Walter Huber, CEO Emmi: „Hohe Innovationskraft auch in Zukunft von höchster Prio

Emmi hat einen gelungenen Börsenstart hingelegt. CEO Walter Huber zeigt sich im Moneycab-Interview mit der Entwicklung zufrieden, erläutert, welche Märkte nun angepeilt werden und äussert sich zum „Glücksfall“ Roger Federer.

Moneycab: Herr Huber, Emmi hat vor einer Woche einen erfolgreichen Börsengang hingelegt. Wie ist die Öffnung gegenüber dem Publikum aus Ihrer Sicht abgelaufen?

Walter Huber: Der Börsengang ist sehr gut verlaufen. Das Echo in den Medien und von den Finanzanalysten war grösstenteils positiv und die Entwicklung an der Börse ist – wie die Aktienkursentwicklung zeigt – ebenfalls positiv.

Die Aktie wurde zu 100 Franken emittiert, eröffnete bei 104.50 Franken und erreichte in den ersten Handelstagen einen Höchstwert von 109.90 Franken. Entspricht dieser Wert in etwa Ihren Erwartungen?

In der Zwischenzeit hat der Aktienkurs 110.00 Franken überschritten und dies entspricht auch unseren Erwartungen. Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Man kann jedoch nicht davon ausgehen, dass es jetzt immer in diesen Schritten aufwärts geht. Sicher profitieren wir auch von einem Eintrittsbonus und einer insgesamt positiven Jahresend-Stimmung.

Der Nahrungsmittelsektor ist bei den Anlegern derzeit angesagt. Hat Emmi für den Börsengang den idealen Zeitpunkt gewählt?

Ich denke schon. Dies hat jedoch nicht primär mit dem Nahrungsmittelsektor zu tun als mit der Entwicklung von Emmi und nicht zuletzt mit dem insgesamt positiven Umfeld.

Freude herrscht bei Emmi, Freude herrscht bei den Anlegern – skeptisch sind hingegen die Bauern. Sie befürchten, dass Emmi künftig vor allem die Aktionäre zufrieden stellen und eine hohe Rendite erzielen will – auf Kosten der Preise, die den Bauern bezahlt werden. Können Sie die Kritiker beruhigen?

Wir wollen selbstverständlich eine gesunde Rendite von 2,5-3 % erwirtschaften, aber nicht auf Kosten der Bauern. Zudem sind zahlreiche Bauern – entweder über die Verbände der Milchproduzenten oder direkt als Aktionäre – an Emmi beteiligt und können am Erfolg unseres Unternehmens partizipieren.

Nun hat der Börsengang dem Emmi-Konzern rund 100 Mio. Franken in die Kassen gespült. Das Geld soll insbesondere für die geplante Expansion im Ausland eingesetzt werden. Welche Märkte peilen Sie an und in welche Segmente will Emmi eindringen?

Wir wollen vor allem in den Aufbau der internationalen Vertriebsstrukturen, in die Kommunikation der Marke und in mögliche Akquisitionen investieren. Im Vordergrund stehen Märkte wie Deutschland, Grossbritannien, Italien und Frankreich.

Mit Produkten wie „Benecol“, „Energy Milk“, „Aktifit“ oder in diesem Jahr „Caffe Latte“ hat Emmi seine Innovationsfreudigkeit unter Beweis gestellt. Solche Verkaufsschlager sind keine Selbstverständlichkeit. Wie sichert Emmi langfristig die Innovations-Erfolge?

Die hohe Innovationskraft wird auch in Zukunft für uns von höchster Priorität sein. Das heisst im Klartext, dass wir auch weiterhin innovative Produkte sowohl in der Schweiz als auch im Ausland lancieren werden. Entsprechende Konzepte sind bereits in der Pipeline.

Ein äusserst glückliches Händchen hat Emmi auch mit seinen Werbeträgern DJ Bobo und Roger Federer bewiesen. Ist es abschätzbar, wie sehr Emmi von der Erfolgsserie eines Roger Federer profitiert – gerade im Hinblick auf den Ausbau der ausländischen Märkte?

Die Partnerschaft mit DJ Bobo und Roger Federer sind für uns absolute Glückstreffer und das Timing – nicht zuletzt mit der Lancierung von Caffè Latte – absolut perfekt. Dass wir von den Erfolgen Roger Federers profitieren ist ohne Zweifel, aber nicht so einfach messbar. Da wir im Ausland nicht mit Roger Federer Werbung betrieben haben, lässt sich daraus kein Verkaufserfolg ableiten.

Wie lange läuft der Vertrag mit Federer noch?

Der Vertrag läuft noch bis Mitte 2005.

Im 1. Halbjahr 2004 entwickelte sich die Emmi Gruppe im Rahmen der Erwartungen. Erträge (+2%), Bruttogewinn (+6%), EBITDA (+2%), Gewinn (+2%) und Cashflow (+7%) konnten gesteigert werden. Wie sehen kurz vor Jahresende die Erwartungen für das Gesamtjahr aus?

Als börsenkotiertes Unternehmen kann ich keine Prognosen abgeben. Nur soviel: wir sind auf gutem Wege.

In den nächsten Jahren steht in der Schweiz der Eintritt der Discounter Aldi und Lidl auf den Schweizer Markt an. Welche Auswirkungen erwarten Sie für Emmi?

Kurzfristig sehe ich kaum Auswirkungen, da eine Belieferung von Aldi und Lidl rein betriebswirtschaftlich aufgrund der zu erwartenden geringen Mengen für uns nicht interessant ist.

Eine letzte Frage: Sie haben Ihr Amt als CEO von Emmi am 1. Januar angetreten. Wie sieht Ihre Bilanz nach dem ersten Jahr aus? Welches waren neben dem Börsengang die Meilensteine?

Ich ziehe eine positive Bilanz. Neben dem Börsengang haben wir mit der Zusammenführung der Sparten Frischprodukte und Molkereiprodukte und der neu geschaffenen Sparte Internationales die Organisation dynamischer und marktorientierter gestaltet. Die gute Bilanz ist nicht zuletzt eine Teamarbeit des gesamten Managements. (Moneycab/stö)



Moneycab Interviews Walter Huber
CEO Emmi (seit 1.1.2004)

Alter: 47 Jahre

Wohnort: Herrliberg

Zivilstand: Verheiratet, vier Kinder

Berufliche Laufbahn:
Walter Huber ist seit Januar 2000 bei Emmi tätig, wo er die Emmi Interfrais SA erfolgreich aufbaute. Seit 2002 ist er Mitglied der Konzernleitung, seit 1. Januar 2004 als Vorsitzender. Vor seiner Berufung zum CEO war er für den Verkauf Schweiz im Bereich Detailhandel, Industrie und Gastronomie verantwortlich. Im Weiteren leitete er die Sparte Beteiligungen.

Huber gilt als ausgewiesener Kenner des Schweizer Detailhandels. Ursprünglich technisch ausgebildet, übernahm er früh projekt- und vor allem marktorientierte Aufgaben im internationalen Umfeld. Er war bis 1999 bei Beiersdorf (Firma Bandfix AG, Bergdietikon) als Mitglied der Geschäftsleitung tätig und führte dort das Tesa-Markengeschäft. Bis 1994 war Huber unter anderem für den Aufbau des Biotechnologie-Geschäftes bei der Motor-Columbus-Gruppe in Baden tätig. Für seine beruflichen Tätigkeiten weilte er längere Zeit in den USA und in Japan. In Zürich absolvierte er die Graduate School of Business Administration MBA.

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