Vincent Mutel, CEO Addex Pharmaceuticals

Von Bob Buchheit


Moneycab: Herr Mutel, in einer Top/Flop-Liste der börsenkotierten  Life Science ? Firmen waren Sie 2008 der einzige Gewinner. Die negativen klinischen Daten Ihres Flagschiffmedikaments mit der Abkürzung ADX10059 führten dann aber zu einem beispiellosen Kurssturz auf unter ein Siebtel des Preises, mit dem Ihre Firma an der Börse eingeführt wurde.  Seither hat sich der Kurs kaum mehr erholt. Haben Sie eine Botschaft an die masslos enttäuschten Aktionäre?


Vincent Mutel: Die Fundamente bleiben solide. Ich will den Verlust von ADX10059 nicht schön reden. Aber dieser Medikamentenkandidat war nur einer von vielen potentiellen Produkten aus unserer Pipeline und bei weitem nicht der einzige vielversprechende Kandidat aus unserer Entwicklungsplattform. Addex ist die erste Firma, die Entdeckung und Entwicklung allosterischer Modulatoren industrialisiert hatAllosterische Modulatoren sind mittlerweile eine kommerziell bereits erfolgreiche Molekülklasse, und unsere Entwicklungsplattform wird von unseren Kooperationen mit Merck & Co. werthaltig gemacht und vor allem der Zusammenarbeit mit Ortho-McNeil-Janssen Pharma profitieren. Allein diese drei Partnerschaften mit zwei der bedeutendsten Pharmaunternehmen der Welt zeigen, wie wichtig und wertvoll die Plattform ist.


Aber wo sollen denn  jetzt die geldwerten Gegenwerte generiert werden?


Unser neues Flagschiff ADX48621 hat grosses Potenzial in der Behandlung der Parkinson-Krankheit und ADX71149, welches sich im Besitz von unserem Partner Johnson&Johnson befindet, sollte den Aktienwert beträchtlich steigern. Auch andere Moleküle und Programme  aus unserer Pipeline geniessen grosses Interesse der Pharmaindustrie. Wir sind uns zusammen mit zahlreichen Experten einig, dass der unseren Produktkandidaten zugrundeliegende Wirkmechanismus der allosterischen Modulation in den nächsten Jahren der Schlüssel zu sehr wirkungsvollen Medikamenten sein wird. Ich versichere unseren Aktionären, dass wir dieses Potential ausschöpfen werden. Immerhin haben wir noch für volle zwei Jahre Betriebskapital. Wir müssen uns zwar beeilen, aber wir sind in der Lage, vorwärts zu machen, ohne unsere Entdeckungsmaschinerie in irgendeiner Form opfern zu müssen.



«Unser neues Flagschiff ADX48621 hat grosses Potenzial in der Behandlung der Parkinson-Krankheit.» Vincent Mutel, CEO Addex Pharmaceuticals


Aber kriegen diese Aktionäre je eine vernünftige Rendite? Wenn der Bonusplan für die  Addex-Mitarbeiter zum Tragen kommt, wird sich das Aktienkapital beträchtlich verdünnen.

Bezüglich der Verwässerung durch den Incentive Plan gibt es weitverbreitete Missverständnisse. Das Addex-Verwaltungsrat verfügt über ein bedingtes genehmigtes Kapital von 891250 CHF, um den gegenwärtigen Aktienoptionsplan zu bedienen. Dieser Betrag wurde von den Aktionären genehmigt und stellt eine möglich Verdünnung von 15% dar. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen würden das genehmigt Kapital nicht erhöhen und daher keine zusätzliche Verwässerung verursachen. Es geht dem Verwaltungsrat nur darum, das bereits genehmigte bedingte Kapital effektiver zu nutzen.


Da Addex  aus Roche hervorgegangen ist und noch einen kleine Anteil an Addex hält ? wäre es da  nicht naheliegend, wenn Roche sich stärker engagierte?


Danke, dass Sie mir den Ball für einige Klarstellungen zuspielen.Obwohl einige unserer Manager für Roche gearbeitet haben, sind wir kein Roche-Spin-off. All unsere Technologien und Produkte wurden in-house entwickelt und gehören vollständig Addex. Neben SR-One, dem Risikokapitalzweig von GlaxoSmithKline hatte sich auch der Roche Venture Fund während unserer dritten privaten Finanzierungsrunde  2006 engagiert. Das war vor unserem Börsengang 2007.


Halten Sie nach weiteren Finanzierungsrunden Ausschau?


Wie erwähnt haben wir bis Ende 2011 Bargeld. Unsere jetzige Strategie sieht vor, aus dem Dutzend noch nicht von einem Partner abgedeckten Entwicklugsprogrammen, Geld durch Lizenzvereinbarungen zu generieren.. Bevor wir neues Geld am Kapitalmärkt aufnehmen können, müssen wir den Aktienkurs verbessern.


Wie sieht es bei ADX63365 aus, ihrem möglichen Schizophreniemedikament aus? Merck&Co. hat Ihnen schon vorgängig 25 Millionen CHF gezahlt.


