Givaudan: Rohstoffpreise und Frankenstärke belasten

Gilles Andrier

Givaudan-CEO Gilles Andrier.

Vernier – Der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan hat im vergangenen Geschäftsjahr 2011 unter dem starken Schweizer Franken und steigenden Rohstoffkosten gelitten. Preiserhöhungen sind unterwegs und deren positiven Auswirkungen lassen sich bereits am Ergebnis des zweiten Semesters ablesen.

Der Umsatz sank im Berichtsjahr um 7,6% auf 3,92 Mrd CHF; in Lokalwährungen wären die Verkäufe um 5,2% gewachsen. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA (bereinigt um Integrations- und Restrukturierungskosten) ging um 18% auf 790 Mio zurück. Die entsprechende Marge betrug damit 20,2%, nach 22,7% im Vorjahr. In Lokalwährungen ergab sich auf vergleichbarer Basis ein Rückgang des EBITDA um 8,6%.

Franken und Rohstoffkosten dämpfen «erheblich»
Die Aufwertung des Schweizer Frankens sowie der Anstieg der Rohstoffkosten hätten die absolute Höhe des EBITDA «erheblich» gedämpft, so Givaudan. Die Stärke der heimischen Währung habe indes «keine signifikanten» Auswirkungen auf die Marge gehabt. Sehr wohl aber der «markante» Anstieg der Rohstoffpreise, der die Bruttogewinnmarge auf 42,6% von 46,1% im Vorjahr geschmälert habe. Der Ausgleich dieser gestiegenen Kosten durch Preismassnahmen verläuft gemäss Angaben von Givaudan «nach Plan». Diese hätten ab dem zweiten Quartal Wirkung gezeigt und sollen im laufenden Jahr fortgesetzt werden. Deren Auswirkungen lassen sich bereits in der gegenüber dem ersten Semester erhöhten EBITDA-Marge (H1: 19,1%) ablesen.

Höhere Dividende trotz Gewinnrückgang

Unter dem Strick verdiente Givaudan 252 Mio CHF, 26% weniger als 2010. Der Gewinn pro Aktie ging auf 27,71 CHF von zuvor 37,87 CHF zurück. Mit den vorgelegten Zahlen hat Givaudan die Schätzungen der Analysten bis auf den Reingewinn übertroffen. Trotz Gewinnrückgang sollen die Aktionäre eine um 50 Rappen auf 22 CHF erhöhte Dividende je Aktie erhalten. Der Betrag wird aus den Reserven für Kapitaleinlagen gedeckt und ist damit steuerfrei.

Dereinst sollen die Anteilseigner noch reicher beschenkt werden: So bald der Verschuldungsgrad auf 25% gefallen ist, will Givaudan mehr als 60% des freien Cashflows ausschütten. Allerdings ist die so genannte Leverage-Ratio per Ende Dezember 2011 auf 29% gestiegen, nach 28% Ende 2010. Die Nettoverschuldung des Konzerns lag Ende 2011 bei 1,45 Mrd CHF und damit über dem Vorjahreswert von 1,35 Mrd.

Sinkender Cashflow wegen Lageraufbau
So viel wäre im Moment aber auch nicht auszahlbar: Der freie Cashflow sank im Berichtsjahr um 73% auf 117 Mio CHF und entsprach noch 3,0% der Verkäufe. Der Rückgang sei neben dem tieferen EBITDA höheren Investitionen (176 Mio nach 105 Mio) und einem zusätzlichen Bedarf an Betriebskapital geschuldet. Während einer SAP-Implementierung in Asien zu habe Givaudan die Lagerbestände erhöht, heisst es erklärend. Der Cashflow aus operativer Tätigkeit fiel auf 456 Mio von 730 Mio.

Aromen-Division: Deutliches Wachstum in Schwellenländeren
Die Division Riechstoffe erfuhr im Berichtsjahr einen Umsatzrückgang um 7,8% auf 1,83 Mrd CHF (+4,7% in Lokalwährungen), davon entfielen 1,59 Mrd (+5,3% in LW) auf die Gesamtverkäufe von Parfüms. Dabei seien die Verkäufe im Bereich Luxusparfümerie um 0,2% gewachsen. Der Bereich Riechstoff-Ingredienzien steigerte seine Verkäufe in Lokalwährungen um 0,7%. Der (bereinigte) EBITDA der Division sank um 19% auf 359 Mio CHF. Die entsprechende Marge ging auf 19,6% (VJ 22,4%) zurück. Die Division Aromen erfuhr einen Umsatzrückgang um 7,5% auf 2,08 Mrd CHF (+5,7% in Lokalwährungen), dabei hätten die Schwellenmärkte ein nahezu zweistelliges Wachstum ausgewiesen. Der auf vergleichbarer Basis ausgewiesene EBITDA fiel von 518 Mio auf 431 Mio. Die Marge sank von 23,0% auf 20,7%.

Ziele bestätigt

Givaudan bekräftigt seine langfristigen Ziele. Demnach streben die Genfer jährlich ein organisches Wachstum von 4,5 bis 5,5% an bei einem erwarteten Marktwachstum von 2 bis 3%. Die EBITDA-Marge soll dauerhaft auf einem «branchenführenden» Niveau liegen. Ausserdem soll der freie Cashflow bis 2015 auf 14–16% des Umsatzes gesteigert werden. Kurzfristig verspreche sich Givaudan Nutzen aus der vollständigen SAP-Einführung, beispielsweise durch die Shared-Services-Initiative. Gleichzeitig werde sichergestellt, dass weniger Betriebskapital benötigt wird. (awp/mc/upd/ps) 

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