Bakbasel rechnet bei Bruch der Eurozone mit schwerer Rezession

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Basel – Tritt nur Griechenland aus der Eurozone aus, käme die Schweiz «glimpflich davon», prophezeit das Wirtschaftsinformationsinstitut Bakbasel. Kommt es zu einem Dominoeffekt und dem Auseinanderbrechen der Eurozone, muss die Schweiz mit einer schweren Rezession rechnen.

Für die Griechen wäre es fatal: Die Rückkehr zur Drachme bringt Inflation, Kaufkraftverlust und massive Verwerfungen im griechischen Bankensystem. Die Parlamentswahlen am Sonntag werden wegweisend sein, ob Griechenland den Euro behält oder nicht. Europa und auch die Schweiz aber könnten ein Austreten Griechenlands aus der Währungsunion verkraften.

Zu diesem Schluss kommt Bakbasel. In einem am Freitag publizierten Bericht hat das Institut mögliche Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone oder gar einem Zusammenbruch der Währungsgemeinschaft für die Schweizer Wirtschaft durchgerechnet.

Griechischer Zahlungsausfall für die Schweiz verkraftbar
Griechenlands Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) der Eurozone beträgt nur gerade 2%. Auch für die Schweiz wäre ein Zahlungsausfall Griechenlands verkraftbar – zumindest was die direkten Kosten angeht. «Die Schweizer Exportbranchen sind von der griechischen Entwicklung nur geringfügig tangiert», schreiben die Wirtschaftsexperten. Die Ausfuhren nach Griechenland machen 0,6% der Exporte aus.

Nachfrage stark gebremst
Die indirekten Folgen und Zweitrundeneffekte eines Austritts Griechenlands seien weit gewichtiger. So müsse insbesondere mit einer Verschlechterung der Auftragslage gerechnet werden, da die Wachstumsdelle in der Eurozone die Nachfrage nach Schweizer Gütern bremse. Doch auch der Konsum sowie die Investitionsbereitschaft würden abnehmen.

Im ersten Jahr prophezeien die Wirtschaftsauguren einen Rückgang des BIP von 1,1 Prozentpunkten im Vergleich zu einer Entwicklung ohne Griechenland-Austritt. Als Beispiel: Bakbasel ging für das kommende Jahr von einem Wachstum von 1,6% aus. Demnach würde die Schweizer Wirtschaft nur noch um 0,5% wachsen.

Flächenbrand wäre verheerend
Fangen indes auch die Krisenländer Portugal, Italien, Irland und Spanien Feuer und müssen den Währungsverbund verlassen, wird die wirtschaftliche Situation auch für die Schweiz prekär. In diesem Fall drohe der Schweiz eine schwere Rezession, hält Bakbasel fest. Diese könne über zwei Jahre anhalten. Gemäss den Berechnungen der Experten würde das Schweizer Bruttoinlandprodukt pro Jahr um 4 Prozentpunkte tiefer ausfallen. Insbesondere dem Aussenhandel würde der Nährboden entzogen, da die Nachfrage der fünf austretenden Krisenländer massiv einbrechen würde. Deren Anteil an den Schweizer Exporten beträgt immerhin 14%.

Weil die Krise aber auch auf wichtige Handelspartner wie Deutschland übergreifen würde, ginge die Nachfrage auch dort spürbar zurück. Immerhin: Von einem globalen Zusammenbruch der Handelsketten sei nicht auszugehen. Das habe eine gewisse stabilisierende Wirkung. Insgesamt gehen die Experten aber bei einem Zerfall der Eurozone in den ersten beiden Jahren von einen kumulierten Exportrückgang von über 10 Prozentpunkten aus.

Auch nach vier Jahren kaum Wachstum
Die Wirtschaft würde sich erst wieder nach drei Jahren erholen. Im Jahr vier nach dem Wirtschaftsschock läge dass Niveau der gesamtwirtschaftlichen Leistung aber immer noch rund 4% tiefer. Dies lässt die Ökonomen von Bakbasel ein düsteres Fazit ziehen: «Selbst bei günstigen Annahmen wären die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen massiv.» (awp/mc/pg)

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