US: Wirtschaft wächst im Q3 so schwach wie seit 3 Jahren nicht mehr

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs nach Angaben des Handelsministeriums vom Freitag lediglich mit einer hochgerechneten Jahresrate von 1,6 Prozent, das geringste Plus seit Anfang 2003. Ökonomen hatten um die 2 Prozent erwartet. Im Vorquartal hatte der Zuwachs noch 2,6 Prozent betragen.


Verringerte Ausgaben bei gleichzeitig gestiegenen Importen
Das Handelsministerium machte vor allem verringerte Ausgaben im Bausektor bei gleichzeitig gestiegenen Importen für den neuerlichen Dämpfer verantwortlich. Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt – die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen – auf ein Jahr hochgerechnet noch um 5,6 Prozent gestiegen. Der am Freitag veröffentlichte Wert für das dritte Quartal ist eine erste Schätzung, die sich in den nächsten Monaten noch deutlich ändern kann.


Privater Hausbau eingebrochen
Der private Hausbau in den USA brach auf hochgerechneter Jahresbasis um mehr als 17 Prozent ein und damit so stark wie seit 1991 nicht mehr. Allein dadurch verlor das Wachstum im dritten Quartal 1,12 Prozentpunkte. Derweil legte das Handelsdefizit im zweiten Quartal um rund 2,5 Prozent auf 639,9 Milliarden US- Dollar zu. „Die Probleme des Immobilienmarktes haben das Wachstum sehr belastet, aber es gibt zunehmend Signale, dass das Schlimmste hinter uns liegt“, sagte der Chef-Finanzökonom der Bank of Tokyo-Mitsubishi in New York, Chris Rupkey, der Finanzagentur Bloomberg.


Verbraucher haben Rückenwind
Den Einbussen durch den Häusermarkt stand unterdessen die weiter robuste Ausgabenfreude der Amerikaner dank deutlich gesunkener Energiepreise entgegen. Im endenden Quartal waren die Verbraucherausgaben, die 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmachen, um hochgerechnet 3,1 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 2,6 Prozent in den drei Monaten zuvor. „Die Verbraucher haben jetzt, da die Benzinpreise rückläufig sind, wirklich Rückenwind“, sagte Rupkey.


Auswirkungen auf Fed-Ausrichtung möglich
Die schwächer als erwarteten US-Wachstumsdaten könnten die US-Notenbank nach Einschätzung der Postbank zur Aufgabe ihres „tightening bias“ bewegen. Sollten die schwachen BIP-Daten in der Folgezeit bestätigt werden, könnte die Fed ihre Begründung zu ihrer nächsten Zinsentscheidung im Dezember entsprechend ändern, heisst es in einer Studie der Bank vom Freitag. Allerdings sei die erste BIP-Schätzung für ein Quartal traditionell sehr revisionsanfällig. Insofern bleibe abzuwarten, ob die deutlichere Abschwächung tatsächlich bestätigt werde. Zudem gebe es erste „zarte“ Hinweise auf eine baldige Stabilisierung am US-Wohnimmobilienmarkt.


Wachstum mit moderater Geschwindigkeit
Die US-Notenbank (Fed) hatte am Mittwoch angesichts der schwächeren Konjunktur und gleichzeitig nach wie vor bestehender Inflationsrisiken die Leitzinsen bei 5,25 Prozent belassen. Nach Einschätzung der Währungshüter in Washington ist weiterhin von einem Wachstum „mit moderater Geschwindigkeit“ auszugehen. (awp/mc/ab)

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