Givaudan wächst trotz Coronakrise unbeirrt weiter

Parfum
(Photo by alexey turenkov on Unsplash)

Vernier – Givaudan produziert trotz Coronakrise mit fast voller Kapazität. Mit dem organischen Wachstum zum ersten Quartal 2020 übertraf der Aromen- und Duftstoffhersteller denn auch klar die Erwartungen der Analysten.

In Franken stieg der Gruppenumsatz um 6,1 Prozent auf 1,62 Milliarden Franken. Auf vergleichbarer Basis betrug das Wachstum 5,4 Prozent, wie Givaudan am Mittwoch mitteilte.

Damit lag das organischen Wachstum oberhalb der mittelfristigen Zielbandbreite des Unternehmens von 4 bis 5 Prozent und auch oberhalb der Erwartungen der Analysten. Diese waren gemäss AWP-Konsens von 3,5 Prozent ausgegangen.

Keine Einschränkungen durch Corona-Massnahmen
Dabei kommt Givaudan in der Coronakrise stark entgegen, dass es als Zulieferer für Produkte, die zur Grundversorgung gehören, von den Einschränkungsmassnahmen des Bundes verschont blieb, wie Givaudan-Chef Gilles Andrier gegenüber AWP erklärte.

So kann der CEO sagen: „Die überwiegende Mehrheit unserer Standorte ist voll ausgelastet.“ Und teilweise profitiere Givaudan sogar von den Massnahmen des Bundes. Denn dadurch gebe es einen Trend hin zu verpackten Lebensmitteln, Snacks und Fertiggerichten. Dazu komme eine gesteigerte Nachfrage nach Reinigungs- und Pflegeprodukten.

Zuversichtlich stimmt den Givaudan-Chef auch, dass durch die Krise das Naturazeutika-Geschäft profitiere. Also das Geschäft mit alternativen Heilmitteln, an dem die Gruppe über die im Herbst 2018 dazugekaufte Naturex beteiligt ist. Denn die Gesundheit im Allgemeinen und ein stärkeres Immunsystem seien derzeit hoch im Kurs.

Luxusparfümerie muss Federn lassen
In der Krise nicht ungeschoren davon kommt allerdings die sehr profitable Luxusparfümerie. So hat es hier nach „starkem“ Jahresbeginn im März bereits einen heftigen Rückgang gegeben, wie Givaudan mitteilte.

CEO Andrier räumt ein, dass das Geschäft mit Luxusparfümen schwierig geworden sei. Nachdem der Flugverkehr beinahe eingestellt worden sei, hätten viele Duty-Free-Shops geschlossen werden müssen, erklärt er. Und diese machten 20 bis 30 Prozent der Parfüm-Verkäufe aus. Dazugekommen sei die Absenz der chinesischen Kunden, die hier normalerweise sehr stark zum Umsatz beitrügen.

Dass die Luxusparfümerie im ersten Quartal dennoch organisch um 1,9 Prozent gewachsen ist, führt Andrier auf einen Nachholeffekt zurück. Denn zum Ende des letzten Jahres kam es zu einer Auftragsverschiebung eines grossen Kunden aus den USA. Dieser Auftrag wurde nun zu Beginn des laufenden Jahres verbucht.

Dennoch bedeutet dies einen starken Einbruch für das Segment. Denn im Jahr 2019 lag das Wachstum hier auf vergleichbarer Basis noch bei 10,3 Prozent. Und der Blick voraus versprich angesichts der andauernden Coronakrise vorerst keine Besserung.

Im zweiten Quartal wird es anspruchsvoller
So wird denn auch in Analystenkreise davon ausgegangen, dass wegen der Probleme in der Luxusparfümerie der Geschäftsgang im zweiten Quartal harziger wird.

Einige Experten halten dem allerdings entgegen, dass dafür andere Produktkategorien – wie etwa Fertiggerichten – von der Krise profitierten. Ausserdem habe sich die Rohstoffsituation entspannt.

Zudem verweist Givaudan-Chef Andrier darauf, dass Givaudan selbst in den schlimmsten Krisenzeiten noch 2 Prozent gewachsen sei. „Ich habe als CEO bereits die Krise von 2009 erlebt, welche eine grosse Bewährungsprobe für Givaudan war“, so Andrier dazu. Und bereits damals habe sich das Unternehmen als widerstandsfähig erwiesen.

Mittelfristziele bestätigt
So hält der Branchenprimus denn auch unbeirrt an seinen mittelfristigen Finanzzielen fest. Diese sehen ein organisches Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent vor sowie eine Free-Cashflow-Rendite zwischen 12 bis 17 Prozent.

Beide Ziele versteht Givaudan als Durchschnitt über den fünfjährigen Strategiezyklus, der in diesem Jahr endet. Entsprechend sollen am Investoren-Tag im August neue Mittelfristziele bekanntgegeben werden.

Gleichzeitig hält das Unternehmen „im Rahmen der Zielsetzung“ an seiner Dividendenpraxis fest. Bisher hat Givaudan seit dem Börsengang 2000 jedes Jahr die Dividende erhöht. (awp/mc/pg)

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