BKW: Gewinn bricht um ein Drittel ein

Kurt Rohrbach
VSE-Präsident Kurt Rohrbach.

BKW-CEO Kurt Rohrbach.

Bern – Der Energieversorger BKW hat im ersten Halbjahr sowohl einen Umsatz- als auch einen Ergebnisrückgang hinnehmen müssen. Das Marktumfeld war schwierig und zudem hatten Sondereffekte die Geschäftsentwicklung negativ beeinflusst. Unmittelbar nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima in Japan und der damit verbundenen Neuausrichtung in der Schweizer Energiepolitik, hat die BKW damit begonnen, ihre Strategie zu überprüfen. Das Unternehmen will die Kosten senken und rechnet dabei mit einem Stellenabbau.

Im ersten Halbjahr 2011 ist die konsolidierte Gesamtleistung um 2,1% auf 1,34 Mrd CHF und der Umsatz um 2,8% auf 1,29 Mrd zurückgegangen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Während das Geschäftssegment Energie Schweiz einen Umsatzanstieg von 8,0% verzeichnete, ging dieser im Segment Energie International und Handel um 2,0% zurück. Das Geschäftssegment Netze steigerte den Umsatz um 3,8%. Der Aufwand für die Energiebeschaffung reduzierte sich derweil um 2,2% auf 733 Mio CHF.

EBIT sinkt um 25% auf 142 Mio CHF
Der Betriebsgewinn (EBITDA) reduzierte sich deutlich um 14% auf 221 Mio CHF und der EBIT gar um 25% auf 142 Mio. Allerdings sei die Rechnung im Vorjahr durch die Auflösung von Rückstellungen für belastende Verträge in der Energiebeschaffung im Umfang von 28,9 Mio begünstigt gewesen. Ohne diesen Effekt wären der EBITDA um lediglich 3,5% und der EBIT um 12% zurückgegangen. Zudem musste die BKW im laufenden Jahr wegen der Sistierung der Rahmenbewilligungsgesuche für neue Kernkraftwerke Abschreibungen in der Höhe von 14 Mio vornehmen.

«Unbefriedigendes» Resultat
Das Finanzergebnis reduzierte sich um 16,6 Mio und fiel mit 43,1 Mio negativ aus. Die rückläufigen Aktienmärkte und höhere Zinskosten hätten belastet, so die BKW. Unter dem Strich sank der Reingewinn um 33% auf 90,5 Mio CHF. Die BKW habe in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld ein «unbefriedigendes» Resultat erzielt, schreibt die BKW weiter. Das Ergebnis sei durch tiefe Energiepreise, die rückläufige Entwicklung an den Aktienmärkten, vom tiefen Euro-Kurs sowie von den Ereignissen in Japan geprägt gewesen.

Elektrizitätsabsatz leicht rückläufig
Insgesamt ging der Elektrizitätsabsatz um 1,5% auf 10’716 GWh nur geringfügig zurück. Der Stromabsatz im Vertrieb Schweiz reduzierte sich aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen um 1,8% auf 4’138 GWh. Im Stromhandelsgeschäft erhöhte sich der Absatz um 3,7% auf 5’475 GWh, im Vertrieb International ging er um 12% auf 804 GWh zurück. Gleichzeitig konnte die BKW die Stromproduktion um 466 GWh auf 5’561 GWh erhöhen. Die Zunahme führt der Konzern auf die höhere Produktion im Gaskombikraftwerk im italienischen Livorno Ferraris zurück. Weiter sei die BKW bestrebt, das Kernkraft in Mühleberg zu betreiben, bis das Ende der Betriebsdauer ab 2020 absehbar werde und solange die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden könnten. Die BKW investiere daher in entsprechende Nachrüstungen.

Gesamtjahr: Umsatz auf Vorjahreshöhe erwartet
Im laufenden Jahr rechnet die Gruppe mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Das Ergebnis werde in der zweiten Jahreshälfte jedoch deutlich schwächer ausfallen als im ersten Halbjahr, warnt die BWK. Gründe dafür seien die tiefen Energiepreise, der länger als vorgesehene Produktionsunterbruch in Mühleberg oder auch der starke Franken. Daher dürfte der EBITDA um den Sondereffekt aus dem Vorjahr bereinigt deutlich unter Vorjahr liegen. Die ungünstige Entwicklung an den Finanzmärkten drücke zudem weiter auf das Finanzergebnis und so sei auch mit einem «markant» tieferen Reingewinn zu rechnen.

Mit Stellenabbau zu rechnen»
Nach den Ereignissen in Japan in diesem Frühling habe die BKW eine umfassende Überprüfung der Unternehmensstrategie eingeleitet. Die Ergebnisse der Arbeiten will der Energiedienstleister nicht vor der Generalversammlung 2012 veröffentlichen. Zur Steigerung der Ertragskraft seien Kostensenkungsprogramme in Erarbeitung, welche mittelfristig eine Reduktion der beeinflussbaren Kosten um rund 15% zum Ziel haben. Mit einem Stellenabbau sei zu rechnen, so die BKW. Dieser könne aber heute noch nicht beziffert werden.

Im vierten Quartal wird die BKW wie angekündigt die neue Holdingstruktur in Form eines Aktientausch von Aktien der BKW FMB Energie AG in Titel der neuen Holdinggesellschaft BKW AG einführen. Das Umtauschverhältnis betrage 1:1.  (awp/mc/upd/ps)

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