Gewerkschafter sehen AHV gegenüber der dritten Säule im Vorteil

Pensionskasse
(Foto: eyetronic - Fotolia.com)

(Foto: eyetronic – Fotolia.com)

Bern – Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) stärkt der AHV im Hinblick auf die bevorstehende Parlamentsdebatte zur Altersvorsorge 2020 den Rücken: Verglichen mit privaten Vorsorgelösungen verfüge die erste Säule über ein viel besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. „Nirgends gibt es für einen Beitragsfranken eine so hohe Rente wie bei der AHV“, kommentierte Präsident Paul Rechsteiner am Mittwoch vor den Medien in Bern Modellrechnungen des SGB. Für eine gleich hohe Rente müsse teilweise mehr als doppelt so viel Geld in eine dritte Säule eingezahlt werden wie in die AHV.

Die Gewerkschafter wollen mit den Zahlen den privaten Versicherungskonzernen und den Grossbanken entgegenwirken, „welche mit bestellten Studien die staatlich geregelte Altersvorsorge und insbesondere die AHV schlechtreden“. Dabei seien AHV-Altersrenten dem privaten Alterssparen deutlich überlegen.

„Überwiegende Mehrheit profitiert“
Gemäss der Analyse hätte ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem versicherten Lohn von zuletzt 7’400 CHF im Referenzjahr 2013 10,3% des Lohnes in die AHV einzahlen müssen. Hätte das gleiche Paar eine gleich hohe Rente privat ansparen wollte, hätte es 22,5% des Lohnes auf die Seite legen müssen.

Profitieren bis zu einer Obergrenze von 220’000 Franken
Doris Bianchi, Spezialistin für Sozialversicherungen beim SGB, stellte klar, „dass nicht nur Menschen mit tiefen Einkommen profitieren“. Bei einem Ehepaar mit einem Monatseinkommen von 11’200 CHF sei die AHV im Vergleich zur dritten Säule über die 44 Beitragsjahre gesehen mit über 217’000 CHF im Vorteil. Auch für Alleinstehende mit Einkommen über 10’000 CHF pro Monat sei die AHV die rentabelste Lösung. „Es zeigt sich, dass in der Schweiz die überwiegende Mehrheit von der AHV profitiert“, sagte Bianchi.

Dies gelte bis zu einem Einkommen von rund 220’000 CHF pro Jahr, schränkte Rechsteiner ein. Ab dieser Obergrenze sind die Leistungen der AHV jener privater Versicherungen im Kostenverhältnis nicht mehr überlegen.

Solidarität sowie schlanke Strukturen
Den Grund für das gute Abschneiden der AHV sehen die Gewerkschaften insbesondere im Finanzierungsmodell: „Die starke Solidarität zwischen hohen und tiefen Einkommen und die Berücksichtigung unbezahlter Familienarbeit in der Rentenberechnung sprechen für die AHV.“ Doch die AHV profitiere auch von der Schwäche privater Vorsorgelösungen. Anbieter der dritten Säule böten oft schlechte Konditionen – beispielsweise verlangten sie hohe Gebühren.

Zudem gehörten die schlanke Verwaltung, die grosse Unabhängigkeit vom Gewinnstreben privater Anbieter sowie die Umlagefinanzierung zu den Trümpfen der AHV, sagte Bianchi. Diese gelte es auszuspielen.

Rüsten für Parlamentsdebatte
Für Rechsteiner ist das Verhältnis von Sozialversicherung zu privaten Vorsorgelösungen „eines der zentralen Felder der Auseinandersetzung um die Altersvorsorge 2020“. Deshalb hätten sich die Modellrechnungen auf den Vergleich zwischen erster und dritter Säule konzentriert. „Wir verteidigen aber auch die Pensionskassen“, sagte er.

Der Bundesrat will die Botschaft zur Altersvorsorge 2020 noch vor Ende Jahr verabschieden. Im Parlament werde es „grosse Diskussionen“ zwischen privatem Alterssparen und der AHV geben, sagte der oberste Schweizer Gewerkschafter. Verschiedene Akteure setzten sich für eine Stärkung der dritten Säule ein. „Wir sind aber AHV-Patrioten.“ Statt geschwächt müsse die AHV gestärkt werden. Dieses Ziel verfolgt auch die vom SGB lancierte Volksinitiative „AHVplus“. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.