Ulf Berg, CEO Sulzer AG: «Mit Ton Büchner und Kim Jackson haben wir eine ideale Nachfolgeregelung gefunden»

Ulf Berg, CEO Sulzer AG: «Mit Ton Büchner und Kim Jackson haben wir eine ideale Nachfolgeregelung gefunden»

von Patrick Gunti


Herr Berg, Sulzer hat ein glänzendes erstes Halbjahr 2006 hinter sich. Der Umsatz wurde um 15,4 % und das Betriebsergebnis gar um 77,2 % gesteigert. Welche Kernpunkte sind für dieses Ergebnis verantwortlich?


Für das gute Ergebnis, das Sulzer im ersten Halbjahr erzielte, sind vor allem die konsequente interne Leistungssteigerung sowie das gute Marktumfeld verantwortlich. Alle vier Kerndivisionen trugen hierzu bei, allen voran Sulzer Pumps und Sulzer Chemtech.


Besonders erfolgreich hat Sulzer Chemtech mit einem Bestellungseingang von 322 Mio. Franken abgeschnitten. Wie bewerten Sie dieses Resultat?


Unterstützt durch alle Segmente wie Regionen setzte Sulzer Chemtech den erfreulichen Kurs fort. Die Integration der 2005 akquirierten Serviceaktivitäten von Cana-Tex in Houston verlief erfolgreich. Sobald die Akquisition von Mixpac, Werfo und Mold von den Behörden genehmigt ist, erwarten wir auch hierfür eine ähnlich gelungene Eingliederung.


Was zeichnet die Marktverhältnisse im Bereich der erfolgreichen Sulzer Pumps derzeit aus?


Sulzer Pumps kann sich über sehr gute Marktbedingungen freuen. Vor allem das Segment Öl und Gas ist unvermindert stark. Die Division hat sich erfolgreich mit Massnahmen im Bereich Lean Manufacturing für die hohe Auslastung gewappnet: Die durchlaufenden Volumen wurden erhöht und Reaktionszeiten verkürzt.


Die Division Turbo Services musste einen leichten Rückgang beim Bestellungseingang hinnehmen. Wo liegen die Gründe dafür?


Der Bestellungseingang des ersten Halbjahrs war bei Sulzer Turbo Services durch eine Konzentration auf hohe Margen gekennzeichnet. Doch die Erfolge, die die Division durch die Umsetzung der Restrukturierungen verzeichnet und die entsprechend höhere Marge zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Regional zeigte sich die Lage im Nahen Osten weiterhin angespannt. Mit Kostenreduzierung und der Verbesserung der Lieferzeiten arbeitet die Division auch dort an ihrer Marktposition.



Die erfreuliche Auftragslage steht eindeutig im Vordergrund, doch geht diese mit gewissen Engpässen – extern wie intern – einher. (Ulf Berg, CEO Sulzer AG)


Sulzer hat als grosse Herausforderung Kapazitätsgrenzen und Lieferverzögerungen angeführt. In welchen Bereich liegen diese Probleme?


Die erfreuliche Auftragslage steht eindeutig im Vordergrund, doch geht diese mit gewissen Engpässen – extern wie intern – einher. Aufgrund der hohen Nachfrage in den boomenden Märkten kommt es bei Zulieferern zu Lieferschwierigkeiten. Dementsprechend haben sich aber auch die Lieferzeiten unserer Mitbewerber verlängert, so dass unsere Kunden dies entsprechend einplanen. Interne Kapazitätsengpässe traten unter anderem bei Sulzer Pumps auf. Durch die angesprochene Einführung von Lean Manufacturing wurden hier Verbesserungen erreicht. Ausserdem erfolgt ein Outsourcing auf lokale Partner. Bei Sulzer Chemtech liegen die Engpässe stärker im Engineering-Bereich.


Welche Erwartungen hegen Sie für das zweite Halbjahr resp. das Gesamtjahr 2006?


Wir erwarten, dass der gute Geschäftsgang und die positiven Stimmung in unserem Märkten anhalten wird. Für das Gesamtjahr gehe ich davon aus, dass Betriebs- wie Nettogewinn deutlich über dem Vorjahr liegen werden. 


Sulzer Chemtech akquiriert für rund 210 Mio. Franken die Gesellschaften Mixpac, Werfo und Mold. Welche Kriterien waren für diese Akquisitionen ausschlaggebend?


Mit unserem Quadro-Geschäft waren wir schon erfolgreich in diesem Markt tätig, durch die Akquisitionen verbessern wir nun die Economies of Scale und stärken unsere Marktposition deutlich. Neben dem Öl- und Gasgeschäft, in dem wir sehr stark sind, zielen wir im Sinne einer ausgeglichenen Positionierung bewusst auf andere Märkte. 


