Alle Verletzten der Katastrophe von Crans-Montana identifiziert
Sitten / Crans-Montana VS – Rund fünf Tage nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» in der Walliser Gemeinde Crans-Montana sind alle 116 Verletzten identifiziert worden. Gemeinden im In- wie im Ausland wollen im Nachgang der Katastrophe die Sicherheit in ihren Gastrobetrieben überprüfen lassen.
Insgesamt 116 Menschen wurden bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht verletzt. Unterdessen sind alle identifiziert worden, wie die Walliser Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. 83 von ihnen waren noch hospitalisiert.
Zuvor hatte es geheissen, der Brand habe 119 Verletzte gefordert. Drei in jener Nacht in der Notaufnahme behandelte Personen seien aber zunächst dem Ereignis zugerechnet worden, obwohl sie nicht damit im Zusammenhang standen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.
Bei den Verletzten handelt es sich laut den neuesten Angaben um 21 Schweizerinnen, 47 Schweizer, 10 Französinnen und 11 Franzosen, 4 Italienerinnen und 6 Italiener, 2 Polinnen, eine Belgierin, eine Portugiesin, eine Staatsangehörige der Tschechischen Republik, 4 männliche serbische Staatsangehörige, einen Australier, einen Bosnier und einen Staatsangehörigen der Republik Kongo. Hinzu kommen ein Luxemburger sowie vier Männer mit doppelter Staatsangehörigkeit (Frankreich/Finnland – Schweiz/Belgien – Frankreich/Italien – Italien/Philippinen).
Weitere Verletzte ins Ausland gebracht
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) teilte seinerseits auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Montag mit, dass insgesamt 38 verletzte Patienten in ausländische Spitäler und Kliniken gebracht worden sind. Je sieben wurden nach Belgien und Deutschland verlegt, 16 Personen nach Frankreich und 8 Personen nach Italien.
Unter ihnen befinden sich auch Schweizerinnen und Schweizer. Denn für eine langfristige Behandlung von schwerverletzten Brandopfern, die voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen wird, reichen die Kapazitäten der Schweizer Spitäler nicht aus.
Zudem wurden die Leichname von fünf der sechs Italiener, die beim Brand in der Bar «Le Constellation» ums Leben gekommen waren, am Montag nach Italien überführt. Ein Flugzeug der italienischen Luftwaffe startete gegen Mittag vom Flughafen Sitten aus, wie ein Fotograf von Keystone-SDA beobachtete.
Insgesamt kamen bei dem Brand laut aktuellen Angaben der Walliser Staatsanwaltschaft 40 Menschen ums Leben, die Hälfte von ihnen war minderjährig. Am Mittwoch wird deshalb in allen italienischen Schulen eine Schweigeminute abgehalten, wie Bildungsminister Giuseppe Valditara ankündigte.
Gemeinden überprüfen Sicherheit
Die Berner Oberländer Gemeinden Adelboden und Lauterbrunnen wollen nun im Hinblick auf die bevorstehenden Ski-Weltcuprennen in Adelboden und Wengen die Sicherheit ihrer Gastrobetriebe überprüfen. Aus aktuellem Anlass habe die Gemeinde die Betriebe «gezielt sensibilisiert, die geltenden brandschutzrelevanten Vorschriften konsequent einzuhalten», teilte die Gemeinde Adelboden am Montagabend mit. Dazu gehörten unter anderem die ordnungsgemässe Signalisation von Notausgängen sowie deren jederzeitige Freihaltung.
Das OK Ski Weltcup Adelboden werde zudem das Rahmenprogramm anpassen. An den Renntagen am Ski-Weltcup würden «Gedenkmomente» stattfinden. Ausserdem werde in einer Kapelle innerhalb des Geländes ein Ort der Stille geschaffen. Weitere Informationen sollen in den kommenden Tagen folgen.
Die Stadt Lausanne ergreift ebenfalls Präventivmassnahmen zum Brandschutz: In einer E-Mail forderte sie rund 600 Betriebe auf, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen.
Ziel sei es, eine ähnliche Katastrophe zu verhindern und sicherzustellen, dass die Sicherheitsnormen in allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen eingehalten würden, sagte der für die Sicherheit zuständige Lausanner Stadtrat Pierre-Antoine Hildbrand zu Keystone-SDA. Und: «Dies betrifft die Betriebe, die dem Gastgewerbegesetz unterliegen – also Hotels, Diskotheken, Bars und Restaurants.»
Und auch in der französischen Hauptstadt Paris hat der Polizeipräfekt in einem Schreiben an Verbände der Gastronomie- und Nachtclubbranche Kontrollen in Nachtlokalen angekündigt. Diese würden durchgeführt, um die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften in öffentlich zugänglichen Einrichtungen, insbesondere Nachtlokalen, sicherzustellen.
Macron reist für Trauertag in die Schweiz
Am für den kommenden Freitag geplanten Gedenkanlass zu Ehren der Verstorbenen und Verletzten von Crans-Montana wird auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron teilnehmen. Der Präsident werde dazu persönlich in die Schweiz reisen, teilte eine Sprecherin der französischen Regierung am Montag mit.
Begleitet wird Macron vom für Europa zuständigen Staatssekretär Benjamin Haddad, wie es weiter hiess. Der Brandkatastrophe fielen auch neun französische Staatsangehörige zum Opfer – darunter eine französisch-schweizerische Doppelbürgerin.
Der Bund hat einen nationalen Trauertag für die Opfer des verheerenden Brandes ausgerufen. Man plane diesen Tag gemeinsam mit den Schweizer Kirchen, sagte Bundespräsident Guy Parmelin zuletzt. Am kommenden Freitag um 14 Uhr sollen in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken läuten.
Dem nationalen Trauertag werde «bewusst eine internationale Dimension verliehen», teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage von Keystone-SDA dazu mit. In diesem Zusammenhang habe der Bund die Staats- und Regierungschefs derjenigen Länder eingeladen, die von der Katastrophe von Crans-Montana betroffen seien.
Über ein mögliches weiteres Programm, bilaterale Treffen oder zusätzliche Aufenthalte in der Schweiz könne noch keine Auskunft gegeben werden, hiess es weiter.
Fragezeichen zu Anwesenheit minderjähriger Opfer von Crans-Montana
Die Hälfte der 40 Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS war minderjährig. Laut der Walliser Staatsanwaltschaft ist unklar, ob sich diese Jugendlichen unrechtmässig in der Bar aufhielten. Gemäss dem Walliser Gesetz über die Beherbergung, die Bewirtung und den Kleinhandel mit alkoholischen Getränken (GBB) darf ein Minderjähriger unter 16 Jahren nach 22.00 Uhr keine Bar besuchen, ausser in Begleitung eines Elternteils oder eines gesetzlichen Vertreters. Dies bestätigte die Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Montag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Ich bin nicht in der Lage zu sagen, ob diese Personen begleitet waren.» Von 20 in der Silvesternacht ums Leben gekommenen Minderjährigen hatten acht ihr 16. Lebensjahr noch nicht vollendet.
Auch die Entscheidung, die Betreiber nicht vorbeugend in Haft zu nehmen, sorgte zuletzt für Gesprächsstoff. «Es gibt keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass sie sich der Justiz entziehen wollen», betonte Pilloud. «Sollten Hinweise auftauchen, die das Gegenteil belegen, könnten wir sie in Haft nehmen.» Sie erinnerte ausserdem daran, dass nur natürliche Personen als beschuldigt gelten können und nicht eine Einheit wie beispielsweise eine Gemeinde. (awp/mc/ps)