und das Image des Ortes prägen sollen. Zu den speziellen Nutzungen gehören die Module Health & Beauty, Education & Knowledge, Culture & Events, Brands & Dialogue sowie Special Services.


Welches Investitionsvolumen hat «The Circle» und in welchem Zeithorizont soll das Projekt verwirklicht werden?


Wir rechnen mit Investitionen von rund einer Milliarde Franken. Der Baubeginn ist für 2012 geplant und die erste Etappe soll im Jahr 2016 eröffnet werden.


Wie wirkt sich die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung auf das Projekt aus?


Auf die Planung und Vorbereitung hat die schwache Konjunktur keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil, bedeutende schweizerische und ausländische Architekturbüros zeigen grosses Interesse an unserem Projekt. Und bis zum Baubeginn im Jahr 2012 ist die Krise wohl überwunden?


Herr Kern, besten Dank für das Interview.





Der Gesprächspartner
-Thomas E. Kern (Jahrgang 1953) ist seit Januar 2008 CEO der Flughafen Zürich AG.
-Zuvor war der Jurist und MBA INSEAD während 22 Jahren in der Globus-Gruppe tätig, seit 2002 als CEO.
-Er ist Mitglied der Verwaltungsräte der Schauspielhaus Zürich AG, der Lorze AG sowie des Stifrungsrates des Zoo Zürich.


Ausbildung 
-MBA INSEAD, Fontainebleau (1983)
-Lic. iur., Universität Zürich (1978)
-Matura Typus B, Liceum Alpinum Zuoz (1973)


Das Unternehmen:
Unique (Flughafen Zürich AG) betreibt den Flughafen Zürich als gemischtwirtschaftliches Unternehmen und Konzessionärin des Bundes. Im Jahr 2008 erwirtschaftete die nicht subventionierte Gesellschaft mit rund 1’400 Mitarbeitenden einen Umsatz von 855.1 Millionen Franken und einen Gewinn von 121.3 Millionen Franken. Während die Mehrheit des Aktienkapitals in Privatbesitz ist, gehören 33.3 Prozent dem Kanton und 5 Prozent der Stadt Zürich.


Der Flughafen Zürich ist das Tor der Schweiz zur Welt. 22.1 Millionen Menschen sind im Jahr 2008 hier abgeflogen, angekommen oder umgestiegen und machen so die wichtigste Verkehrsdrehscheibe auch zum bedeutendsten Begegnungszentrum der Region. Rund 270 Unternehmen beschäftigen knapp 24’000 Menschen am Wirtschaftmotor Flughafen Zürich.

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