Arbeitszeit aufgrund Coronavirus rückläufig

Arbeitszeit aufgrund Coronavirus rückläufig
(Bild: magann/Fotolia)

Neuenburg – Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz nahm zwischen dem 1. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 um 1,1% zu. Im gleichen Zeitraum ging die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) von 4,9% auf 4,5% zurück. Da diese Indikatoren die Quartalsdurchschnitte widerspiegeln, wurden sie nur am Rande von der COVID-19-Krise beeinflusst. Dennoch deuten erste Schätzungen auf einen Rückgang der Arbeitszeit in den letzten zwei Quartalswochen hin. Dies geht aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hervor.

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich im Wesentlichen auf die durchschnittliche Situation im 1. Quartal 2020. Die Verschärfung der Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung, die der Bundesrat am 16. März 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie beschlossen hat, betraf lediglich zwei der insgesamt 13 Quartalswochen. Auf die Indikatoren der erwerbstätigen Bevölkerung und der Erwerbslosigkeit gemäss ILO haben sie sich daher nur geringfügig ausgewirkt. Eine erste Schätzung der Arbeitszeitentwicklung im 1. Quartal 2020 befindet sich am Ende dieser Medienmitteilung. Über die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr 2020 wird das BFS im September 2020 im Detail informieren.

Erwerbstätige Bevölkerung
In der Schweiz waren im 1. Quartal 2020 insgesamt 5,103 Millionen Personen erwerbstätig, das sind 1,1% mehr als im 1. Quartal 2019. Die Zahl der erwerbstätigen Männer stieg um 1,2%, jene der erwerbstätigen Frauen um 1,0%. In Vollzeitäquivalenten (VZÄ) betrug die Zunahme im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal 1,6% (Männer: +1,1%; Frauen: +2,4%). Saisonbereinigt erhöhten sich die Erwerbstätigenzahl und die Anzahl VZÄ zwischen dem 4. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 um 0,4% bzw. 0,9%.

Schweizerische und ausländische Arbeitskräfte
Zwischen dem 1. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 stieg die Zahl der ausländischen Erwerbstätigen um 3,2% und jene der schweizerischen Erwerbstätigen um 0,2%. Unter den ausländischen Erwerbstätigen war die Zunahme bei den Grenzgängerinnen und Grenzgängern (Ausweis G: +4,5%) am stärksten. Ein Teil dieses Anstiegs ist jedoch auf einen technischen Effekt zurückzuführen (vgl. methodischer Anhang). Dahinter folgen die Personen mit einer Niederlassungsbewilligung (Ausweis C: +3,6%) und die Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B oder L, seit mindestens zwölf Monaten in der Schweiz: +1,8%). Die Zahl der Erwerbstätigen mit Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L, seit weniger als zwölf Monaten in der Schweiz) ging hingegen zurück (–3,4%).

Erwerbslosigkeit in der Schweiz und in Europa
Im 1. Quartal 2020 waren in der Schweiz gemäss Definition des ILO 222 000 Personen erwerbslos. Das sind 21 000 weniger als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung lag bei 4,5% und damit tiefer als im entsprechenden Vorjahresquartal (4,9%). Saisonbereinigt nahm die Erwerbslosenquote gegenüber dem vorangehenden Quartal geringfügig von 4,1% auf 4,2% zu. Zwischen dem 1. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 ging die Erwerbslosenquote sowohl in der Europäischen Union (EU: von 7,2% auf 6,8%) als auch in der Eurozone (EZ19: von 8,1% auf 7,6%) zurück.

Jugenderwerbslosigkeit
In der Schweiz blieb die Jugenderwerbslosenquote (15- bis 24-Jährige) gemäss ILO zwischen dem 1. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 unverändert bei 7,2%. Im selben Zeitraum hat sich die Jugenderwerbslosenquote sowohl in der Europäischen Union (EU: von 15,9% auf 15,3%) als auch in der Eurozone (EZ19: von 16,5% auf 15,9%) verringert.

Erwerbslosigkeit nach verschiedenen Merkmalen
Die Erwerbslosenquote gemäss ILO sank zwischen dem 1. Quartal 2019 und dem 1. Quartal 2020 bei den 25- bis 49-Jährigen (von 4,9% auf 4,3%) wie auch bei den 50- bis 64-Jährigen (von 4,6% auf 4,1%). Bei den Männern war sie stabil (4,5% gegenüber 4,4%), bei den Frauen rückläufig (von 5,4% auf 4,6%). Bei Personen ohne nachobligatorische Ausbildung nahm die Erwerbslosenquote stark ab (von 9,7% auf 7,5%), bei Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II blieb sie unverändert (4,6%) und bei Personen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe verringerte sie sich von 3,8% auf 3,4%. Im gleichen Zeitraum ging die Erwerbslosenquote bei den Schweizerinnen und Schweizern von 3,6% auf 3,4% und bei den Ausländerinnen und Ausländern von 8,6% auf 7,5% zurück. Im 1. Quartal 2020 lag die Erwerbslosenquote gemäss ILO bei den EU-/EFTA-/UK-Staatsangehörigen bei 5,5% und bei den Staatsangehörigen aus Drittländern bei 12,6%.

Teilzeitarbeit und Unterbeschäftigung
Die Zahl der Teilzeiterwerbstätigen belief sich im 1. Quartal 2020 auf 1,744 Millionen, das sind 0,3% weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen wuchs bei den Männern um 0,2 Prozentpunkte (von 17,7% auf 17,9%), während er bei den Frauen um 1,1 Prozentpunkte von 60,0% auf 58,9% sank. Unter den Teilzeiterwerbstätigen befanden sich 346 000 Unterbeschäftigte, d.h. Personen, die mehr arbeiten möchten und kurzfristig verfügbar sind. Die Unterbeschäftigungsquote lag im 1. Quartal 2020 wie schon im 1. Quartal 2019 bei insgesamt 7,0%. Bei den Männern erreichte sie 3,7%, bei den Frauen 10,8%.

Geschätzte Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Arbeitszeit
Am 16. März 2020 wurden die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung verschärft. Eine erste Schätzung zu den Auswirkungen dieses Beschlusses auf die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit zeigt, dass diese in den beiden letzten Quartalswochen im Vergleich zu den elf vorgehenden Wochen um 5,1% zurückgegangen ist. Bei den Selbstständigerwerbenden (–6,9%) ist dieser Rückgang ausgeprägter als bei den Arbeitnehmenden (–4,7%). Dass die Arbeitszeit nicht stärker gesunken ist, liegt daran, dass in den ersten elf Quartalswochen 8,0% der Erwerbstätigen ferienbedingt während einer ganzen Woche abwesend waren, in den letzten beiden Quartalswochen nur noch 2,1%. Der Ferienrückgang in den beiden letzten Märzwochen ist nichts Ungewöhnliches, fiel aber im 1. Quartal 2020 deutlich stärker aus als im entsprechenden Vorjahresquartal (von 7,5% in den ersten elf Wochen auf 4,0% in den beiden letzten Wochen). (BFS/mc/ps)

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