Leider darf ich Ihnen das nicht erzählen. Unsere Verträge verbieten das. Aber Merck hält alle Vertragsbedingungen weiter ein.


Viele Pharmafirmen warten auf ein Mittel gegen Schizophrenie und forschen daran. Wie wäre es mit weiteren allfälligen Entwicklungskooperationen?


Ich kann nur wiederholen, dass wir mit Merck?s aktiver Rolle in der Entwicklung von positiven mGluR5 Modulatoren, so der genaue Gattungsbegriff für ADX63365, sehr zufrieden sind. ADX63365 mag noch gegen andere Indikationen wirken, die ich Ihnen aber auch nicht verraten darf. Verraten darf ich Ihnen, dass wir an weiteren Schizophreniemedikamenten in der klinischen Phase arbeiten. ADX 71149 ist ein  positiver mGluR2 Modulator, abgekürzt PAM,  der von Ortho-McNeill-Janssen weiterentwickelt werden wird. Die Aktivierung des mGluR2 ist ein mittlerweile klinisch validierter Wirkmechanismus bei Schizophrenie und Angstzuständen.


Vor einem halben Jahr sagte ich, dass eine Kapitalerhöhung für Addex unumgänglich sein wird…


Wie die Mehrheit aller Biotech-Firmen brauchen wir für Forschung und Entwicklung viel Geld, bevor wir einmal profitabel werden. Daher schauen wir uns immer nach den verschiedensten Einnahmequellen um. Um jedoch die Verdünnung unseres Aktienkapital und unsere Kapitalverbrennungsrate so klein wie möglich zu halten, ziehen wir die Vergabe von Lizenzen jeder Form von Kapitalerhöhung vor.


Als ihr Raucherentwöhnungsmittel ADX 10061 seinerzeit floppte, war Ihre Entwicklungsplattform nicht in Frage gestellt, da es sich nicht um ein Molekül aus dieser Plattform handelte. Nun setzen aber einige Leute ein Fragezeichen hinter allosterische Modulatoren, wegen der Nebenwirkungen.


Diese Leute sollten besser Ihre Hausaufgaben machen. Obwohl es schwierig ist, allosterische Modulatoren aufzuspüren, so gibt es doch bereits eine Handvoll erfolgreiche Medikamente auf ihrer Basis auf dem Markt. Addex  braucht bestimmt nicht mehr zu beweisen, dass allosterische Modulatoren als Medikamente funktionieren können. Das haben andere bereits getan. Ich will  hier nur Sensipar cinacalcet von Amgen und Selzentry maraviroc von Pfizer erwähnen. Ich hoffe endlich, dass die Leute Addex? Wissenschaftler als Pioniere mit einer ureigenen Technologie zur Entdeckung und Entwicklung wirkungsvoller Moleküle wahrnehmen.


Bleibt die Frage, wie Sie die Burn-rate weiter runter bekommen, etwa durch Outsourcing?


Wir wollen weitere Produkte auslizenzieren, was Geld durch Vorschusszahlungen bringt und Synergien bei den Entwicklungskosten. Zusätzlich haben wir unsere Organisation gestrafft, ohne unsere Entwicklungskapazitäten zu bremsen. Wir behalten die Verbrennungsrate immer im Auge und achten streng auf die Kosten. Das Management hat für 2009 freiwillig auf seine Bonuszahlungen verzichtet und auch auf jede Lohnerhöhung 2010.






Zum Unternehmen:
Die 2002 in Genf geründete Addex entwickelt sogenannte allosterische Modulatoren für den therapeutischen Einsatz und konzentriert sich auf validierte therapeutische Ziele bei Krankheiten des Zentralnervensystems, Stoffwechselstörungen und Entzündungen. Klinische Studien der Phase II für zwei Hauptprodukte bei vier Indikationen sind für 2010 geplant: ADX48621, ein negativer allosterischer Modulator (NAM) des metabotropischen Glutamatrezeptors 5 (mGluR5), der gegen Dystonien und Levodopa-induzierte Dyskinesien (PD-LID) bei Parkinson-Patienten entwickelt wird; und ADX71149, ein positiver allosterischer Modulator (PAM) des mGluR2, der gegen Schizophrenie und Angstzustände getested wird. Darüberhinaus hat Addex Produktkandidaten in Phase 1 und in der präklinischen Prüfung. Sowohl Roche Venture Fund als auch SR-One, der Venture-Capital-Fonds von GlaxoSmithKline, haben in Addex investiert


Zur Person:  
Vincent Mutel, ist nicht nur CEO sondern auch Mitbegründer und Vize-Chairman von Addex. Dem Franzosen gelangen für Addex bisher drei Finanzierungsrunden für knapp eine Viertel Milliarde Franke und auch drei Entwicklungspartnerschaften mit Grossen der Pharmabranche. Monsieur Mutel ist im Board von Lectus Therapeutics Ltd, UK. Er hat über 60 wissenschaftliche Publikationen und über 20 Patente  veröffentlicht.

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