US-Notenbank senkt Leitzinssatz – weitere Senkung schnell möglich

Experten hatten mit einem Zinsschritt nach unten zwar gerechnet, allerdings erst für Ende Januar beim nächsten regulären Treffen des geldpolitischen Ausschusses (FOMC), das in der kommenden Woche stattfinden wird. Erst nach der Talfahrt der weltweiten Börsen am Montag waren Stimmen laut geworden, die eine schnelle Reaktion der Fed für möglich hielten.


Auch Diskontsatz um 0,75 Punkte gesenkt
Ebenfalls gesenkt hat die Federal Reserve den weniger bedeutsamen Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken direkt bei der Notenbank refinanzieren können. Der Diskontsatz sinkt ebenfalls um 0,75 Punkte auf nunmehr 4,00 Prozent. Die Notenbank begründete die Zinssenkungen vor allem mit einem weiter getrübten Wachstumsausblick für die US-Wirtschaft und einer erneut verschlechterten Lage an den internationalen Finanzmärkten. Seit Wochenbeginn war es an den globalen Aktienmärkten zu panikartigen Kurseinbrüchen gekommen.


Experten erwarten weitere schnelle Zinssenkungen
Marktbeobachter gehen unterdessen von weiteren schnellen Zinssenkungen der Notenbank aus. So könnte die Fed nach Einschätzung der Commerzbank den Leitzins bereits kommende Woche bei ihrer regulären Sitzung erneut deutlich senken. «Die Federal Reserve hat heute ein klares Signal zu einem Kurswechsel bei ihrer Geldpolitik gegeben», sagte USA-Experte Patrick Franke von der Commerzbank. Die Notenbank habe «die Schleusen geöffnet». Franke erwartet daher für kommende Woche eine weitere Senkung der Fed Funds Rate um 0,50 Punkte auf dann 3,00 Prozent.


Auch die UniCredit schliesst eine weitere Zinssenkung bereits in der kommenden Woche nicht aus. «Falls die jüngste Zinssenkung – und mögliche Massnahmen weiterer Notenbanken – nicht ausreichen, um die Finanzmärkte zu beruhigen, könnte ein weiterer Zinsschritt nach unten bereits in der kommenden Woche folgen», schreiben die Experten.


«Die US-Notenbank hat den Märkten gegeben, was sie gefordert haben», merkte Commerzbank-Experte Franke an. Auch wenn die Zinssenkung prinzipiell zur Beruhigung der Lage an den internationalen Aktienmärkten beitragen könnte, beseitige der Schritt nicht die eigentlichen Ursache der Finanzmarktkrise. Nach wie vor sei unklar, welche Ausfälle im Finanzsektor infolge der US-Hypothekenkrise noch zu erwarten seien. Auch berge das Erfüllen der Markterwartungen seitens der Federal Reserve das Risiko, dass die Märkte weitere Zinssenkungen forderten, was die Notenbank letztlich dazu veranlassen könnte, weiter nachzulegen.


Fed: Wachstumsausblick verschlechtert – Entscheidung nicht einhellig
Der Wachstumsausblick für die USA habe sich weiter verschlechtert und die Abwärtsrisiken für das Wachstum hätten sich verschärft, begründete die US-Notenbank die Zinssenkung. Auch die Lage an den internationalen Finanzmärkten habe sich weiter eingetrübt. Jüngste Daten sprächen darüber hinaus für eine Vertiefung des Abwärtstrends am Häusermarkt und eine gewisse Eintrübung am US-Arbeitsmarkt. Die US-Inflation wird sich nach Einschätzung der Fed in den kommenden Monaten indes moderat abschwächen. Gleichwohl sei eine sorgsame Beobachtung der Inflationsentwicklung geboten.


Die Zinsentscheidung der Notenbank ist indes nicht einhellig getroffen worden. Gegen eine Zinssenkung habe das Ausschussmitglied William Poole gestimmt. Poole – Präsident der regionalen Notenbank von St. Louis – sei der Überzeugung gewesen, dass eine schnelle Zinssenkung vor der regulären Sitzung des geldpolitischen Ausschusses in der kommendem Woche nicht nötig sei.


Reaktion an den Finanzmärkten
Die Reaktion an den Finanzmärkten auf die Zinssenkung war zunächst euphorisch, nach kurzer Zeit verpufften die Effekte aber. So drehte der Deutsche Aktienindex DAX nach Bekanntwerden des Zinsschritts zunächst deutlich ins Plus, im weiteren Verlauf rutschte der Leitindex aber wieder ins Minus auf sein Niveau vor der Zinssenkung. Der US-Leitindex Dow Jones eröffnete trotz des Zinsschritts deutlich im Minus.


Der Euro quittierte die Leitzinssenkung indes mit deutlichen Kursgewinnen und stieg zeitweise um einen US-Cent auf bis zu 1,4595 Dollar. Die deutschen Anleihen gaben nach dem Zinsschritt hingegen merklich nach. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future drehte auf bis zu 116,35 Punkte ins Minus, nachdem er zuvor noch im Plus notiert hatte. (awp/mc/pg)

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