Über welchen Zeitraum wird die Integration dieser Unternehmen vor sich gehen und mit welchen finanziellen Aufwendungen rechnen Sie?


Wir gehen davon aus, dass wir bereits im nächsten Jahr finanziellen Mehrwert generieren werden.


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Sie haben zu Jahresbeginn Akquisitionen von bis zu 1 Mrd. Franken in Aussicht gestellt. Wie weit sind diese Pläne abgesehen von der nun getätigten Akquisition fortgeschritten und in welchen Bereichen sehen Sie die nächsten Zukäufe?


Ich habe bereits früher gesagt, dass nicht die ganze Summe auf einmal ausgegeben wird. Neben der Akquisition von Werfo, Mixpac und Mold sind in den nächsten Monaten noch weitere Akquisitionen denkbar. Jede Division muss zunächst ihre «Hausaufgaben erledigen». Basierend auf unserem Managementgrundsatz bedeutet das, zunächst die Stufen der «Operational Excellence» und des organischen Wachstums zu erreichen. Erst dann ist eine Division für externes Wachstum bereit. Grundsätzlich muss jede Akquisition Wert generierend sein.



Jede Division muss zunächst ihre «Hausaufgaben erledigen». (Ulf Berg)


Ist es auch vorstellbar, die Konzernaktivitäten mittels Akquisitionen auf weitere Märkte auszudehnen, das Unternehmen also um eine Division zu erweitern?


Vorläufig ist es nicht vorstellbar, dass wir an unserer Struktur etwas ändern. Zunächst müssen die gerade genannten Hausaufgaben erledigt werden. Wir wollen unsere vier Kerndivisionen in ihren Märkten entsprechend positionieren.


In den letzten Monaten ist vermehrt Kritik an der Kurzfristigkeit der Beurteilung von Unternehmen zu vernehmen. Firmen und CEO?s würden immer stärker nur noch an Quartalszahlen gemessen, und nicht mehr an den langfristigen Folgen von strategischen Entscheidungen. Wie ist Ihre Meinung dazu?


Sulzer veröffentlicht keine Quartalszahlen ausser dem Bestellungseingang. Auch ich persönlich bin überzeugt, dass eine Bewertung sich nicht zu stark auf kurzfristige Zeiträume stützen sollte. Abweichungen bei den Quartalsergebnissen können zu falschen Schlüssen verführen. 


Letzte Frage: Im April 2007 kommt es zu Änderungen an der Führungsspitze von Sulzer. Sie sind zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen und sollen dort den zurücktretenden Leonardo Vannotti als Präsident ersetzen. Gleichzeitig wird Ton Büchner Ihr Nachfolger als CEO. Welche Gründe gaben den Ausschlag zu Gunsten von Ton Büchner?


Sowohl Ton Büchner als auch ich sind bereit, eine neue Herausforderung anzunehmen, die sich in Folge des angekündigten Rücktritts von Leonardo Vannotti ergeben wird. Mit Ton Büchner als meinem Nachfolger sowie Kim Jackson als zukünftigem Präsidenten der Division Sulzer Pumps haben wir eine ideale Nachfolgeregelung gefunden. Mit diesem jungen, dynamischen Team an der Managementspitze wird Sulzer eine Besetzung haben, die unser Unternehmen sowie unsere Kunden und Märkte hervorragend kennt. Ton Büchner hat bei Sulzer in den vergangenen zwölf Jahren einen exzellenten Leistungsnachweis erbracht.&


Herr Berg, wir bedanken uns für das Interview.





Zur Person
Ulf Berg ist seit 2004 CEO der Sulzer AG. Zuvor war er in führenden Positionen bei SIG, EG Energy Group AG (Inhaber), Carlo Gavazzi Holding und ABB tätig. Der Däne Ulf Berg ist Diplomingenieur und Doktor in Maschinenbau. Im April 2007 soll er neuer VR-Präsident der Sulzer AG werden. 


Zum Unternehmen:
Sulzer wurde 1834 in Winterthur gegründet und ist heute global an rund 120 Standorten im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Oberflächentechnik tätig. Die Kerndivisionen nehmen weltweit Spitzenpositionen in ihren Kundensegmenten ein. Im zukunftsorientierten Konzern erarbeiten rund 10 000 engagierte Mitarbeiter innovative technische Lösungen. Diese ermöglichen es den Kunden von Sulzer, ihre Wettbewerbsposition im globalen Markt zu stärken.



 

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