Die Schweiz baut Führung bei den Technologien der Zukunft weiter aus
Zürich – Laut dem Swiss Deep Tech Report 2026 fliesst mehr als die Hälfte der Schweizer Risikokapital-Investitionen in Zukunftstechnologien – kein anderes Land weltweit erreicht diesen Wert. Auch bei den Pro-Kopf-Investitionen belegt das Land die europäische Spitzenposition, während die ETH Zürich und die EPFL ihre Vormachtstellung bei den universitären Ausgründungen behaupten.
Kein Land der Welt investiert anteilsmässig mehr Risikokapital in wirtschaftlich relevante Schlüsseltechnologien wie Robotik, künstliche Intelligenz oder Biotech als die Schweiz. 63 Prozent aller hiesigen Venture-Capital-Investitionen fliessen in sogenannte Deep-Tech-Unternehmen – mehr als in China oder den USA und fast doppelt so viel wie in Deutschland oder Grossbritannien. Das zeigt der Swiss Deep Tech Report 2026, der heute von Deep Tech Nation Switzerland gemeinsam mit Founderful, Kickfund, Startupticker.ch und Dealroom.co veröffentlicht wird.
Die Schweiz gehört damit zu den wenigen Ländern weltweit, in denen Zukunfts-technologien auf absolutem Spitzenniveau erforscht und vermarktet werden. Und das Kapital folgt: Gemessen an der Bevölkerungsgrösse werden hier 1’470 Dollar (1’175 CHF) pro Kopf in Deep Tech investiert, das ist Platz 1 in Europa und zusammen mit Israel und USA global führend. Seit 2015 hat sich das Investitionsvolumen fast verfünffacht auf 2,6 Milliarden Dollar.
Dazu meint Joanne Sieber, CEO Deep Tech Nation Switzerland: „Die Schweiz hat bewiesen, dass man kein grosses Land sein muss, um in den Technologien der Zukunft weltweit vorne dabei zu sein. Jetzt geht es darum, diesen Vorsprung in globale Marktführer zu verwandeln.“
Globale Spitzenposition – und der Trend beschleunigt sich
Laut Report verändert sich das Schweizer Ökosystem gerade grundlegend: Deep-Tech-Unternehmen bleiben zunehmend im Land, skalieren von hier aus und ziehen damit auch internationale Investoren direkt an. Wer früher überzeugt werden musste, die Schweiz überhaupt in Betracht zu ziehen, kommt heute von sich aus. Gründerinnen und Gründer, die im Ausland bereits erfolgreich Exits realisiert haben, kehren zurück, um hier neu anzufangen.
Alex Stöckl, Partner bei Founderful und Co-Autor des Reports, sagt dazu: „Seit unserem Start im Jahr 2019 haben wir noch nie eine so hohe Dichte an ambitionierten Unternehmern erlebt, die global relevante technische Probleme lösen. Das Tempo dieser Gründerteams erinnert an San Francisco oder Israel. Ich bin sicher, dass Zürich im kommenden Jahrzehnt die Heimat von mindestens einem Dutzend globaler Marktführer sein wird.“
ETH Zürich und EPFL treiben das Wachstum
Hinter diesen Zahlen steht eine strukturelle Stärke: die ETH in Zürich und die EPFL in Lausanne zählen zu den forschungsintensivsten Hochschulen Europas und gehören zu den produktivsten Quellen für Deep Tech Spin-offs auf dem Kontinent.
Anna Fontcuberta i Morral, Präsidentin der EPFL, betont: „An der EPFL erleben wir das jeden Tag: Die Entdeckungen aus unseren Laboratorien werden zu den Deep-Tech-Unternehmen von morgen.“
Seit 2023 haben die beiden Hochschulen ihren Vorsprung gegenüber europäischen Mitbewerbern weiter ausgebaut. Genau diese Generation an Startups steht jetzt an dem Punkt, an dem Unternehmen erfahrungsgemäss am schnellsten wachsen – kurz nach der ersten grossen Finanzierungsrunde.
Alpine Tech Cluster: Zürich, Basel und Lausanne im Zentrum
Die Schweiz ist Teil eines der beiden grossen europäischen Deep Tech-Cluster. Der sogenannte Alpine Tech Cluster – mit Zürich, Lausanne und Basel als Kernstandorten, ergänzt durch München – zählt über 1’500 venture-finanzierte Deep-Tech-Startups. Damit steht er neben dem Cluster London–Paris als eine von nur zwei europäischen Regionen, die im globalen Vergleich wettbewerbsfähig sind. Für die Schweizer Wirtschaft ist diese Einbettung bedeutsam: Der Cluster schafft Synergien mit dem bestehenden Industrie- und Forschungsstandort und stärkt die Ansiedlung internationaler Technologieunternehmen.
Wachstumsfelder: KI und Robotik
Besonders auffällig ist die Verschiebung innerhalb des Ökosystems: Jedes vierte neu gegründete Schweizer Deep-Tech-Unternehmen ist heute im Bereich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen tätig – mehr als doppelt so viele wie noch vor einigen Jahren. Im Bereich Robotik hat sich der Anteil fast verdoppelt. Die Schweiz wächst damit genau in den Sektoren, die global am stärksten kapitalisiert werden und wo die zukunftssicheren Arbeitsplätze von morgen geschaffen werden.
Schweizer Investoren fehlen in der Wachstumsphase
Der Report benennt auch eine strukturelle Schwäche: Bei Finanzierungsrunden zwischen 15 und 100 Millionen Dollar stammen 82 Prozent des Kapitals aus dem Ausland – gegenüber 60 Prozent im europäischen Durchschnitt. Institutionelle Schweizer Investoren wie Pensionskassen sind in der Wachstumsphase kaum vertreten. Anders als Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien verfügt die Schweiz über keine staatliche Venture-Capital-Förderung in vergleichbarer Grössenordnung.
Wanja Humanes, Partner bei Kickfund und Co-Autor des Reports sagt: „Wir haben eine der Deep-Tech-intensivsten Volkswirtschaften der Welt aufgebaut – ohne staatliches Risikokapital.“
Gemessen an der Qualität des Ökosystems bleibt inländisches Spätphasenkapital damit deutlich untergewichtet – eine Lücke, die zugleich eine Chance darstellt. (Deep Tech Nation Switzerland/mc/hfu)
Der vollständige Report steht hier zum Download bereit: https://deeptechnation.ch/resources/swiss-deep-tech-report-2026