Kühne+Nagel navigiert erfolgreich durch die Corona-Krise

Kühne+Nagel navigiert erfolgreich durch die Corona-Krise
Detlef Trefzger, CEO Kühne+Nagel International AG. (Foto: K+N)

Schindellegi – Die Corona-Pandemie hat die Logistikbranche zwar hart getroffen, doch schlägt sich mit Kühne+Nagel einer der grossen Player der Branche überraschend gut. Sein Halbjahresergebnis war klar besser als erwartet.

Konkret ging der Nettoumsatz im Zeitraum von Januar bis Juni um 7,5 Prozent auf 9,8 Milliarden Franken und der Rohertrag um 9,1 Prozent auf 3,7 Milliarden zurück, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Der operative Gewinn (EBIT) brach gar recht deutlich ein und zwar um 18,0 Prozent auf noch 419 Millionen Franken. Der den Aktionären anrechenbare Reingewinn sank um 19,4 Prozent auf 308 Millionen. Doch sind diese Werte allesamt deutlich besser als zuvor von Analysten erwartet wurde.

Luftfracht mit starkem Resultat
Da die Zahlen zum ersten Quartal erst den Einbruch in China und den Beginn der Corona-Einschränkungen beinhalteten, hatten Analysten für das zweite Quartal mit einem Absturz gerechnet. Dieser ist so nicht eingetroffen.

Zwar verzeichnete das Unternehmen aus Schindellegi in seiner Paradedisziplin, der Seefracht, im zweiten Quartal einen deutlichen Geschäftseinbruch um 28,5 Prozent. Doch lief es dem Unternehmen in der Luftfracht gut, der operative Gewinn (EBIT) legte um starke 17 Prozent zu.

Eigentlich hatte das Grounding der Passagierflotten im März und April gerade für diese Sparte Sorgen ausgelöst. Denn rund 50 Prozent aller Fracht transportiert die ­Logistikbranche in Passagierflugzeugen mittels sogenannter „Belly Freight“ in deren Laderaum.

„Viele Kunden wollten Waren wie Masken transportieren, doch war die entsprechende Kapazität nicht vorhanden“, erklärte denn auch der Finanzchef des Unternehmens, Markus Blanka-Graff am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Eigene Maschinen gechartert
Da dies nicht möglich war, musste das Unternehmen improvisieren und eigene Maschinen chartern. Das habe sich als äusserst lukrativ herausgestellt, betonte ein Analyst. Der veränderte Produktmix, der sich von verderblichen Waren hin zu Krisengütern entwickelte, habe sich bezahlt gemacht.

Insgesamt, so lautet das eigene Fazit des Unternehmens, habe man ein „ansprechendes operatives Ergebnis“ erzielt. Gruppenweit initiierte Kosteneinsparungen hätten sich positiv ausgewirkt und man habe gar Marktanteilsgewinne realisiert.

Die Kosteneinsparungen wurden unter anderem mit einem Abbau beim Personal realisiert, vor allem in Nordamerika. Da auf diesem Kontinent während des Lockdowns keine Kurzarbeit nach europäischem Zuschnitt zur Verfügung stand, sei man nicht umhin gekommen, einen Teil der Belegschaft zu entlassen. In Europa habe man hier anders reagieren können.

Kühne+Nagel-Firmenpatron und Mehrheitsaktionär Klaus-Michael Kühne hatte bereits im Mai in einem Interview gesagt, dass seine Gruppe nach der Coronakrise deutlich weniger Mitarbeiter als zuvor haben dürfte. Er sprach damals von einem Abbau im Bereich eines Fünftels der Belegschaft.

Keine Prognose für 2020
Wie es nun weitergeht, darauf möchte sich das Management von Kühne+Nagel aber weder in der Luft-, noch in der Seefracht festlegen. In der Analystenpräsentation zum Halbjahr findet sich zu den einzelnen Sparten kein Ausblick. Die „Unsicherheit“ sei zu hoch, erklärte Blanka-Graff.

Gerade in der Luftfracht stelle sich aber langsam wieder der Normalzustand ein, sagte er weiter. Einerseits gehe die Nachfrage nach klassischen Krisengütern zurück, andererseits ziehe der normale Konsum wieder an.

Dabei helfe, dass die Airlines ihre Passagierflüge wieder hochfahren würden. Noch fehlten allerdings viele der klassischen interkontinentalen Verbindungen. Flüge nach Mallorca machten sich für einen Logistikkonzern nicht in gleichem Masse bezahlt wie solche nach Nordamerika, so der Manager.

Dividende von 4 Franken
Die somit weiterhin grosse Unsicherheit hält das Aufsichtsgremium allerdings nicht davon ab, an die Aktionäre zu denken. So möchte der Verwaltungsrat den Anteilseignern nun doch noch – wie ursprünglich geplant – 4,00 Franken pro Aktie ausschütten.

An der Börse stiessen die Neuigkeiten aus Schindellegi auf kein positives Echo. Die Valoren von Kühne+Nagel notierten bei Handelsschluss 2,3 Prozent tiefer. Der Leitindex (SMI) gab derweil 0,26 Prozent nach. (awp/mc/ps)

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