US-Schluss: Verluste eingedämmt – Dow unter 8.000 Punkten

Der Dow Jones beendete den Tag 0,52 Prozent tiefer bei 7.975,85 Punkten, nachdem er im Verlauf bei 7.862,20 Punkten sein Tagestief markiert hatte. Damit blieb der Leitindex aber unter der 8.000-Punkte-Marke, über der er vergangenen Freitag erstmals seit dem 9. Februar wieder geschlossen hatte. Der marktbreite S&P-500-Index fiel um 0,83 Prozent auf 835,48 Zähler. An der Technologiebörse NASDAQ verlor der Composite-Index 0,93 Prozent auf 1.606,71 Zähler. Der NASDAQ 100 gab um 0,23 Prozent auf 1.313,10 Punkte ab.


Aktien von Sun Microsystems brachen um 22,50 Prozent auf 6,58 US-Dollar ein. Die Milliarden-Übernahme des Server-Spezialisten durch den IT-Giganten IBM droht zu scheitern. Die zwei US-Konzerne könnten sich nicht auf einen Preis einigen, hiess es übereinstimmend in US-Medien. Der Sun-Verwaltungsrat habe die Verhandlungen am Wochenende abgebrochen. IBM habe daraufhin seine Offerte von zuletzt sieben Milliarden Dollar (5,2 Mrd Euro) zurückgezogen, berichteten etwa das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf Insider. Die Berater beider Seiten seien allerdings noch in Kontakt und die «Situation im Fluss». Aus Bankenkreisen hiess es, offensichtlich gebe es auch keinen anderen Interessenten für Sun und Analysten prophezeiten dem Management ähnlichen Ärger mit den eigenen Aktionären wie die Yahoo!-Führung nach Ablehnung eines Übernahmeangebots von Microsoft. Die IBM-Papiere verloren marktkonforme 0,65 Prozent auf 101,56 Dollar.


Eine negative Bankenstudie von Calyon Securities drückte die Branchentitel ins Minus. Analyst Mike Mayo hatte die Beobachtung des US-Bankensektors mit «Underweight» aufgenommen. Damit trage er den anhaltenden Folgen aus den gestiegenen Risiken Rechnung, die die Institute in verschiedenen Bereichen eingegangen seien, so der Experte. Während einige Hypothekenprobleme in den Hintergrund träten, dürften sich die Probleme in anderen Bereichen noch verschärfen. Möglicherweise würden die Massnahmen der neuen US-Regierung auch weniger helfen als erwartet. Die Aktie der Citigroup, die Mayo mit «Underperform» und einem Kursziel von 3 Dollar bewertet, fiel am Dow-Ende um 4,56 Prozent auf 2,72 Dollar. Für JPMorgan-Titel (Underperform», Ziel 24 Dollar) ging es um 3,69 Prozent auf 28,20 Dollar bergab. Papiere der Bank of America («Underperform», Ziel 8 Dollar) verloren 1,58 Prozent auf 7,48 Dollar.


Auch in anderen Sektoren sorgten Analystenkommentare für Druck. Cisco-Systems-Papiere verloren 3,47 Prozent auf 17,53 Dollar, nachdem Goldman Sachs die Titel des Technologie-Unternehmens aus Bewertungsgründen von der «Conviction Buy List» genommen und auf «Neutral» abgestuft hatte beim weiter gültigen Kursziel von 18 Dollar. Für Anteilsscheine von American Express ging es um 1,11 Prozent auf 15,16 Dollar nach unten. Das Analysehaus Jefferies hatte für die Aktie des Kreditkarten-Unternehmen das Kursziel von 14,00 auf 12,50 Dollar gekürzt und auf die schwächeren Kreditmarkt-Aussichten sowie das gebremste Konsumverhalten verwiesen. Die Anlageempfehlung lautet «Underperform». Bei Papieren des Konkurrenten Visa sorgte ein drohendes EU-Bussgeld für Kursverluste von 1,58 Prozent auf 7,48 Dollar.


Im Automobilsektor liessen indes freundlich aufgenommene Nachrichten Aktien von General Motors (GM) an der Dow-Spitze um 8,10 Prozent auf 2,27 Dollar steigen. Der neue GM-Chef Fritz Henderson hatte bereits am späten Sonntagabend gesagt, eine Pleite des Detroiter Autobauers sei nicht zwangsläufig. Papiere von Ford Motor sprangen um 16,00 Prozent auf 3,77 Dollar nach oben. Der krisengeschüttelte US-Autobauer ist beim Abbau seines Schuldenberges einen grossen Schritt vorangekommen. Durch Vereinbarungen mit Gläubigern sinke die Schuldenlast um fast zehn Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) oder weit über ein Drittel. «Das ist ganz klar positiv für das Unternehmen, da dadurch Verbindlichkeiten und die Zinslast verringert werden», sagte Marl Oline von Fitch Ratings. Ford dürfte zwar weiter stark unter Druck stehen, doch er glaube, der Autobauer verfüge über genug Liquidität, um das laufende Jahr durchzustehen.


Aktien von US-Rüstungsfirmen profitierten von Aussagen des amerikanischen Verteidigungsministers. Robert Gates kündigte grundsätzliche Veränderungen in der Ausgabenpolitik seines Hauses an. Er will unter anderem neue Tankflugzeuge kaufen und die Mittel für ein Raketenabwehrsystem von Lockheed Martin um 700 Millionen US-Dollar aufstocken. Die Aktie des weltgrössten Rüstungsunternehmens legte um 8,87 Prozent auf 73,28 Dollar zu. Für Titel des Konkurrenten Northrop Grumman ging es um 9,00 Prozent auf 47,94 Dollar hoch.


Gegen den negativen Trend verteuerten sich auch Titel von Bristol-Myers Squibb (BMS) um 1,69 Prozent auf 20,51 Dollar. Der US-Pharmakonzern darf das Schizophrenie-Mittel Abilify in den USA länger als erwartet verkaufen. Der Konzern könne Abilify nun bis zum Patentablauf im April 2015 auf dem Heimatmarkt vertreiben, teilte Bristol-Myers Squibb mit. Dazu sei eine Vereinbarung mit dem japanischen Pharmahersteller Otsuka getroffen worden. Unter anderem zahlt Bristol-Myers Squibb dem japanischen Medizinunternehmen 400 Millionen US-Dollar. Die US-Verkaufsrechte sollten ursprünglich im November 2012 an den Entwickler des Medikaments zurückgehen. (awp/mc/ps/32)

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