Schweizer Wirtschaft erholt sich laut Bundesökonomen etwas weniger schwungvoll

Konjunktur
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Bern – Die Schweizer Wirtschaft erholt sich weiter von der Coronakrise. Der Aufschwung dürfte laut den Ökonomen des Bundes im laufenden Jahr aber nicht gar so schwungvoll ausfallen wie bislang erwartet.

Konkret rechnet die Expertengruppe des Bundes für 2021 mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Vor drei Monaten hatte die Prognose noch auf plus 3,8 Prozent gelautet.

Ähnlich ist die Revision beim um Sportgrossanlässe bereinigten BIP, bei dem für 2021 nun mit einem Plus von 3,2 Prozent gerechnet wird. Weil Sportverbände wie Fifa, Uefa oder IOC ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, wirken sich grosse Sportereignisse wegen der hohen Lizenzeinnahmen auf das hiesige BIP aus.

Trotz der Revision setze sich die Erholung der Schweizer Wirtschaft von der Coronakrise fort, schrieb das Seco. «Die Schweizer Wirtschaft wird 2021 überdurchschnittlich stark wachsen», sagte der Seco-Konjunkturverantwortliche Ronald Indergand der Nachrichtenagentur AWP.

Zum Vergleich: Seit 1980 wuchs die Schweizer Wirtschaft im Durchschnitt jährlich mit 1,7 Prozent. Im Coronajahr 2020 hatte jedoch ein Rückgang von 2,4 Prozent resultiert.

Delta bremst
Ein Grund für die tiefere Prognose für das laufende Jahr ist der Gang der Weltwirtschaft. So treffen die aktuellen Lieferengpässe laut Indergand auch Schweizer Firmen. Und auch die Lockdowns in Asien wegen der grassierenden Deltavariante blieben nicht ohne Folgen.

Ein weiterer Grund ist laut Indergand statistischer Natur. So war der Einbruch der Wirtschaft im letzten Jahr laut den neusten Daten nicht so ausgeprägt wie zunächst vermutet. Entsprechend sei nun das Aufholpotenzial geringer. Dies zeigt sich insbesondere beim privaten Konsum, bei dem nur noch mit einem Wachstum von 2,6 statt 3,9 Prozent gerechnet wird.

Gespartes noch nicht ausgegeben
«Gerade beim Konsum gibt es aber noch Potenzial», so Indergand. Das Vorkrisenniveau sei noch nicht erreicht. «Viele Haushalte haben in der Krise gespart und dieses Geld noch nicht ausgegeben.» Entsprechend werde für 2022 mit einem höheren Wachstum von 4,2 Prozent gerechnet.

Auch insgesamt wird für 2022 ein leicht höheres BIP-Wachstum von 3,6 nach zuvor 3,5 Prozent prognostiziert. Für das sportevent-bereinigte BIP lautet die Prognose auf 3,4 Prozent.

Prognose für Arbeitslosenquote gesenkt
Leicht angepasst hat das Seco auch die Prognosen für die Arbeitslosenquote. Im Jahresdurchschnitt 2021 dürfte diese auf 3,0 Prozent sinken (3,1%), 2022 dann auf 2,7 Prozent (2,8%).

Bei der Inflation werden hingegen höhere Werte erwartet. So sei beim Landesindex der Konsumentenpreise 2021 mit einem Plus von 0,5 Prozent (0,4%) und 2022 von 0,8 Prozent (0,5%) zu rechnen. Gründe sind laut Indergand Preisdruck infolge der Lieferkettenprobleme. Zudem sei der Ölpreis zuletzt gestiegen.

«Hier rechnen wir nicht mit einer Umkehr», so der Seco-Beamte. Er betonte jedoch, dass die Inflation im internationalen Vergleich auch mit den höheren prognostizierten Werten auf tiefem Niveau bleibe. Der international teilweise starke Inflationsdruck dürfte zudem vorübergehend sein.

Neue Mutationen als Risiko
Wie immer weist das Seco auf die Risiken für seine Prognosen hin. «Und diese sind noch etwas gestiegen», so Indergand. So würden weitere und vor allem gefährlichere Virus-Varianten die Prognosen über den Haufen werfen.

Auch die gestiegene Verschuldung vieler Staaten und Unternehmen in der Krise sei langfristig ein Risiko. «Das wird uns noch beschäftigen», meint Indergand. (awp/mc/ps)

Seco

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