Frankenaufwertung wird am Arbeitsmarkt spürbar

Arbeitnehmer

Unsicherheit in Betrieben: Schweizer Unternehmen tendieren vermehrt zu einem Stellenabbau. (Foto: Jeanette Dietl – Fotolia.com)

Zürich – Im April fiel der KOF Beschäftigungsindikator auf den tiefsten Wert seit dem Ende der Wirtschaftskrise von 2009. Die Unternehmen in der Schweiz tendieren vermehrt zu einem Stellenabbau. Die starke Aufwertung des Schweizerfrankens nach der Aufhe­bung der Wechselkursuntergrenze dürfte hierfür ursächlich sein.

Die Anzeichen mehren sich, dass der Frankenschock nicht spurlos am Schweizer Arbeits­markt vorbeigehen wird: Der KOF Beschäftigungsindikator, der eine frühe Einschätzung der Lage auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht, fällt im 2. Quartal 2015 auf -6.2 Punkte. Auf einem solch tiefen Niveau lag der Indikator zuletzt zum Ende der weltweiten Krise im 4. Quartal 2009. Der Indikator wird aus den KOF Konjunkturumfragen ermittelt, die monatlich und vier­teljährlich bei mehr als 9000 Unternehmen in der Schweiz durchgeführt werden. Da der Anteil der Unternehmen, die planen, in den kommenden drei Monaten Stellen abzubauen, grösser ist als der Anteil jener Unternehmen, die Stellen schaffen wollen, fällt der Indikator in den negativen Bereich. Auch den gegenwärtigen Bestand an Beschäftigten bewertete eine über­wiegende Zahl der befragten Unternehmen als zu hoch. Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich in naher Zukunft entsprechend verschlechtern.

Im 1. Quartal 2015 lag der Beschäftigungsindikator noch bei -2 Punkten. Eine Mehrzahl der teilnehmenden Unternehmen hatte damals die Umfrage aber noch vor der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses am 15. Januar beantwortet. Der aktuelle Rückgang des Indi­kators dürfte daher zu einem grossen Teil auf die starke Frankenaufwertung zurückzuführen sein, die auf die Aufhebung des Mindestkurses folgte. Die Aufwertung verteuerte die meisten Schweizer Produkte und Dienstleistungen im Ausland erheblich, wodurch Schweizer Firmen insbesondere gegenüber europäischen Konkurrenten an preislicher Wettbewerbsfähigkeit einbüssten. Das wirkt sich nicht nur bei Exporteuren negativ auf die Beschäftigung aus. Die Aufwertung belastet vielmehr auch Firmen, die überwiegend auf dem heimischen Markt aktiv sind, da sie auch Importe gegenüber Schweizer Produkten vergünstigt. So sinkt beispiels­weise die Nachfrage bei Schweizer Zulieferfirmen, weil andere Firmen Vorleistungsgüter vermehrt aus dem Euroraum beziehen.

Ergebnisse nach Branchen
Nicht unerwartet deuten die Beschäftigungsindikatoren für die einzelnen Branchen darauf hin, dass sich die Beschäftigungssituation insbesondere in den exportorientierten Branchen verschlechtern wird. Die branchenspezifischen Beschäftigungsindikatoren der Industrie wie auch des Gastgewerbes und der Banken bewegen sich klar im negativen Bereich.

Allerdings zeigt sich der Frankenschock auch bereits deutlich in den Beschäftigungsindi­katoren von stärker binnenorientierten Dienstleistungsbranchen. Der Beschäftigungsindikator des Detailhandels fällt gar auf den tiefsten Wert seit mehr als zehn Jahren, was auf die be­deutende Zunahme des Einkaufstourismus im grenznahen Ausland zurückzuführen sein dürfte. Der Margendruck im Detailhandel und die zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland machen sich auch in schweizerischen Zulieferbetrieben bemerkbar. Auch der Beschäfti­gungsindikator des Grosshandels fällt tief in den negativen Bereich. Robust gegenüber den Wechselkursturbulenzen zeigt sich der Beschäftigungsindikator des Baugewerbes, der nahe bei null liegt. Das deutet darauf hin, dass die Beschäftigung im Bau zumindest in den nächs­ten drei Monaten auf hohem Niveau konstant bleibt.

Weitere Informationen zum KOF Beschäftigungsindikator:
http://www.kof.ethz.ch/de/indikatoren/beschaftigungsindikator

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