Bobst zieht Jahresprognose zurück

Jean-Pascal Bobst
Bobst-CEO Jean-Pascal Bobst. (Foto: Bobst)

Mex – Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst setzt wegen der Coronakrise seinen Jahresausblick aus. Angesichts der gegenwärtigen Unsicherheiten auf dem Weltmarkt könne die Finanzprognose für das Jahr 2020 nicht beibehalten werden, teilte die Westschweizer Gesellschaft am Montag mit.

Weitere Informationen würden mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 27. Juli 2020 bekanntgegeben.

«Die neue geschäftliche Realität» habe Bobst dazu gezwungen, die Kosten, die Prioritäten bei Projekten und Investitionen für 2020 sowie für die kommenden Jahre neu zu bewerten. Alle Möglichkeiten staatlicher Fördermassnahmen – wie beispielsweise Kurzarbeit für einen Teil der Mitarbeiter in Deutschland, Italien, Frankreich und in der Schweiz – würden genutzt.

Anfang März hatte Bobst Prognosen vom Januar bestätigt: Die Gruppe rechnete für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang von 6 Prozent und einer erneut tieferen operativen Gewinnmarge (EBIT). Denn die «Drupa», die wichtigste Messe der Druck- und Verpackungsbranche, werde die Marketing-Kosten in die Höhe treiben, hiess es damals.

Die weltgrösste Fachmesse, die alle vier Jahre stattfindet, wurde nun von Juni 2020 auf April 2021 verschoben, wie Bobst am Montag schrieb. Man wolle aber online über neue Lösungen und Produkte informieren.

Produktion wird schrittweise hochgefahren
Die Gruppe müsse wegen der Unsicherheit am Markt – wie viele andere Unternehmen – einen Auftragsrückgang hinnehmen. Gleichzeitig gehörten die wichtigsten Branchen, die Bobst bedient, wie die Lebensmittel- und Pharmaindustrie oder generell der Online-Handel, im derzeitigen Umfeld zu den wesentlichen Branchen. Einige der Kunden verzeichneten also einen starken Nachfrageanstieg, während andere Branchensegmente negativ betroffen seien (unter anderem Elektronik, Kosmetik, Autoersatzteile). Insbesondere die Reisebeschränkungen machten Bobst zu schaffen.

Die Ausbreitung des Coronavirus habe in den letzten Wochen in den globalen Lieferketten zu beträchtlichen Störungen geführt und das internationale Handels- und Dienstleistungsgeschäft beeinträchtigt, hiess es weiter. Am 23. März hatte Bobst kommuniziert, die Produktion an mehreren Standorten auf ein Minimum zurückzufahren. Seit dem 20. April sei der Betrieb nun schrittweise wieder hochgefahren worden.

Die Betriebe in China, die im Februar geschlossen wurden, waren dann auch die ersten, die Anfang März wieder öffneten, so Bobst. In Frankreich und Indien sei später gestartet worden.

Man ergreife zudem alle Massnahmen, «um liquide Mittel zu sichern, Lagerbestände zu verwalten, langfristige Investitionen aufrechtzuerhalten und neue Geschäftsfelder zu erschliessen, um die Auswirkungen auf den Umsatz so gering wie möglich zu halten». Eine solide Liquidität und gesunde Bilanzstruktur ermöglichten es, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und die verschiedenen Investitionen zu tätigen, die für die Entwicklung der mittel- bis langfristigen Strategie erforderlich seien.

Die Mittel- und Langfristziele von Bobst sehen eine EBIT-Marge vor von mindestens 8 Prozent sowie eine Kapitalrendite (ROCE) von mindestens 20 Prozent. Das Umsatzziel wurde zuletzt auf 1,7 bis 1,8 Milliarden Franken festgelegt. 2019 machte Bobst einen Umsatz von 1,64 Milliarden Franken. (awp/mc/ps)

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