Actelion schreibt 2011 rote Zahlen

Jean-Paul Clozel
Jean-Paul Clozel, ehemaliger Actelion-CEO.

Actelion-Konzernchef Jean-Paul Clozel.

Allschwil – Das Biopharma-Unternehmen Actelion ist infolge von Rückstellungen für den Streitfall mit Asahi Kasei im Geschäftsjahr 2011 in die Verlustzone abgerutscht. Zudem drückten Wechselkurseinbussen, Preisdruck und stärkere Konkurrenz den Umsatz. Hingegen konnte die Produktpipeline weiter entwickelt werden, und es werden für zwei Produktkandidaten Partnerschaften gesucht. Für 2012 geht das Management von leicht rückläufigen Produktumsätzen aus.

Im Berichtsjahr ging der Nettoumsatzerlös um 7% auf 1,80 Mrd CHF zurück. Dabei sei der Umsatz des Hauptproduktes Tracleer zur Therapie von Lungenhochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie, PAH) um 7% auf 1,52 Mrd gesunken, teilt Actelion mit. In Lokalwährungen stiegen der Nettoumsatz und jener von Tracleer um je 5% bzw. das verkaufte Tracleer-Volumen um 8%.

Unter den weiteren Produkten erreichten die Verkäufe von Ventavis 106,4 Mio CHF, was einem Rückgang um 10% (+7% in LW) entspricht. Der Umsatz mit Zavesca fiel mit 68,4 Mio knapp auf Vorjahreshöhe aus (+12% in LW). Mit dem in den USA auf dem Markt eingeführten Veletri werden Verkäufe von 14,7 Mio erzielt; in Japan und Europa soll das Produkt 2013 auf den Markt kommen. Darüber hinaus sanken die Einkünfte aus vertraglichen Vereinbarungen um 19% auf 83,1 Mio.

Hohe Rückstellungen belasten
Der Betriebsaufwand erreichte 1,78 Mrd CHF (+21%). Davon entfielen 340,6 Mio auf Rückstellungen für den Gerichtsfall mit Asahi Kasei um Fasudil sowie 43 Mio auf Rückstellungen für Debitorenrisiken südeuropäischer Kunden. Infolge des Verzichts auf die Übernahme von Trophos nach dem Phase-III-Studienversagen von Olesoxime wurden 13,4 Mio abgeschrieben.

Die Aufwendungen für die Forschung und Entwicklung sanken um 5,5% auf 457,7 Mio CHF. Die Kosten für den Verkauf sowie allgemeine und administrative Aufgaben werden mit 749,9 Mio um 0,8% höher ausgewiesen. Der Betriebsgewinn fiel so auf 12,2 Mio CHF, gegenüber von 457,3 Mio in der Vorjahresperiode. Unter dem Strich weist Actelion einen Reinverlust von 146,3 Mio aus, nach einem Reingewinn von 390,6 Mio im Vorjahr.

Dividende trotz Verlusten
Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung für das Berichtsjahr die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 0,80 CHF je Aktie vor. CFO Andrew Oakley begründet die Dividendenzahlung mit «der Optimierung der Ertragskraft des Unternehmens im Jahr 2012 und darüber hinaus».

Actelion weist zudem einen Non-GAAP-EBIT aus, der dem Betriebsergebnis ohne nicht-cash-wirksame Belastungen wie laufende F&E-Projekte, Belastungen in Verbindung mit Aktienoptionen für Mitarbeitende sowie Amortisationen und Abschreibungen entspricht. Dieser sank um 16% auf 520,6 Mio CHF; in Lokalwährungen stieg die Kennziffer indessen um 8%.

Rückläufiger Umsatz erwartet
Für das Geschäftsjahr 2012 hat das Management die zuletzt im Januar abgegebenen Umsatz-Guidance bestätigt. Angesichts des wachsenden Preisdrucks weltweit und mehr Konkurrenz in den USA werde – in lokalen Währungen – ein Rückgang des Produktumsatzes im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich, erwartet, so CFO Oakley. Gleichzeitig soll der Kerngewinn (Produktumsatz abzüglich Cash-OPEX) in lokalen Währungen auf dem Niveau des Jahres 2011 (437,5 Mio CHF) gehalten werden.

Neue Studienergebnisse erwartet
Was die Produktpipeline anbetrifft, werden unverändert im zweiten Quartal dieses Jahres die Ergebnisse aus der Phase-III-Studie SERAPHIN für den Tracleer-Nachfolger Macitentan erwartet. Im Erfolgsfall sollen 2012 Zulassungsanträge eingereicht und könnte das Produkt 2013 auf den Markt gebracht werden. Zusammen mit Selexipag soll es die PAH-Franchise künftig sichern.

Partner für zwei Produkte gesucht
Für Ponesimod bei Multipler Sklerose und Setipiprant bei allergischer Rhinitis und Asthma werden Partnerschaften gesucht. «Wir gehen davon aus, im weiteren Verlauf des Jahres 2012 (…) die Evaluierung möglicher strategischer Partnerschaften sowohl für Ponesimod als auch für Setipiprant abschliessen zu können», sagte CEO Jean-Paul Clozel. Im Weiteren wird 2013 ein Entscheid auf den Rekurs im Streitfall mit Asahi Kasei erwartet. (awp/mc/pg)

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