Bundesökonomen erwarten drastischen BIP-Rückgang in der Schweiz

Coronavirus
(Adobe Stock)

Bern – Das Coronavirus wird die Schweizer Wirtschaft sehr hart treffen. Die Ökonomen des Bundes rechnen mit dem stärksten Rückgang seit der Ölkrise Mitte der 70er-Jahre.

Konkret schätzt die Expertengruppe des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), dass das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 6,7 Prozent schrumpfen wird. Bei ihrer letzten Einschätzung vor fünf Wochen war sie noch von einem Rückgang von 1,3 Prozent ausgegangen.

Und 2021 dürfte sich die Wirtschaft nur langsam erholen. Das unterstellte Wachstum von 5,6 Prozent entspreche einem relativ geringen Anstieg, erklärte das Seco am Donnerstag in einem Communiqué.

Denn die Schweizer Wirtschaft werde von einem tieferen Stand aus starten. Ende 2021 werde die Schweizer Wirtschaft also ihr Niveau von 2019 noch nicht erreicht haben.

Bereinigt um Sportevents würde die die Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr übrigens nur um 5,2 Prozent wachsen.

Am Arbeitsmarkt wird die Krise ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen: Die durchschnittliche Arbeitslosenquote dürfte von 3,9 Prozent im laufenden Jahr auf 4,1 Prozent in 2021 ansteigen. Zum Vergleich: 2019 lag die Arbeitslosenquote im Jahresmittel bei 2,3 Prozent.

Privater Konsum bricht weg
Insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2020 sei mit einem sehr starken Rückgang des BIP zu rechnen, erklärten die Seco-Ökonomen. Denn die einschneidenden Massnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie hätten zu einem abrupten Rückgang der Produktion und des Privatkonsums geführt.

Das Seco denkt daher, dass der private Konsum im laufenden Jahr um 7,5 Prozent zurückgehen und damit stärker als das BIP schrumpfen wird. Zu Zeiten der Finanzkrise 2009 hatten ausgabefreudige Konsumenten noch dafür gesorgt, dass die Wirtschaftsleistung nicht noch stärker abgerutscht war.

Heute aber hätten Herr und Frau Schweizer das Portemonnaie weniger locker in der Hand. Nicht erstaunlich angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen. Und wer in Kurzarbeit ist, hat auch weniger Geld am Ende des Monats übrig. Zudem dürften die Vorsichtsmassnahmen, um Ansteckungen zu vermeiden, die Konsumneigung ebenfalls dämpfen, erklärte das Seco.

Export bricht ein
Gleichzeitig habe sich auch die internationale Lage rapide verschlechtert und internationale Lieferketten wurden durcheinandergewirbelt. Die Exporte von Schweizer Firmen werden daher laut den Seco-Schätzungen dieses Jahr um satte 10,7 Prozent einbrechen.

Die Produktionskapazitäten hierzulande werden also eine ganze Weile bei weitem nicht ausgelastet sein. Die Unternehmen würden wegen der Unsicherheit auch deutlich weniger investieren (Ausrüstungsinvestitionen: -16%). Einzig die Staatsausgaben werden in diesem Jahr um geschätzte 2 Prozent steigen.

Hohe Prognoseunsicherheit
Die Unsicherheit der Prognosen ist ausserordentlich gross, betonen die Seco-Ökonomen. Vieles hänge davon ab, wie lange die Eindämmungsmassnahmen im In- und Ausland bestehen blieben. Würden diese zum Beispiel ab Ende Mai vollständig aufgehoben, dann würde sich die Schweizer Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2020 zügig erholen.

In einem anderen Szenario rechnet das Seco erst mit einer schrittweisen Lockerung der Massnahmen ab Juni und darüber hinaus mit ökonomischen Zweitrundeneffekten. Dazu zählten Entlassungswellen, Insolvenzen oder Kreditausfälle in grosser Zahl. Dann würde die Erholung schwach ausfallen.

Die aktuelle Prognose unterstelle nun eine Entwicklung, die zwischen diesen beiden Szenarien liege. Die schnelle Wiederbelebung der Schweiz Konjunktur bereits ab dem zweiten Semester 2020 ist also noch nicht in Stein gemeisselt. (awp/mc/ps)

Seco

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