UBS und BAK erhöhen BIP-Prognosen für 2009

Den Prognosen der UBS zufolge schrumpft die Wirtschaftsleistung in der Schweiz in diesem Jahr weniger stark als befürchtet, und im nächsten Jahr zieht das Wachstum bereits wieder deutlich an.  Die UBS-Investmentbank geht für 2009 von einen Rückgang von 1,4% aus. In ihrer Prognose von Ende April prognostizierte sie noch ein Minus von 2,4%.2010 wächst das Bruttoinlandprodukt (BIP) gemäss der neuen Prognose um satte 1,7%, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. In der April-Prognose ging die UBS-Investmentbank noch von einer Expansionsrate von lediglich 0,7% aus.


PMI überschreitet expansive Schwelle
Gemäss den UBS-Ökonomen war es in erster Linie der Stillstand an den Finanzmärkten, der die Schweiz in eine Rezession getrieben hat. Da dieser nun überwunden scheine, könne die Export-Industrie ihre betrieblichen Tätigkeiten stabilisieren. Die Banker verweisen auf den Schweizer Einkaufsmanagerindex PMI, der als einer der ersten weltweit die expansive Schwelle wieder überschritten habe.


UBS-Vermögensverwaltung pessimistischer
Nicht ganz so optimistisch geben sich die hausinternen Kollegen von der UBS-Vermögensverwaltung (Wealth Management): In ihrer letzten Prognose von Ende März prognostizieren sie einen BIP-Rückgang von 2,8% im laufenden und von 0,4% im nächsten Jahr. Eine aktuellere Prognose liegt nicht vor.


BAK erhöht Prognosen – Tiefpunkt erreicht
Der Umschwung des weltwirtschaftlichen Umfeldes hat auch nach Einschätzung von BAK Basel Economics früher und stärker eingesetzt als bisher erwartet. Im Zuge dieser Entwicklung würden sich auch in der Schweiz die Signale für eine konjunkturelle Erholung mehren. Nach Einschätzung von BAK Basel markiert das dritte Quartal das Ende der vom Herbst 2008 bis Sommer 2009 währenden Rezession, so die Mitteilung vom Freitag.


BIP mit -1,9 % statt wie bisher prognostiziert -2,5 %
Dennoch dürfte das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Gesamtjahr 2009 mit einem Rückgang um 1,9% die schärfste Rezession seit 1975 verzeichnen. Die durch Sonderfaktoren wie Lagerzyklen und die massiven fiskalischen Impulse beschleunigte Erholung des weltwirtschaftlichen Umfeldes lasse für das Jahr 2010 wieder ein bescheidenes Schweizer Wachstum um 0,5% erwarten, so das BAK weiter. Damit wurden die bisherigen Prognosen von einem Rückgang des realen BIP um -2,5% im Jahr 2009 und einem Wachstum um 0,2% für 2010 erhöht.


Stärkere Impulse vom Aussenhandel
Stärkere Impulse erwartet das BAK im zweiten Halbjahr 2009 und auch im kommenden Jahr insbesondere vom Schweizer Aussenhandel. Für die realen Exporte von Schweizer Gütern und Dienstleistungen wird nach dem markanten Rückgang vom laufenden Jahr wieder mit einem Wachstum von 2,3% (2009: -12,1%) gerechnet.


Nachfrageimpulse aus dem Ausland bleiben vorerst schwach
Trotz des positiven Ausblicks würden die ausländischen Nachfrageimpulse aber vorerst noch zu schwach bleiben, um die Schweizer Wirtschaft wieder an ihre «Normalauslastung» heranzuführen. Dies werde die Investitionstätigkeit der Schweizer Unternehmen auch im Jahr 2010 belasten, so dass bei den Ausrüstungsinvestitionen erneut mit einem, wenn auch nur noch leichten, Rückgang zu rechnen sei (-0,4% nach -6,7 % im Jahr 2009).


Arbeitsmarkt leidet weiter
Schwerwiegender werde sich die anhaltende Investitionszurückhaltung hingegen auf den Arbeitsmarkt auswirken. Der mit den unterausgelasteten Kapazitäten verbundene Kostendruck werde die Schweizer Unternehmen auch zunehmend zu Entlassungen zwingen. Dies umso mehr, als die gegenwärtig den Arbeitsmarkt stützenden Instrumentarien wie Kurzarbeit oder Abbau von Überstunden im Jahr 2010 auslaufen würden. Damit würden weitere Entlassungen unvermeidbar sein.


Arbeitslosenquote zum Jahresende bei 4,8 % und 2010 im Schnitt bei 5,1 %
Nach Einschätzung des BAK werde die um saisonale Effekte bereinigte Schweizer Arbeitslosenquote bis zum Jahresende 2009 auf rund 4,8% ansteigen (Stand August 2009: 4,0%). Für den Jahresdurchschnitt 2010 sei mit einer nochmals höheren Arbeitslosenquote von 5,1% zu rechnen, während sich der Rückgang der Erwerbstätigenzahl im Jahresdurchschnitt auf 1,2% beschleunigen dürfte (2009: -0,3%).


Nachlassende Konsumausgaben
Mit der weiterhin negativen Arbeitsmarktentwicklung werde zugleich die bis anhin robuste Dynamik der privaten Konsumausgaben nachlassen (privater Konsum 2010: -0,1%; 2009: +0,8%). Für das Jahr 2010 käme erschwerend hinzu, dass die stützende Wirkung der gestiegenen Reallöhne (überdurchschnittliche Tarifabschlüsse für 2009 kombiniert mit rückläufigen Teuerungsraten) entfallen werde. So sei bereits jetzt absehbar, dass bei den im Herbst beginnenden Tarifgesprächen nur geringe Nominallohnsteigerungen für das Jahr 2010 durchsetzbar sein werden. Demgegenüber dürften sich die Teuerungsraten im Jahresdurchschnitt 2010 aufgrund eines Basiseffekts bei den Energie- und Treibstoffpreisen wieder normalisieren (2009: -0,3%; 2010: +1,0%).


SECO bleibt bei Prognose von -2,7% für 2009
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) rechnet gemäss Angaben von Mitte Juni mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,7% im laufenden Jahr. Im kommenden Jahr ist nach Ansicht der Ökonomen des Bundes ebenfalls ein Minus von 0,4% zu erwarten. Am 22. September legt das SECO einen neuen Ausblick vor. (awp/mc/ps/03) 

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