Bucher erwartet nach schlechtem Halbjahr keine rasche Erholung

Jacques Sanche
Jacques Sanche, CEO Bucher Industries. (Foto: Bucher)

Niederweningen – Bucher Industries hat die Coronakrise wie erwartet stark zu spüren bekommen. Umsatz und Gewinn gingen im ersten Halbjahr markant zurück. Eine rasche Erholung ist nicht in Sicht.

Die Corona-Lockdowns hätten zu «starken operativen Einschränkungen» geführt, teilte Bucher am Donnerstag mit. An mehreren Standorten sei die Produktion zeitweilig heruntergefahren worden, und einige Fabriken hätten vorübergehend sogar ganz geschlossen werden müssen. Zudem seien Projekte verschoben worden, und es seien Probleme in den Lieferketten aufgetaucht. Und zu guter Letzt habe es auch noch Gegenwind vom stärker gewordenen Franken gegeben.

Umsatz 18% und Auftragseingang 20% hinter den Vorjahreswerten
Konkret sank der Umsatz zwischen Januar und Juni um gut 18 Prozent auf 1,36 Milliarden Franken und der Auftragseingang um gut 20 Prozent auf 1,15 Milliarden. Das Betriebsergebnis (EBIT) verringerte sich in der Folge um 39 Prozent auf 94 Millionen und die entsprechende Marge auf 7,0 von 9,3 Prozent. Der Reingewinn brach gar um 44 Prozent auf 68 Millionen ein.

Die schlechteren Semesterresultate sind keine Überraschung. Analysten hatten im Vorfeld mit Rückgängen auf allen Stufen gerechnet. Die vorgelegten Zahlen kommen nun aber vor allem bei den Gewinnzahlen über dem AWP-Konsens zu liegen.

«Unverzüglich» reagiert
Bucher habe zur Sicherstellung der Liquidität und Rentabilität «unverzüglich» Massnahmen initiiert, hiess es zur Begründung. Man habe in verschiedenen Ländern Kurzarbeit geleistet.

Zudem sei der Fokus verstärkt auf das Management des Umlaufvermögens gelegt worden. Auch seien Projekte verschoben und Kreditlinien erhöht worden. In der Folge sei die Nettoliquidität deutlich angestiegen, wurde betont.

Divisionen unterschiedlich tangiert
Die verschiedenen Divisionen litten unterschiedlich stark unter den Pandemiefolgen. Die markantesten Umsatzeinbussen vermelden die Glasmaschinentochter Emhart Glass (-31%), der Industriezulieferer Hydraulics (-24%) und die Gemeindefahrzeugsparte Municipal (-17%).

Etwas glimpflicher kam die Landmaschinensparte Kuhn Group (-14%) weg, welche die grösste Division des Konzerns ist, sowie die Sparte Specials (-5,6%).

Die EBIT-Margen gingen in allen Bereichen zurück, zum Teil aber nur geringfügig. So verringerte sie sich zum Beispiel bei der Kuhn Group nur auf 8,8 von 9,2 Prozent.

Gewinnausblick präzisiert
Für den weiteren Jahresverlauf erwartet Bucher nur eine schrittweise und keine rasche Erholung. Der Konzern geht davon aus, dass der Umsatz im Gesamtjahr in der Grössenordnung des ersten Halbjahrs zurückgehen wird.

Die Betriebsgewinnmarge wird nun im mittleren einstelligen Bereich erwartet, nachdem bislang ein Wert im tiefen bis mittleren einstelligen Bereich angepeilt wurde. Unter dem Strich soll ein «entsprechendes Konzernergebnis» resultieren.

Bei den einzelnen Divisionen wird der Kuhn Group im Gesamtjahr ein Umsatzrückgang im Rahmen des ersten Semesters erwartet, jedoch wegen der Saisonalität eine tiefere Betriebsgewinnmarge. Eine gewisse Umsatzerholung zeichne sich hingegen bei den beiden Sparten Municipal und Emhart Glass ab.

Eine Annahme für diesen Ausblick sei, dass alle Produktionsstandorte operativ seien. Dies war laut den Angaben Ende Juni der Fall, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Deutlich abgenommen hat auch die Zahl der Vollzeitstellen in Kurzarbeit. Sie reduzierte sich auf 400 per Ende Juni von 1’800 Ende April. (awp/mc/pg)

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