Glencore leidet unter Preisverfall und schreibt Milliardenverlust

Ivan Glasenberg
Glencore-CEO Ivan Glasenberg.

Glencore-CEO Ivan Glasenberg.

Baar – Niedrige Rohstoffpreise und eine drückende Schuldenlast haben dem Bergbaukonzern Glencore im vergangenen Jahr arg zugesetzt. Mit Blick nach vorne zeigt sich das Unternehmen indes trotz des weiterhin garstigen Marktumfelds für Rohwaren zuversichtlich und verweist dabei auf hohe Liquidität.

Der Rohstoffriese schrieb 2015 unter dem Strich einen Verlust von 8,1 Mrd USD. Im Vorjahr hatte Glencore noch einen Reingewinn von 2,4 Mrd USD ausgewiesen. Der den Aktionären zurechenbare Verlust beläuft sich auf knapp 5 Mrd USD, wie der Rohstoff- und Minenkonzern mit Sitz in Baar ZG am Dienstag mitteilte.

Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT sank um 68% auf 2,2 Mrd USD. Der Umsatz verringerte sich derweil um 23% auf 170,5 Mrd USD. Als Grund für den Rückgang nennt Glencore den Preisverfall bei den Rohstoffen, das tiefere Wirtschaftswachstum in China sowie den starken Dollar.

Die Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren gesunken. Grund ist vor allem die schleppende Konjunktur in China. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt wuchs im letzten Jahr mit 6,9% so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Wegen der sinkenden Nachfrage hatte Glencore im vergangenen Jahr die Produktion von Kupfer (3%), Kohle (10%) und Nickel (5%) zurückgefahren.

Robustes Geschäft
Doch Konzernchef Iwan Glasenberg gibt sich zuversichtlich. «Unser Geschäft bleibt operativ und finanziell robust», sagte er an einer Medienkonferenz in London. Er verwies auf eine solide Bilanz mit einer rekordhohen Liquidität von rund 15 Mrd USD zum Jahresende. Ausserdem sei das Unternehmen nach wie vor cash-generativ.

Wegen des Preiszerfalls bei den Rohstoffen will Glencore seinen gewaltigen Schuldenberg abtragen. Dieser hatte im ersten Halbjahr 2014 einen Höchststand von 37,6 Mrd USD erreicht. Bis Ende 2016 soll die Verschuldung auf 18 bis 19 Mrd USD sinken.

Bis Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres konnte Glencore seine Nettoverbindlichkeiten um 15% auf knapp 26 Mrd USD reduzieren. Damit sieht sich der Konzern auf Kurs. Finanzchef Steven Kalmin zeigte sich überzeugt, dass Glencore sein Ziel erreichen wird.

Bei den Beteiligungsverkäufen kommt der Konzern deutlich schneller voran als zunächst geplant. Im laufenden Jahr sollten zusätzlich Geschäftsbereiche im Volumen von 4 bis 5 Mrd UDS verkauft werden, neben den bereits vereinbarten Verkäufen in Höhe von 1,6 Mrd USD.

So rechnet Glencore damit, dass sich die Gruppe noch im zweiten Quartal 2016 von Minderheitsanteilen im Landwirtschaftsgeschäfte trennen könne. Auch verlaufe der Verkaufsprozess für die Minen Cobar und Lomas Bayas gut. Zudem sieht der Konzern, der weltweit rund 160’000 Mitarbeitende beschäftigt, für das laufende Geschäftsjahr weitere Kosteneinsparungen im Umfang von 400 Mio USD vor.

Markt in der Krise
Glencore steht in der Krise nicht alleine da. So kappte der britisch-australische Konkurrent BHP Billiton nach einem desaströsen Halbjahr die Dividende – zum ersten Mal seit seiner Entstehung vor 15 Jahren.

Beim britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto halbierte sich der Reingewinn im vergangenen Jahr auf 4,5 Mrd USD, der niedrigste Gewinn seit Jahren. Der brasilianische Bergbaukonzern Vale fuhr im vierten Quartal einen Nettoverlust von 8,57 Mrd USD ein – der grösste Fehlbetrag seit der Privatisierung des Bergbau-Konzerns 1997. (awp/mc/upd/ps)

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