Aktienfokus: ABB geben deutlich nach

ABB

Zürich – Die Aktien des Energie- und Automationstechnikkonzerns ABB notieren am Donnerstag deutlichen im Minus. Zwar übertraf die Gruppe beim Umsatz und Auftragseingang die Erwartungen des Marktes, EBIT und Reingewinn blieben indes umso deutlicher hinter den Prognosen zurück. In ersten Reaktionen zeigen sich denn auch die meisten Analysten enttäuscht von der operativen Leistung des Unternehmens.

Bis gegen 11.20 Uhr verlieren ABB 4,0% auf 19,12 CHF und sind damit die grössten Verlierer im SMI. Der Tagestiefstkurs lag bisher bei 18,96 CHF. Der Gesamtmarkt liegt derweil mit 0,3% im Minus.

Als Erklärung für die schwachen operativen Leistungen verweisen die Analysten auf den unvorteilhaften Geschäfts-Mix im vierten Quartal und den anhaltenden Preisdruck. Aufgrund des Business-Mixes im vierten Quartal hätten die Erwartungen beim EBIT nicht erfüllt werden können, schreibt beispielsweise die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Ebenso habe erneut der Preisdruck, vor allem aus Bereichen des Auftragsbestandes der Power-Divisionen, das Ergebnis belastet, so Analyst Richard Frei. Diese Punkte heben auch die Experten von Morgan Stanley, Credit Suisse, Natixis und UBS hervor.

Fokus der Anleger auf Margenverschlechterung
Obwohl auch einige der Hauptkonkurrenten von ABB vor einer negativen Margenentwicklung im Bereich für Energieprodukte gewarnt hätten, seien sie davon ausgegangen, dass der Konzern den Preisdruck auf den Auftragsbestand durch das aggressive Kosteneinsparungsprogramm auffangen könne, schreibt Helvea-Analyst Alessandro Migliorini. Wie es nun aussehe, werde ABB auch noch im nächsten Quartal unter dem Preisdruck und der Entwicklung beim Produkte-Mix leiden. Er geht aber von einer Verbesserung im Laufe des aktuellen Geschäftsjahres aus. Der Hauptfokus der Anleger liege nun auf weiteren Hinweise zur Margenverschlechterung, schreibt deshalb Morgan Stanley-Analyst Ben Uglow. Allerdings sei der Preisdruck durch Kosteneinsparungen über 330 Mio USD kompensiert worden. Insgesamt hat ABB 2011 Kosten in Höhe von 1,1 Mrd USD eingespart.

Operatives Ergebnis enttäuscht
Bei der Bank Notenstein zeigen sich die Marktkommentatoren ebenfalls enttäuscht vom operativen Ergebnis. ABB sei es offenbar nicht gelungen, aus dem Umsatz auch einen ansprechenden Gewinn zu erzielen. Sie sind aber der Meinung, dass die langfristigen Wachstumstreiber für ABB auf Kurs sind. Sie verweisen auf die steigende Nachfrage nach Elektrizität sowie die zunehmende Verwendung von alternativen Energien, die zu Investitionsbedarf bei Elektrizitätsunternehmen führen. ABB scheine in diesem Markt optimal positioniert zu sein. Auch im laufenden Geschäftsjahr 2012 will der Konzern Kosteneinsparungen von gut 1 Mrd USD realisieren. Weiter wurde der Ausblick allerdings nicht quantifiziert. ABB geht aber von anhaltendem Preisdruck in den Power-Segmenten aus und auch der Business-Mix dürfte laut dem Konzern im ersten Quartal 2012 wenig vorteilhaft sein. Allerdings sollte sich der Trend danach wenden.

Absehbarer Trendwechsel positiv  gewertet
ZKB-Analyst Frei bezeichnet diesen absehbaren Trendwechsel als positiv. Zudem hebt er den starken operativen Cashflow hervor und der im Vergleich mit den Peers starke Auftragseingang. Insgesamt fällt der Ausblick für das erste Quartal aber zurückhaltend aus. Morgan Stanley-Analyst Uglow geht denn auch davon aus, dass die vorgelegten Resultate zu tieferen Erwartungen bei den Anlegern führen. Bei der Credit Suisse zeigen sich die Analysten ebenfalls leicht enttäuscht vom vorgelegten Zahlenkranz. Aufgrund der Aussagen über die Nachfrage gehen sie aber davon aus, dass der negative Effekt des Preisdrucks auf die Margen aufgefangen werden kann. (awp/mc/upd/ps)

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