Actelion gleichzeitig Jäger und Gejagter

Jean-Paul Clozel
Jean-Paul Clozel, ehemaliger Actelion-CEO. (Copyright: Actelion)

Actelion-CEO Jean-Paul Clozel. (Copyright: Actelion)

Allschwil – Actelion hat am Freitag bestätigt, mit dem US-amerikanischen Biotechunternehmen ZS Pharma in Verhandlungen getreten zu sein. Gemäss einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg will der Schweizer Pharmakonzern den Branchennachbarn übernehmen.

Actelion soll bereits im August eine Offerte über 2,5 Mrd USD gemacht haben, hiess es in der am Donnerstagabend veröffentlichten Agenturmeldung. In einer Mitteilung bestätigte Actelion die Gespräche. Weitere Angaben, etwa zur Art der Gespräche, wurden allerdings keine gemacht. Während ZS Pharma in einer eigenen Mitteilung betont, man erkunde regelmässig Möglichkeiten mit potenziellen Partnern und werde dies auch in Zukunft tun, stellte Actelion fest, dass bislang keine der beiden Gesprächsparteien irgendwelche Verpflichtungen eingegangen sei.

Actelion-Aktienkurs gibt deutlich nach
An der Börse sorgte die Bekanntgabe der Gespräche für Unruhe: Der Aktienkurs von Actelion gab in einem kaum veränderten Gesamtmarkt am Freitag um 5,4% nach. Am Donnerstag war der Wert der Anteilscheine – notabene vor Bekanntwerden der Gerüchte um ZS Pharma- indes noch deutlich gestiegen (+1,9%).

Gemäss Marktbeobachtern war dies allerdings auf Übernahmephantasien in die andere Richtung zurückzuführen. So wurde dem Gilead-Konzern mit Sitz in Kalifornien Interesse an Actelion nachgesagt, was den Kurs entsprechend nach oben getrieben hatte.

Diversifizierung mit Zukäufen
Dass Actelion gleichzeitig Übernahmeinteressent und Übernahmeziel ist, überrascht nicht. Wie viele andere Unternehmen der Pharmabranche basiert der Erfolg des Unternehmens, dessen futuristischer Hauptsitz in Allschwil im Kanton Baselland steht, immer noch zu einem grossen Teil auf einen einzelnen pharmazeutischen Wirkstoff.

Zwar hat Actelion neben seinem Blockbuster-Medikament, dem Lungenblutdrucksenker Tracleer, schon weitere Medikamente auf dem Markt respektive im Zulassungsprozedere. Dennoch dürfte Actelion sich gezwungen sehen, sein Abhängigkeit von einem einzelnen Medikament mit einer Diversifizierung des Geschäfts abzubauen.

Erst im Juli hatte Actelion-Chef Jean-Paul Clozel anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen denn auch angekündigt, auf Einkaufstour gehen zu wollen. «Wir sind offen für Zukäufe», sagte er damals. Actelion sei aber sehr wählerisch, fügte er hinzu.

Aktienkurs von ZS Pharma über 25 % gestiegen
Wie die Entwicklung des Aktienkurses am Freitag zeigte, muss das Unternehmen tatsächlich wählerisch sein. Die Investoren schätzen offenbar zu teure Übernahmen nicht – mindestens nichts, wenn sie Aktionäre des möglichen Käufers sind. Umgekehrt regen Übernahmegelüste nämlich immer die Phantasie von Investoren und Spekulanten an.

So hat die Bekanntmachung der laufenden Gespräche zwischen Actelion und ZS Pharma den Aktien letzterer einen enormem Wertzuwachs beschert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens, das bislang noch keine Medikament auf dem Markt hat, aber unter anderem einen Wirkstoff gegen Kaliumüberschuss im Blut am Entwickeln ist, hat sich am Donnerstag konkret auf knapp 3 Mrd Dollar erhöht. Das ist ein Betrag, der höher ist als die Summe, die Actelion offenbar zu zahlen bereit wäre.

Mit einer Übernahme könnte Actelion sich gemäss Marktbeobachtern aber auch als Übernahmeziel aus dem Rennen nehmen. Denn in jüngster Vergangenheit wurde nicht nur Gilead ein mögliches Interesse an Actelion unterstellt, sondern vor allem auch dem britischen Unternehmen Shire.

Wie Actelion versuchen nämlich auch andere Unternehmen derzeit, die Innovationskraft von Branchennachbarn zu nutzen, um auch in Zukunft ausreichend Medikamente im Portfolio zu haben, die Erträge abwerfen. So wie sich Actelion nach Firmen in der Grösse von ZS Pharma umschaut, tun dies auch grössere Player der Branche. Nur dass auf dessen Liste möglicher Übernahmekandidaten eben auch Actelion steht. (awp/mc/pg)

 

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