EY: Stadtwerke suchen Zusammenarbeit mit anderen Branchen

Benjamin Teufel
Benjamin Teufel, Sector Leader Energy, Mining & Metals für die Schweiz bei EY. (Foto: zvg)

Zürich – Zunehmende Digitalisierung und branchenübergreifende Zusammenarbeit eröffnen den Energieversorgungs-Unternehmen (EVU) in der Schweiz neue Geschäftsfelder. So sehen 80 Prozent der Energieversorger grosses Synergiepotenzial im Bereich Telekommunikation, 71 Prozent in der Wohnungswirtschaft und 69 Prozent in der Wärmeindustrie.

Damit hat sich das Potenzial für Kooperationen aus Sicht der EVU noch einmal erhöht: 2019 sahen nur 50 Prozent grosses Synergiepotenzial in der Telekommunikation und 67 Prozent in der Wohnungswirtschaft. Die Wärmeindustrie wurde damals nicht abgefragt.

Insbesondere die Wohnungswirtschaft bietet aus Sicht der EVU noch viel Potenzial: 84 Prozent sehen Chancen darin, neue Geschäftsfelder beispielsweise in den Bereichen Energielieferung (84 Prozent), Energiedienstleistungen (80 Prozent) und Smart Metering (80 Prozent) zu erschliessen.

Das sind Ergebnisse der Stadtwerkestudie 2020 die EY zusammen mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in der Schweiz und in Deutschland erhoben hat. Schweizweit wurden 49 EVU befragt.

Benjamin Teufel, Leiter des Energiesektors in der Schweiz, sagt: „Die Energiewirtschaft hat bereits viele Überschneidungen mit anderen Branchen. Auf der Suche nach aussichtsreichen neuen Geschäftsmodellen wird sie künftig noch stärker über den eigenen Tellerrand schauen. Insbesondere die Wohnungswirtschaft bietet sich als Kooperationspartner an: Dezentrale und klimafreundliche Energielösungen werden immer wichtiger.“

Smart Meter werden zur Datendrehscheibe für neue Produkte
Künftig ergeben sich nach Ansicht von Benjamin Teufel sogar noch mehr Möglichkeiten. Für die Zukunft sieht der EY-Experte noch viel zusätzliches Potenzial: „Die Smart Meter werden als Datendrehscheibe zu zahlreichen neuen Anwendungen, Produkten und Geschäftsmodellen führen. So sind unter anderem Kombitarife denkbar, die auch die Elektromobilität einbeziehen. Mietern könnte ausserdem die genaue Abrechnung zum Monatsende angeboten werden.“ Dementsprechend hat die Digitalisierung für 82 Prozent der EVU in den kommenden zwei bis drei Jahren eine besonders hohe Bedeutung und ist damit das Top-Thema der Branche. 71 Prozent wollen sich besonders dem Thema Smart Metering / Grids widmen, 69 Prozent der Personalentwicklung.

Unter den digitalen Technologien nimmt Smart Metering für 84 Prozent der Energieversorger die grösste Relevanz ein, dicht gefolgt von Cybersecurity (82 Prozent).

Stadtwerke werden Plattformbetreiber
Dabei fallen den EVU auch neue Rollen zu – etwa die als Plattformbetreiber. 82 Prozent erwarten, dass sie im Bereich dezentrale Stromerzeugung als Plattformbetreiber auftreten können, 71 Prozent im Bereich Smart Metering und 67 Prozent im Bereich Elektromobilität. (EY/mc/ps)

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