Ems-Chemie von der Coronakrise hart getroffen

Ems-Chemie von der Coronakrise hart getroffen
Werkplatz Domat/Ems der Ems-Gruppe. (Foto: Ems)

Domat/Ems- Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie haben beim Spezialchemiekonzern Ems deutliche Spuren hinterlassen. Umsatz und Gewinn sind im ersten Halbjahr 2020 deutlich eingebrochen. Die hohen Margen konnte das Unternehmen aber verteidigen.

Die hochleistungsfähigen Kunststoffe von Ems-Chemie kommen in vielen Anwendungen zum Einsatz. Vor allem die Autobauer setzten auf die Ems-Polymere als leichtere Alternative zu Stahl und Co. Der grösste Kundenmarkt von Ems, er steuert mehr als sechs von zehn Franken zum Umsatz bei, brach zuletzt aber massiv ein.

Umsatz bricht ein
Weltweit gingen von Januar bis Juni fast 34 Prozent weniger Fahrzeuge vom Band, erklärte Firmenchefin Magdalena Martullo-Blocher am Freitag vor den Medien. Die Branche steckte schon vor Corona in der Krise – mit den Massnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Pandemie schlossen dann noch Autowerke rund um den Globus. „Während einiger Wochen waren nur in China Werke offen“, sagte Martullo.

Das hinterliess Spuren bei Ems: Insgesamt setzte das Unternehmen mit seinen Polymeren sowie mit Spezialitätenchemie 849 Millionen Franken um, das sind satte 26,4 Prozent weniger als im Vorjahr. In Lokalwährungen gerechnet, also die Aufwertung des Frankens ausgeklammert, wären die Ems-Verkäufe um 21,6 Prozent gesunken.

Doch Ems-Produkte stecken nicht nur in Autoteilen. Das Unternehmen generierte zuletzt erneut Neugeschäfte – gerade auch ausserhalb des Automobilsektors. Die Kunststoffe aus Domat/Ems und anderen Standorten werden auch in Brillen, Skischuhen, Elektrowerkzeugen oder Banknoten verwendet. Und neu werden auch Einkaufswagen daraus gefertigt.

Auch die „Corona-Produkte“ aus dem Hause Ems liefen laut Martullo gut. Die Polymere finden auch Anwendung in Schutzbrillen und Visieren, Beatmungs- und Atemschutzmasken oder in Behältern für Desinfektionsmittel.

Hohe Marge verteidigt
Die Neugeschäfte – diese können in der Regel mit besseren Margen abgeschlossen werden – und bereits früher eingeleitete Effizienzprogramme sorgten trotz der Umsatzbaisse für unverändert hohe Margen. In Zahlen ausgedrückt lag der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT mit 229 Millionen Franken zwar um 27,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die entsprechende Marge ging aber lediglich um 0,5 Prozentpunkte auf immer noch sehr hohe 26,9 Prozent zurück. Das ist deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten.

Im Rahmen eines „Fitnessprogramms“ hat Ems auch freiwerdende Stellen teilweise nicht mehr besetzt. In der Folge zählt die Lohnliste heute rund 4 Prozent weniger Mitarbeiter als Anfang Jahr. An den internationalen Standorten wurde wegen der Auftragsflaute teilweise Kurzarbeit beansprucht. In der Schweiz wurden die ausbleibenden Aufträge hingegen über das Jahresarbeitszeitmodell aufgefangen. „Nach der Finanzkrise 2009 mussten wir zur Kurzarbeit greifen, das wollten wir dieses Mal verhindern“, betonte Martullo.

Keine zweite Welle
Inzwischen haben die Autowerke ihre Produktionen mit wenigen Ausnahmen wieder angefahren. Aber nur in China liefen die Werke wieder unter Volllast, erklärte Martullo. „Von der zweiten Jahreshälfte können keine grossen Wunder erwartet werden“, sagte die Firmenchefin. Diese bleibt daher bei ihrem Ausblick für das gesamte Jahr: Der Betriebsgewinn EBIT wird unter dem Wert des Vorjahres ausfallen. 2019 hatte Ems einen Umsatz von 2,15 Milliarden Franken und einen EBIT von 624 Millionen erzielt.

2021 rechnet Martullo dann mit „bedeutend besseren“ Zahlen. Eine „zweite Welle“ fürchtet sie nicht. „Ich habe die Anweisung ausgegeben: ‚Plant ohne Corona'“, sagte die Ems-Chefin. Bis dannzumal wird Martullo Verwaltungsratspräsident Ulf Berg nicht mehr zur Seite stehen. Er wird im Sommer nach 13 Jahren aus dem Gremium ausscheiden. Auf Bergs Position soll Bernhard Merki nachrücken.

Die Börse freute sich ob der Ergebnisse und zahlte die Papiere am Freitagnachmittag 2,9 Prozent hoch. Mit 773,50 Franken wurde ein neues Allzeithoch notiert. (awp/mc/pg)

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