Aevis will Victoria-Jungfrau übernehmen – Hotellerie als neues Standbein

Antoine Hubert

Antoine Hubert, VR-Ddelegierter Aevis.

Freiburg – Die Aevis-Holding, welche die Privatspitälergruppe Genolier kontrolliert, will in die Hotellerie expandieren und lanciert ein Übernahmeangebot für die Luxushotel-Gruppe Victoria-Jungfrau Collection (VJC). Sie bietet den VJC-Aktionären einen Preis von 250 CHF je Aktie, was gemäss Aevis einer Prämie von 37% zum Durchschnittspreis der letzten 60 Tage entspricht.

Für die Aktionäre der Victoria-Jungfrau Collection handle es sich um eine «einmalige Ausstiegsmöglichkeit», heisst es in einer Mitteilung von Aevis vom Donnerstagabend. Im Frühling 2013 hatte die VJC-Führung bekanntgegeben, dass die Aktie per Ende November 2013 von der SIX Swiss Exchange dekotiert und ab dem 1. Dezember 2013 nur noch auf der elektronischen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt wird.

Neues Standbein Hotellerie weiterentwickeln
Bei einem erfolgreichen Abschluss des Angebots will Aevis die VJC als weiteres Tochterunternehmen in die Gruppe integrieren. Dabei soll das Unternehmen als neues Standbein mit Fokus Hotellerie und als eigenständige Einheit geführt werden. Zu der VJC-Gruppe gehören vier Fünfsternehotels: das Victoria-Jungfrau in Interlaken, das Palace Luzern, das Eden au Lac in Zürich sowie das Bellevue Palace in Bern.

Aevis beabsichtige, den neuen Geschäftszweig weiterzuentwickeln und zum Turnaround der bestehenden Betriebe beizutragen, heisst es in der Mitteilung der Gruppe. Die vom Management initiierte Repositionierung der Hotels soll fortgeführt werden und durch Investitionen in die Modernisierung der Betriebe soll weiteres organisches Wachstum ermöglich werden. Zudem soll der neue Geschäftsbereich mit der Integration weiterer Hotels in der Schweiz entwickelt werden.

Mittelfristig könnte der Geschäftsbereich Hotellerie innerhalb von Aevis die gleiche Bedeutung bezüglich Aktiven und Umsatz erlangen wie die Genolier-Kliniken, glauben die Verantwortlichen. Sie sehen dazu Synergien mit ihren bisherigen Tätigkeiten in der Immobilienverwaltung, im Finanzbereich, im Einkauf, in der Ausbildung und in der Vermarktung.

Definitives Angebot am 8. November
Falls das Angebot erfolgreich ist, soll der Verwaltungsrat von Victoria-Jungfrau Collection um die heutigen Mitglieder herum «neu ausgerichtet und zusätzlich verstärkt» werden. Aevis verfüge mit ihrem Verwaltungsrat und Schlüsselaktionär Michel Reybier sowie mit CFO Gilles Frachon über «ausgewiesene Experten im Hotelgewerbe». Beim Management und auf Mitarbeiterstufe soll es allerdings keine Veränderung geben.

Aevis und seine Schlüsselaktionäre EMER Holding (Michel Reybier) sowie HR Finance & Participations SA (Antoine und Géraldine Hubert-Reynard) halten derzeit 7,8% der Aktien von Victoria-Jungfrau Collection. Das öffentliche Kaufangebot steht unter anderem unter der Bedingung, dass nach Ablauf der Angebotsfrist Aevis und die Schlüsselaktionäre mindestens 51% der Aktien von Victoria-Jungfrau Collection halten. Das definitive Angebot wird voraussichtlich am 8. November 2013 publiziert.

Angebot zur Kenntnis genommen
Der VJC-Verwaltungsrat gab sich am Donnerstag bedeckt: Er habe von dem Übernahmeangebot der Aevis-Gruppe «Kenntnis genommen». Er werde das Angebot prüfen und «zum gegebenen Zeitpunkt nach den rechtlichen Vorgaben dazu Stellung nehmen», teilte er ebenfalls am Donnerstag in einem kurzen Mediencommuniqué mit.

Am Donnerstag hatte die Victoria-Jungfrau-Aktie an der SIX um 8,2% auf einen Schlusskurs von 205 CHF zugelegt, allerdings waren die Umsätze mit insgesamt 176 gehandelten Aktien (Tagesdurchschnitt der letzten beiden Monate 249 Aktien) gering. (awp/mc/ps)

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