Keine Brandschutzkontrolle seit fünf Jahren in Bar in Crans-Montana

Keine Brandschutzkontrolle seit fünf Jahren in Bar in Crans-Montana
Die Bar «Le Constellation» in Crans Montana vor dem verheerenden Brand. (Foto: crans-montana.ch)

Crans-Montana VS – Die letzte Brandschutzkontrolle in der Bar «Le Constellation» in Crans Montana VS vor dem verheerenden Feuer in der Silvesternacht hat vor fünf Jahren stattgefunden. Die Gemeinde bedauert diesen Fehler zutiefst. Ob die verbaute Lärmschutzdecke den Vorschriften entsprach, ist weiter unklar.

Die Gemeinde wisse nicht, ob die verwendeten Schaumstoff-Panels zertifiziert waren, sagte Gemeindepräsident Nicolas Féraud am Dienstag in Crans-Montana vor den Medien. «Bei Kontrollen in der Bar in den Jahren 2017, 2018 und 2019 haben die Behörden keine Mängel an der verbauten Lärmschutz-Decke festgestellt», so Féraud.

Auch sonst sei der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde zum Schluss gekommen, dass alles den Normen entspreche. Der Barbetreiber habe ab 2015 selbst Innenarbeiten im Gebäude ausgeführt, für die keine gesetzliche Baubewilligung vorgeschrieben sei, erklärte der Gemeindepräsident.

«Haben heute keine Erklärung dafür»
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der verheerende Brand mit den 40 Toten und 116 Verletzten in der Silvesternacht von der Verwendung von «Wunderkerzen» ausging. Diese setzten gemäss ersten Erkenntnissen die Schaumstoffdecke der Bar in Brand. Aus welchem Material diese bestand, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Das Walliser Gesetz schreibt vor, dass öffentlich zugängliche Gebäude in Sachen Brandschutz jedes Jahr kontrolliert werden müssen. Die Verantwortung dafür liegt bei den Gemeinden.

Die Behörden von Crans-Montana sind seit der Gemeindefusion 2017 für die Aufsicht zuständig. Zuvor lag das Gebäude, in dem sich die Bar befand, auf dem Gebiet von Chermignon, wie Féraud erklärte.

Der Gemeindepräsident räumte an der Medienkonferenz ein, dass in der Bar in den vergangenen fünf Jahren keine Brandschutzkontrollen mehr durchgeführt worden seien. «In den Jahren 2020 bis 2025 wurde der Betrieb ‚Le Constellation‘ nicht von einem Brandschutzexperten der Gemeinde kontrolliert», so Féraud.

Weshalb es zu dieser Lücke kam, konnte Féraud nicht sagen. «Wir haben heute keine Erklärung dafür.» Das tue ihm schrecklich leid. Die Justiz werde entscheiden, wer verantwortlich sei. Vor Tagen hatte der Gemeindepräsident gegenüber Medien Vorwürfe noch zurückgewiesen, dass es beim Brandschutz ein «ein lasches Verhalten» der Gemeinde gegeben habe.

Kritik an Barbetreibern
Laut Féraud hatten die Behörden vor der Brandkatastrophe keine Kenntnis von gefährlichen Situationen in der Bar «Le Constellation». «Niemand wusste, was sich in der Bar abspielt.»

Die Gemeinde sei schockiert von den Videos, auf denen zu sehen ist, dass bereits vor Jahren in der Bar mit Feuer hantiert wurde. «Wir haben nie Meldungen erhalten», sagte Féraud.

Die Barbetreiber seien offenbar «extrem fahrlässig» gewesen, so der Gemeindepräsident weiter. «Sie sind Risiken eingegangen, die man nicht verantworten kann.»

Ob der Notausgang der Bar funktioniert habe, könne er nicht sagen, sagte Féraud auf Fragen von Journalistinnen und Journalisten. Dies müsse die Justiz ermitteln.

Als Sofortmassnahme sei ein Verbot von pyrotechnischen Gegenständen in geschlossenen Räumen auf dem ganzen Gemeindegebiet beschlossen worden, fügte er hinzu.

Dass die Gemeinde Crans-Montana als Nebenklägerin am Strafverfahren teilnehmen will, ist für Féraud kein Widerspruch. «Wir sind auch Opfer und Betroffene dieses Dramas.»

Die Justiz werde entscheiden, ob die Gemeinde als Nebenklägerin akzeptiert wird, sagte der Gemeindepräsident. Die Gemeinde habe alle relevanten Unterlagen zum Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Kein Rücktritt
Einen Rücktritt lehnte Féraud ab. «Wir verlassen das Schiff nicht im Sturm», sagte er auf entsprechende Fragen. Die Gemeinde sei nun daran, die Sicherheit in allen öffentlichen Lokalen zu überprüfen.

«Wir sind sehr traurig», sagte Féraud auf mehrere Fragen von Medienschaffenden, ob er sich bei den Opferfamilien entschuldigen wolle. «Sollte es eine strafrechtliche Verantwortung geben, werden wir als Gemeinde dazu stehen.» Er vertraue der Justiz.

Angehörige fordern Aufklärung
Angehörige der Opfer kritisierten nach der Medienkonferenz das Fehlen von Entschuldigungen und «die gravierenden Kontrollversäumnisse der Gemeinde». «Meine Mandantinnen und Mandanten hätten fünf Tage nach den Ereignissen eine Entschuldigung erwartet», schrieb der Genfer Opferanwalt Roman Jordan in einer Medienmitteilung.

Die zahlreichen Kontrollversäumnisse machten eine Untersuchung der Gemeinde dringend erforderlich. Der Versuch der Gemeinde, sich als Geschädigte darzustellen oder Zivilpartei zu werden, sei klar zurückzuweisen. Sie müsse ihre Verantwortung übernehmen, hiess es weiter. (awp/mc/ps)

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