Feintool steigert 2015 den Umsatz und strebt weiteres Wachstum an

Heinz Loosli

Heinz Loosli, CEO Feintool. (Foto: Feintool)

Lyss – Der Industriegruppe Feintool ist im Jahr 2015 gewachsen und hat auch bezüglich Profitabilität die Ziele erreicht. Massnahmen zur Steigerung der Effizienz und die immer wichtiger werdende ausländische Produktion dämpften die negativen Auswirkungen des starken Schweizer Frankens. Zudem profitierte Feintool vom Wachstum des globalen Automarkts, den das Unternehmen vor allem mit Serienteilen etwa für Getriebe oder Sitzvorrichtungen beliefert.

Den Umsatz im weitergeführten Geschäft steigerte Feintool um 1,1% auf 509 Mio CHF und währungsbereinigt belief sich das Wachstum gar auf 4,4%, wie die Gruppe am Dienstag mitteilte. Das operative Ergebnis (EBIT) sank zwar um 6,4% auf 32,9 Mio, hätte aber bereinigt um knapp 3% zugenommen. Die entsprechende Marge lag mit 6,5% genau in der Mitte des angestrebten Zielbandes (6 bis 7%).

Unter dem Strich resultierte mit einer höheren Steuerbelastung ein Reingewinn von 20,1 Mio CHF nach 24,6 Mio im Vorjahr. Die Dividende soll unverändert 1,50 CHF je Titel betragen, womit wie versprochen knapp ein Drittel des Gewinns ausgeschüttet würden, hiess es.

Wachstum mit Serienteilen
Ausschlaggebend für die «erfreuliche» Entwicklung sei das globale Wachstum in der Automobilindustrie gewesen, in die nahezu alle Feintool-Produkte und Leistungen gehen, sagte CEO Heinz Loosli an der Bilanzmedienkonferenz. Insbesondere das für Feintool wichtige mittlere und Premium-Segment habe sich gut entwickelt. Besonders die Teilefertigung (System Parts) bekam das mit einem Wachstum von 8,2% (in LW) und einer EBIT-Marge von ebenfalls 8,2% zu spüren.

Während System Parts zum Gruppenumsatz bereits 86% beisteuert, sank der Umsatz im deutlich kleineren Investitionsgütergeschäft (Fineblanking Technology) um 11%. Die Nachfrage nach Feinschneidepressen sei bei KMU aufgrund konjunktureller Unsicherheiten von Zurückhaltung geprägt, so der CEO. Immerhin nahmen die internen Verkäufe an die Teilefertigung leicht zu. Die Marge des Segments liegt mit 5,2% unter jener von System Parts.

Weiteres Wachstum angestrebt
Feintool will auch künftig sich bietende Marktchancen nutzen, sei es über Zukäufe oder Investitionen in die Produktion, sagte VR-Präsident Alexander von Witzleben. Die Finanzierung von kleineren, das Geschäft ergänzenden Akquisitionen soll – sofern notwendig – über die Ausgabe neuer Aktien abgesichert werden. Der Verwaltungsrat beantragt dazu die Schaffung von genehmigten Kapital in Höhe von 600’000 Aktien.

Ausserdem plant man den Einstieg in die Produktion einfacherer Anwendungen in Osteuropa. «Wir gehen nicht nur wegen tieferer Lohnkosten nach Osteuropa, sondern folgen dem Markt bzw. unseren Kunden», erklärte Loosli. Viele Autobauer, etwa Daimler, hätten Produktionen nach Osteuropa verschoben. Die Fabrik will Feintool «auf der grünen Wiese» bauen, wobei Initialinvestitionen zwischen 20 und 25 Mio CHF anfallen dürften.

Mit Blick auf den starken Franken wird die Produktion in Lyss verstärkt auf Spezialitäten ausgerichtet und die weniger mit Know-How verbundene Produktion von Teilen an den neuen Standort im sächsischen Oelsnitz in Deutschland verlagert. Positive Resultate werde man daraus noch im laufenden Jahr an beiden Standorten sehen, hiess es.

Sowieso sei der Start in das Jahr 2016 gut gelungen. Feintool will den Umsatz 2016 um 5% auf 530 Mio CHF und die EBIT-Marge auf rund 7% steigern. «Mittelfristig halten wir an unserer Zielsetzung von 600 Mio Umsatz und einer Marge von 8% fest», so von Witzleben. Zuversichtlich stimmen die intakten Wachstumsprognosen am globalen Automarkt. Dies, obwohl der Absatz von Dieselmotoren in den USA nach dem VW-Skandal etwas ins Stocken geraten könnte. Insgesamt sei in den kommenden Jahren vor allem in China, aber auch in den USA und Europa mit steigenden Autoverkäufen zu rechnen.

An der Börse verlieren Feintool am Dienstag in einem schwächelnden Gesamtmarkt (SPI: -0,27%) bis am Nachmittag 1,1% auf 84,45 CHF. Die Gruppe hat die Vorgaben mit den Geschäftszahlen erfüllt, doch wird der Ausblick von Analysten als «eher vorsichtig» und daher «leicht enttäuschend» eingeschätzt. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.