BIP wächst im ersten Quartal 2016 nur leicht

Rezession
(Foto: Valerie Potapova - Fotolia)

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Zürich – Gemischte Signale von der Schweizer Wirtschaft: Im ersten Quartal ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) nur minimal gewachsen, was für Analysten eine leise Enttäuschung ist. Auf der anderen Seite deuten die neusten Frühindikatoren und eine neue BIP-Prognose auf eine positive Entwicklung in den nächsten Monaten hin.

Das Schweizer BIP legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal real lediglich um 0,1% zu. Experten hatten mit Wachstumsraten von bis zu 0,4% gerechnet. Auch im Vorjahresvergleich fiel das Plus mit 0,7% unter den Erwartungen aus. Die Zahlen zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft „noch nicht vom Fleck gekommen ist“, schreiben die Ökonomen des Prognoseinstituts BAKBasel am Mittwoch. Das starke Wachstum in der Eurozone und die zuletzt verbesserten Stimmungsindikatoren hätten Hoffnungen auf einen schwungvolleren Jahresstart geweckt.

Die Dynamik der Schweizer Wirtschaft bleibe hinter jener der Nachbarländer zurück, heisst es auch in einer Einschätzung von Safra Sarasin. Der zuständige Analyst führt dies unter anderem auf die Wechselkurse zurück. „Der starke Franken drückt nach wie vor die Export-Performance und erklärt die Entkopplung von der deutschen und europäischen Wachstumsdynamik.“ Er liest aus den Zahlen zudem heraus, dass der Anpassungsprozess an die neue Wechselkursrealität noch nicht abgeschlossen ist.

Konsum als Stütze
Unisono positiv gewürdigt wird auf der anderen Seite die Entwicklung der Konsumausgaben, die gegenüber dem Vorquartal um 0,7% zunahmen. Im letzten Jahr waren in allen Quartalen noch tiefere Wachstumsraten verzeichnet worden. Das Konsum-Plus sei breit abgestützt, hiess es in der Mitteilung des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco). Haupttreiber seien die Bereiche Gesundheit sowie Wohnen und Energie gewesen, rückläufig hätten sich die Ausgaben für Bekleidung und Schuhe entwickelt.

Zum leicht höheren BIP trugen ausserdem die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen bei, die gegenüber dem Vorquartal um 2,1% und 1,1% zulegten. Gemäss der Statistik des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV), die gleichentags publiziert wurde, stieg der Branchenumsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 9,2%.

Die BAKBasel-Ökonomen schränken die Zunahmen bei den Ausrüstungs- und Bauinvestitionen jedoch stark ein: Diese seien eine Folge von Sondereffekten wie Flugzeugimporten und dem guten Bauwetter gewesen. Insgesamt seien die Investitionen „schwach“ ausgefallen. Dies und der Lagerabbau deute darauf hin, dass die Unternehmen weiterhin sehr vorsichtig agierten.

Eindeutig rückläufig war der Staatskonsum (-0,8%), nachdem in dieser Kategorie in den Vorquartalen noch Pluswerte verzeichnet worden waren. Allerdings war diese Rubrik auch im ersten Quartal des Vorjahres rückläufig gewesen – wenn auch weniger stark.

Frühindikatoren stimmen optimistisch
Die Analysten der IG Bank relativieren das geringe Wachstum über alles gesehen. Sie verweisen auf diverse Spezialeffekte. So hätten insbesondere die Banken ein schwieriges Quartal hinter sich und die Hotellerie habe unter dem Schneemangel gelitten. Wichtiger als die zurückblickenden BIP-Zahlen seien ohnehin vorausschauende Indikatoren, heisst es weiter.

Dabei stimmt Analysten der neuste Einkaufsmanagerindex (PMI) optimistisch, der ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurde und die Erwartungen der Ökonomen übertraf. Er ist im Mai saisonbereinigt auf 55,8 Punkte gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Februar 2014, wie die Credit Suisse mitteilte. Die Grossbank gibt den Index zusammen mit dem Fachverband für Einkauf und Supply Management „procure.ch“ heraus. Werte von über 50 Punkten deuten auf Wachstum hin.

Die CS-Ökonomen bewerten vor allem den Aufwärtstrend bei den Unterkomponenten „Einkaufsmenge“ und „Lager Einkauf“ positiv. Offenbar stockten die Unternehmen ihre Vorproduktelager verbreitet auf, heisst es dazu. Dies sei ein Indiz, dass die Unternehmen eine weitere Steigerung der Produktion erwarten. Entsprechend habe sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt aufgehellt: Erstmals seit November 2014 wurde der Personalbestand laut der Umfrage nicht verringert. Das Fazit der CS-Experten strotzt denn auch vor Zuversicht: Die Industrie rüste sich für den Boom. (awp/mc/pg)

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